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Kassenwahl-Gesetz führt zu unterschiedlicher Bewertung von Diagnosen von Haus- und Fachärzten

Problematische Regelung

(29.05.2019) Das ist ein Detail des von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn aufgelegten Kassenwahl-Gesetzes (FKG), das vor allem Hausärzten aufstoßen wird. Im Referentenentwurf des auch in anderen Punkten heftig umstrittenen Entwurfes sind Regelungen enthalten, die in der Folge dazu führen können, dass Krankenkassen für ein und dieselbe Diagnose des Arztes aus dem morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich unterschiedliche Zuweisungen bekommen.

Geplant ist nämlich die Einführung einer HMG (hierarchisierte Morbiditätsgruppe) speziell für den Hausarzt. Hintergrund: Identische Diagnosen von Haus- und Fachärzten fuhren derzeit zu gleichen Zuschlägen, obwohl die hausärztliche Versorgung bei vielen Krankheiten in der Regel zu niedrigeren Ausgaben führt. Diese Unterschiede könnten somit künftig berücksichtigt werden und Zuschläge in Abhängigkeit davon gezahlt werden, ob eine Diagnose vom Haus- oder Facharzt kodiert wurde.

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), hat das Thema auf der jüngsten Vertreterversammlung aufgegriffen und betont: „Diagnosen sind unsere Sprache und nur damit können wir komplexe Krankheitsgeschehen angemessen beschreiben und beurteilen.“ In dem Zusammenhang erteilte er der geplanten FKG-Regelung eine Absage: „Die Idee, dass hausärztliche Diagnosen weniger ,Wert‘ seien als fachärztliche, ist hanebüchen!“

Auch aus Sicht der AOK Nordost ist die Regelung problematisch zu bewerten. Die Tatsache, dass die hausärztliche Versorgung damit zum finanziellen Risiko für eine Krankenkasse werden kann, konterkariere wichtige versorgungspolitische Ziele im deutschen Gesundheitswesen. Neben der KBV hatte sich auch bereits der Hausärzteverband gegen diese Regelung ausgesprochen. Nun äußern sich auch Kassenärztliche Vereinigungen im Nordosten:

Axel Rambow, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern:

Axel Rambow, Vorstand Kassenärztlichen Vereinigung MV
"Dass Bundesminister Spahn anregt, im Morbi-RSA die Diagnosen von Hausärzten geringer zu bewerten als die von fachgebietspezifisch tätigen Fachärzten, ist nicht nur respektlos gegenüber den engagierten hausärztlich tätigen Fachärzten, die in der Regel die beste und umfassendste Krankheitskenntnis ihrer Patienten haben und somit die Diagnosestellung dieser Facharztgruppe der der Fachgebietsärzte in keiner Weise unterlegen ist. Mehr noch: Es bezeugt auch, dass Spahn die Versorgungsrealität ignoriert: Erst im Zusammenwirken von hausärztlich und gebietsärztlich tätigen Fachärzten entstehen kompetente Diagnosen und wirksame Therapien. Hierbei ist gerade die Steuerungsfunktion der hausärztlich tätigen Fachärzte mit der fachspezifisch tiefen Patientenkenntnis ein zentrales Element einer bedarfsgerechten Versorgung."

Pressekontakt

AOK Nordost – Die Gesundheitskasse
Matthias Gabriel
Pressesprecher
Tel.: 0800 265 080 – 22202
E-Mail: presse@nordost.aok.de