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AOK Nordost und Berliner HIV-Ärzte starten Versorgungsprogramm

Gemeinsame Presseinformation

AOK Nordost – Die Gesundheitskasse

dagnä e.V.

HIV-Neuinfektionen reduzieren

Berlin, 29.05.2019. Versicherte der AOK Nordost, die ein erhöhtes individuelles Risiko für eine sexuell übertragbare Infektion (STI) haben, können ab sofort am Versorgungsprogramm „HIV & STI Prophylaxe Berlin“ teilnehmen. Gemeinsam mit der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter e. V. (dagnä) soll die Betreuung der Betroffenen durch eine leitliniengerechte und qualitätsgesicherte Beratung, Betreuung und Behandlung verbessert werden. „Wir wollen das Versorgungsnetz für Menschen mit einem erhöhten Risiko weiter ausbauen, um dazu beizutragen, die Infektionsraten noch weiter zu senken“, sagt Susanne Dolfen, Leiterin der Unternehmenseinheit Arzneimittelversorgung der AOK Nordost.

Prävention und Beratung auch bei anderen STI notwendig

Der Fokus des Versorgungsprogramms beschränkt sich nicht nur auf die Erstattung der medikamentösen HIV-Prä-Expositons-Prophylaxe, kurz PrEP, die Schätzungen zufolge rund 6.000 Menschen bereits in Deutschland einnehmen. „Einfach nur das Medikament zu erstatten greift aus unserer Sicht zu kurz“, sagt Dolfen, die auf die Erfahrungen, die man in anderen Ländern wie den USA oder Australien nach PrEP-Einführung gemacht hat, verweist. Die Einnahme der PrEP zum Schutz vor einer Infektion mit HIV geht dort mit einem Anstieg von weiteren sexuell übertragbaren Infektionen einher. Auslöser hierfür könnte ein verändertes und risikoreicheres Sexualverhalten, beispielsweise durch häufigeren Kondomverzicht sein. „HIV, aber vor allem andere STIs – wie etwa Syphilis oder Gonorrhoe – sind seit einigen Jahren in Deutschland generell stärker zu verzeichnen,“ stellt Dr. med. Axel Baumgarten, Vorstand der dagnä e.V. fest. „Erfolgreiche Prävention muss aber immer auch Veränderungen im Risikoverhalten berücksichtigen. Das Programm gibt hier durch Qualität und Beratung die richtigen Impulse“, erläutert Baumgarten. Der zweite Schwerpunkt liegt deshalb in der Beratung und Aufklärung rund um sexuell übertragbare Infektionen und deren Vermeidung. „Denn ein zentraler Ansatzpunkt jeder Präventionsüberlegung sollte die Frage sein, warum Safer Sex auch von denen, die gut informiert sind, nicht immer praktiziert wird“, so Dolfen.

Faktenblatt

·         In Deutschland lebten Ende 2017 rund 86.000 Menschen mit HIV/AIDS. 69.000 davon sind Männer und 17.000 Frauen.

·         Die Zahl der Neuinfektionen ist 2017 im bundesweiten Durchschnitt gesunken, nachdem sie zuvor 10 Jahre weitgehend stabil war.

·         In Berlin lebten Ende 2017 rund 14.900 Menschen mit HIV/AIDS, davon 2.000 Frauen und 12.900 Männer.

·         In Brandenburg lebten Ende 2017 rund 380 Menschen mit HIV/AIDS, davon 80 Frauen und 300 Männer.

·         In Mecklenburg-Vorpommern lebten Ende 2017 rund 860 Menschen mit HIV/AIDS, davon 150 Frauen und 710 Männer.

·         PrEP ist ein Medikament, mit dem sich HIV-negative Menschen, die einem erhöhten HIV-Risiko ausgesetzt sind, vor HIV schützen können.

·         Die Wirkstoffe dieses Arzneimittels gelangen in die Zellen der Schleimhäute, die beim Sex ohne Kondom mit den Körperflüssigkeiten oder Schleimhäuten des Partners in Kontakt kommen.

·         Dringt der Virus in diese Zellen ein, verhindern die Wirkstoffe seine Vermehrung.

