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„Die Welt wird keine Rücksicht darauf nehmen, ob Brandenburg sich mitdreht“

Vor dem Hintergrund der 15. Landeskonferenz Digitalisierung, die am heutigen Mittwoch in Potsdam stattfindet, warnt Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, im Interview vor einer Blockadehaltung Brandenburgs beim Thema Videosprechstunde und vor den Risiken einer beschleunigten Einführung von Gesundheits-Apps auf Kassenkosten.

Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost
Frau Teichert, wie bewerten Sie das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG)?

Wo Licht ist, ist auch Schatten, heißt es ja so schön. Das Digitale-Versorgung-Gesetz gibt uns die Möglichkeit, aktiver als bisher Versorgungsprozesse zu gestalten und zu steuern. Gleichzeitig stellt es uns aber auch vor große Herausforderungen, was die Einführung von Gesundheits-Apps auf Kassenkosten betrifft. Wir wissen noch nichts darüber, wie wirksam solche Anwendungen sind oder sein können. So besteht die große Gefahr, dass wirkungsfreie oder gar nutzlose Gesundheits-Apps flächendeckend eingeführt werden und die Versicherten dafür aufkommen müssen.

Stichwort Datenschutz: Wie bewerten Sie das Patientendatenschutzgesetz?

Insgesamt positiv. Die Interessen der Patientinnen und Patienten sowie der Datenschutz müssen weiterhin oberste Priorität haben. Sie dürfen aber nicht als Ausrede herhalten, um einen sinnvollen digitalen Fortschritt zu bremsen. Die Digitalisierung lässt sich sowieso nicht aufhalten. Und gerade auch zum Schutz der Patientinnen und Patienten tun alle Akteure gut daran, sie aktiv mitzugestalten. Das Patientendatenschutzgesetz enthält hier viele wirklich sinnvolle Lösungen und sorgt deutlich für Klarheit. So ist neben der versichertengeführten und freiwilligen elektronischen Patientenakte (ePA) auch umfangreich geregelt, dass sich möglichst alle Leistungserbringer an die Telematik-Infrastruktur anschließen. Das ist gut, denn eine ePA macht nur dann wirklich Sinn, wenn alle darauf zugreifen können.

Wo sehen Sie die drängendsten Herausforderungen im Land Brandenburg?

Ein Thema, das uns neben den fehlenden infrastrukturellen Voraussetzungen unter den Nägeln brennt, ist die ausschließliche Fernbehandlung ohne ärztlichen Erstkontakt. Hier dreht sich die Welt extrem schnell weiter. Und sie wird keine Rücksicht darauf nehmen, ob Brandenburg sich mitdreht. Natürlich muss dieses Instrument mit Augenmaß und verantwortungsvoll eingesetzt werden. Aber eine kategorische Ablehnung halten wir für wenig zielführend. Die Fernbehandlung bietet gerade für Flächenregionen ein enormes Versorgungspotenzial. Da geraten wir in Brandenburg ins Hintertreffen, denn die Ärztinnen und Ärzte aus den anderen Bundesländern dürfen schlicht schon mehr. Aus meiner Sicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis da eine Wettbewerbssituation entsteht: Heute mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bundesländern. Morgen mit Online-Arzttermin-Anbietern wie Kry.  

Pressekontakt

AOK Nordost – Die Gesundheitskasse
Pressesprecher Matthias Gabriel
Telefon: 0800 265 080-22202
E-Mail:   presse@nordost.aok.de