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Arzneimittel-Ausgaben in Schleswig-Holstein erneut gestiegen - Patentschutz treibt Kosten in die Höhe

Pressemitteilung

Kiel (17. Oktober 2019). In Schleswig-Holstein sind die Ausgaben für Arzneimittel erneut gestiegen: Im ersten Halbjahr 2019 erhielten die rund 2,5 Millionen gesetzlich Versicherten Medikamente im Wert von über 690 Millionen Euro. Das ist ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 4,6 Prozent. Dies teilte heute die AOK NORDWEST auf Basis der aktuellen Statistiken des GKV-Spitzenverbandes mit. „Neue patentgeschützte Arzneimittel sind seit vielen Jahren die wesentlichen Kostentreiber. Denn in Deutschland können Hersteller nach wie vor für die ersten zwölf Monate den Preis ihres neuen Arzneimittels frei festlegen und Mondpreise dafür verlangen. Wir fordern deshalb den Gesetzgeber auf, hier dringend zu handeln, damit die Arzneimitteltherapie auch morgen noch bezahlbar bleibt“, sagt AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann.

Anders als in den meisten europäischen Ländern wird aktuell in Deutschland nicht bereits beim Markteintritt über Erstattungsfähigkeit und Preis entschieden. Erst nach einem Jahr gilt ein zwischen dem Anbieter und dem GKV-Spitzenverband auf der Grundlage der frühen Nutzenbewertung ausgehandelter Erstattungspreis. „Um der Hochpreisstrategie der Pharmafirmen zu begegnen, sollten sich die Erstattungspreisverhandlungen stärker am Zusatznutzen eines Wirkstoffs orientieren und die verhandelten Preise rückwirkend ab dem ersten Tag des Marktzugangs gelten“, so Ackermann. Sollte dies nicht umgesetzt werden, müsse zumindest die Nutzenbewertung und Preisfindung konsequent weiterentwickelt werden.

Mit der Hochpreispolitik der pharmazeutischen Hersteller hat sich nicht nur der Umsatz erhöht. Die Preise führen auch dazu, dass sich das Gros des patentgeschützten Umsatzes auf immer weniger Produkte verteilt. Es zeigt sich eine immer stärkere Konzentration auf kleine Verordnungsmengen und letztlich kleine Patientengruppen. Zugleich konzentrieren sich die Umsätze auf immer weniger Therapiegebiete. „Daher sind hier Regulierungsmaßnahmen gefordert. Das gilt insbesondere für Arzneimittel zur Behandlung seltener Erkrankungen mit häufig noch unzureichender Evidenz, aber besonders hohen Preisforderungen“, so Ackermann.

Demgegenüber verlief der Umsatzanstieg im Nicht-Patentmarkt eher moderat, da in diesem Segment die zentralen Steuerungsinstrumente der Festbeträge und Rabattverträge greifen. Für patentgeschützte Originalpräparate gibt es keine gesetzliche Möglichkeit, Rabattverträge abzuschließen. Die Rabattverträge für Generika, den sogenannte Nachahmerprodukten, die nach dem Ablauf des Patentschutzes für das Originalpräparat auch von anderen Pharmaunternehmen hergestellt werden dürfen, bremsen seit Jahren verlässlich den Anstieg der Ausgaben für Medikamente, und das ohne Qualitätsverlust. Sie sorgen für mehr Kontinuität in der Medikamentenversorgung und eine sicherere Arzneimittelversorgung.

Im Durchschnitt bekam im ersten Halbjahr 2019 jeder gesetzlich Versicherte in Schleswig-Holstein Arzneimittel für fast 280 Euro verordnet. Damit lag Schleswig-Holstein unter dem bundesweiten Wert von 325 Euro. Insgesamt haben die Patienten Zuzahlungen für Arzneimittel in Höhe von fast 41,3 Millionen Euro geleistet, das sind durchschnittlich mehr als 16 Euro je Versicherten.

Bilder

In Schleswig-Holstein haben die gesetzlichen Krankenkassen im ersten Halbjahr 2019 Arzneimittel im Wert von über 690 Millionen Euro bezahlt.

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Fotograf: AOK/hfr

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Jens Kuschel, Pressesprecher
AOK NORDWEST – Die Gesundheitskasse.
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