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Höhere Mindestmenge für Perinatalzentren könnte bis zu 40 Kinderleben pro Jahr retten

Alarmierende Studienergebnisse zur Versorgung von Frühgeburten

Potsdam, 19. Oktober 2020. Bis zu 40 Todesfälle pro Jahr könnten verhindert werden, wenn es in Deutschland höhere Mindestanforderungen für die Behandlung sehr kleiner Frühchen geben würde. Das geht aus einer Studie hervor, die heute in der „Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie“ veröffentlicht wurde (Heller et al, 2020).

Angesichts der alarmierenden Ergebnisse plädiert die AOK Nordost dafür, zeitnah die sogenannte Mindestmenge für Perinatalzentren anzuheben. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschäftigt sich bereits seit 2012 mit diesem Thema. „Seit Jahren berät der G-BA über diese Frage, nun ist es endlich Zeit, zu handeln. Wir sind es den sehr früh geborenen Kindern und ihren Eltern schuldig, das Sterberisiko bei der Behandlung zu reduzieren“, kommentiert Marita Moskwyn, Bereichsleiterin für stationäre Versorgung bei der AOK Nordost die Studienergebnisse.

Die beste Ergebnisqualität würde eine Mindestmenge von 50 bis 60 bringen

In der neuen Studie wurden 56.000 Behandlungsverläufe von Frühchen ausgewertet, die bei der Geburt weniger als 1250 Gramm wogen. Typischerweise werden sie vor der 28. Schwangerschaftswoche geboren und benötigen rund um die Uhr hochspezialisierte medizinische Betreuung und Pflege. Deshalb dürfen sie nur in sogenannten Perinatalzentren des Versorgungslevels 1 behandelt werden.

Eine Analyse, die zuvor im „Qualitätsmonitor 2018“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK publiziert wurde, hatte ergeben: in Perinatalzentren mit weniger als 34 Behandlungsfällen pro Jahr starben im Schnitt rund 50 Prozent mehr Frühchen als in den größten Perinatalzentren. Dennoch wird rund ein Fünftel der Frühgeborenen in solch kleinen Zentren versorgt.

Die neue Studie errechnete nun, wie sehr sich die Versorgungsqualität verbessern würde, wenn die Versorgung stärker zentralisiert werden würde. Ergebnis: Würden die sehr kleinen Frühchen ausschließlich in größeren Perinatalzentren mit mindestens 50 bis 60 Behandlungsfällen pro Jahr behandelt werden, könnten bis zu 40 potentielle Todesfälle pro Jahr verhindert werden.

Jedes dritte Perinatalzentrum in der Region versorgt zu wenige Frühchen

Derzeit liegt die Mindestmenge, die Perinatalzentren in Deutschland pro Jahr erbringen müssen, lediglich bei 14 Fällen pro Jahr. In Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gibt es zusammen derzeit 16 Perinatalzentren, acht davon behandelten zuletzt weniger als 30 sehr kleine Frühchen pro Jahr. Würden die Zentren mit der geringsten Fallzahl aus der Versorgung genommen werden, käme es zu einer Umverteilung. Daher könnte ein Teil der Zentren in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, die heute unter der 30 liegen, diesen Schwellenwert künftig überschreiten – sie würden durch eine höhere Mindestmenge also gestärkt werden.

Länder mit zentralisierter Perinatalversorgung haben geringere Sterblichkeit

Prof. Rainer Rossi, Leiter des Perinatalzentrums des Vivantes Klinikum Neukölln, ist Co-Autor der nun erschienenen Studie. Laut Rossi ist eine höhere Mindestmenge sinnvoll, weil dann die Behandlungsteams aus Pflegekräften und Ärzt*innen mehr Routine haben. Er plädiert dafür, sich ein Beispiel an Schweden und Dänemark zu nehmen. Dort sind trotz wesentlich größerer Fläche deutlich weniger Kliniken mit der Spezialaufgabe betraut, die knapp ein Prozent der früh geborenen Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 1.250 Gramm zu versorgen.

„Im europäischen Vergleich sterben die wenigsten Frühchen in denjenigen Ländern, die ihre Frühchen-Versorgung auf wenige Zentren mit hoher Fallzahl, viel Erfahrung und guter personeller Ausstattung zentralisiert haben. Deutschland sollte zum Wohle der jährlich rund 6.000 von einer sehr frühen Frühgeburt betroffenen Kinder und Eltern diesem Vorbild folgen“, sagt Rossi, der auch Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) ist.  

AOK bietet Orientierungshilfe

Da eine Frühgeburt nur selten ein unerwartetes Ereignis ist - in der Regel ist eine Erkrankung der Mutter in der Schwangerschaft die Ursache – ist die Entbindung eines Frühchens in der Regel planbar. Die AOK bietet daher Eltern, die vor einer Frühgeburt stehen, mit der Mindestmengen-Transparenzkarte auf einen Blick Hilfe bei der Entscheidung für ein Perinatalzentrum. Auf der interaktiven Karte sind alle Perinatalzentren aufgeführt, mit einem Klick darauf erfährt der Nutzer, wie hoch die Behandlungszahlen in den vergangenen Jahren waren.

Pressekontakt

AOK Nordost – Die Gesundheitskasse
Pressesprecher Matthias Gabriel
Telefon: 0800 265080-22202
E-Mail: presse@nordost.aok.de