·         In extrem seltenen Fällen sind die übertragenen Viren schon gegen das PrEP-Medikament resistent. Dann kann es trotz korrekter PrEP-Anwendung zu einer Ansteckung kommen. Weltweit ist bisher aber nur eine Handvoll solcher Fälle bekannt.

·         PrEP schützt nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen wie zum Beispiel Gonorrhö, auch als Tripper bekannt, Chlamydien, Syphilis oder Hepatitis.

·         In zwei Studien haben Forscher den Effekt der Prä-Expositions-Prophylaxe auf die HIV-Inzidenz untersucht. Ergebnis: Auf lange Sicht reduziert sie Neuinfektionen und damit auch Behandlungskosten.

·         Seit 2010 steigt die Zahl der Syphilis-Fälle kontinuierlich an.

·         Im Jahr 2017 wurden dem RKI 7.476 Syphilis-Fälle deutschlandweit gemeldet. Hohe Fallzahlen gibt es insbesondere in städtischen Ballungsgebieten.

·         Die höchste Anzahl von Fällen gab es in 2017 bei Männern, die Sex mit Männern haben.

·         In Berlin verzeichnete das RKI 1.333 Syphilis-Fälle in 2017

·         In Brandenburg verzeichnete das RKI 102 Syphilis-Fälle in 2017

·         In Mecklenburg-Vorpommern verzeichnete das RKI 92 Syphilis-Fälle in 2017

STI in Zeiten von PrEP

Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg, Michael Theurer, Grigorios Aggelidis, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP – Drucksache 19/3316  zu PrEP

Traeger MW, Cornelisse VJ, Asselin J, et al. Association of HIV Preexposure Prophylaxis With Incidence of Sexually Transmitted Infections Among Individuals at High Risk of HIV Infection. JAMA. 2019;321(14):1380–1390. doi:10.1001/jama.2019.2947; jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2730113

Alaei K, Paynter CA, Juan SC, Alaei A. Using preexposure prophylaxis, losing condoms? Preexposure prophylaxis promotion may undermine safe sex. AIDS. 2016 Nov 28;30(18):2753-2756.

 

HIV/AIDS Fallzahlen

HIV/AIDS: Eckdaten und Trends für Deutschland und für die Bundesländer: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/Eckdaten/Eckdaten.html

Nutzen der PrEP

Population-level effectiveness of rapid, targeted, high-coverage roll-out of HIV pre-exposure prophylaxis in men who have sex with men: the EPIC-NSW prospective cohort study; Prof Andrew E Grulich, Prof Janaki Amin, PhD Fengyi Jin, PhD Christine Selvey, MBBS Jo Holden, MHPol et al.; Published: October 17, 2018; DOI: doi.org/10.1016/S2352-3018(18)30215-7

Cost-effectiveness and budget effect of pre-exposure prophylaxis for HIV-1 prevention in Germany from 2018 to 2058. van de Vijver David A M C, Richter Ann-Kathrin, Boucher Charles A B, Gunsenheimer-Bartmeyer Barbara, Kollan Christian, Nichols Brooke E, Spinner Christoph D, Wasem Jürgen, Schewe Knud, Neumann Anja. Euro Surveill. 2019;24(7):pii=1800398. https://doi.org/10.2807/1560-7917.ES.2019.24.7.1800398

Syphilis

Bremer, V., Dudareva-Vizule, S., Buder, S. et al. Sexuell übertragbare Infektionen in Deutschland. Die aktuelle epidemiologische Lage Bundesgesundheitsbl (2017) 60: 948. doi.org/10.1007/s00103-017-2590-1

Jahresstatistik meldepflichtiger Krankheiten nach Bundesland, Deutschland, 2016 und 2017

Anhang

Pressekontakt

AOK Nordost – Die Gesundheitskasse
Pressesprecher Matthias Gabriel
Internet: www.aok.de/nordost/presse
Telefon: 0800 265080-22202
E-Mail: presse@nordost.aok.de

dagnä e.V.
Geschäftsführer Robin Rüsenberg
Internet: www.dagnae.de
Telefon: 030 3980 193 0
E-Mail: verein@dagnae.de