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AOK Forum live zur Krankenhausplanung

Wohnortnähe ist schön, Behandlungsqualität aber wichtiger

Wie geht es weiter mit der Krankenhauslandschaft in Berlin und Brandenburg? Und was nutzt dem Patient? Darüber diskutierten kürzlich beim AOK Forum live Experten aus Politik, Wissenschaft und dem Krankenhausbereich im Hotel „arcona am Havelufer“ in Potsdam.

„Was macht eine gute Krankenhausplanung aus? Es braucht eine Rahmenplanung, die qualitätsorientierte Strukturvorgaben macht und den Wettbewerb unter den Krankenhäusern nicht unangemessen einschränkt. Kliniken sollen sich aber nicht aus unattraktiven Versorgungsbereichen zurückziehen um nur noch auf besonders lukrative Leistungen zu schauen“, so Jürgen Heese, Politikchef der AOK Nordost. Er betonte: „Im Mittelpunkt hat auch künftig der Patient zu stehen. Und für den Patienten zählt in erster Linie Qualität, erst dann die gute Erreichbarkeit eines Krankenhauses, wie verschiedene Umfragen bestätigen“. So sei es beispielsweise belegt, dass Mindestmengen die Qualität von planbaren Operationen erhöhe und das Risiko von Komplikationen senke. Wer sich einer komplizierten Operation unterziehe, müsse sich darauf verlassen könne, dass er die bestmögliche Behandlung erhalte. Heese: „Wenn wir die gleiche Behandlungsqualität für alle wollen, müssen wir also umdenken. Es kann nicht sein, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit vom Wohnort abhängt“.  

Milchkannen und radikale Reformen

Einen provokativen Blick auf die Krankenhauslandschaft richtete Reinhard Busse, Professor für Management im Gesundheitswesen an der TU Berlin: „Wir haben die Wahl: Ein Krankenhaus überall da, wo eine Milchkanne steht, oder aber ein Krankenhaus ein paar Minuten weiter entfernt, in dem die Qualität aber eindeutig besser ist – beispielsweise nachgewiesen durch Mindestmengen bei bestimmten Operationen. Denn mehr Operationen heißt mehr Routine und bessere Resultate“. Busse verwies wiederholt auf Dänemark, das vor wenigen Jahren eine radikale Reform vorgenommen habe: Viel weniger, stark zentralisierte Krankenhäuser, dafür aber hochspezialisierte mit nachweisbar besserer Behandlungsqualität. Hierzulande hinke man da eindeutig hinterher, belegt durch OECD-Zahlen: Deutschland findet sich dort mittlerweile auf Platz 28 von 34 ausgewerteten Ländern, was die Sterblichkeit von Patienten bis zu 30 Tagen nach einem Krankenhausaufenthalt betreffe. Standpunkte, die Busse nach seinem Vortrag beim AOK Forum kurz darauf live in der Sendung „hart aber fair“ wiederholte. An der Sendung nahm auch Martin Litsch, Vorstand des AOK-Bundesverbandes, teil.

„Zu viel Schwarz-Weiß-Denke“

Durchaus emotional kritisierte Brit Ismer, Vorsitzende der Berliner Krankenhausgesellschaft, die Aussagen Busses: „Das ist mir viel zu sehr Schwarz-Weiß-Denke und zu wenig durchdacht. Wir können ja nicht Länder, die nicht vergleichbar sind, über einen Kamm scheren“. Und sie nannte ein Beispiel, das auch in der Hauptstadt seit der Wende einiges passiert sei mit kleinem Seitenhieb auf die Aussagen Professor Busses: „Die Bettenzahl in Berliner Krankenhäusern ist seit der Wende von 40.000 auf 24.000 gesunken – erst seit wenigen Jahren steigt sie geringfügig wieder aufgrund der steigenden Bevölkerungszahl in der Hauptstadt und im Speckgürtel“.

„Weg ist weg und kommt nicht wieder“

Michael Jacob, Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg, sprang Brit Ismer bei: „Jeder Krankenhausstandort, der geschlossen wird, ist weg. Und ‚weg‘ heißt dann auch ‚weg‘, der kommt dann nicht wieder. Deshalb ist es richtig, dass die neue Brandenburger Landesregierung sich für den Erhalt aller Standorte ausspricht, denn auch kleine Krankenhäuser leisten gute Arbeit“.

Winfried Kluth, Professor für öffentliches Recht an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, beleuchtete das Thema aus juristischer Sicht: „Bestmögliche Qualität und ortsnahe Versorgung befinden sich in einem Spannungsfeld. Hier sind die Länder in ihrer jeweiligen Landeskrankenhausplanung gefordert, einen Ausgleich zu erzielen und entsprechend steuernde Maßnahmen umzusetzen. Grenzüberschreitende Nachfrage in der Bedarfsplanung sollte dabei berücksichtigt werden. Das beinhaltet aber auch Fragen wie den verfassungsrechtlichen Schutz einzelner Krankenhausträger, beispielsweise auf kommunaler oder gemeinnütziger Ebene“.

Schritt für Schritt und nichts überstürzen

Auf einem guten Weg für Berlin und Brandenburg sehen sich bei der Krankenhausplanung für 2020 und die Folgejahre übereinstimmend Michael Zaske, kommissarischer Abteilungsleiter im Brandenburger Gesundheitsministerium, und sein Berliner Amtskollege Dirk Rothenpieler, Abteilungsleiter Gesundheit in der Senatsverwaltung. Michael Zaske: „Wir kommen in unserer gemeinsamen Krankenhausplanung 2020 für Berlin und Brandenburg Schritt für Schritt voran und wollen neue Ideen entwickeln, wie beispielsweise kleinere Krankenhäuser mit spezialisierten großen Kliniken enger zusammenarbeiten können. Und nicht zu vergessen: Schon heute kann ja nicht jedes Krankenhaus in Berlin und Brandenburg alles machen“. Dirk Rothenpieler ergänzte: „Unsere jetzige länder- und grenzübergreifende Planung schafft Transparenz und findet gemeinsame Versorgungsziele - und ja, wird diese auch ausbauen. Wir wissen: Bei der gemeinsamen Krankenhausplanung geht noch mehr – und das wollen wir umsetzen, das geht nicht überstürzt“.

 Fazit: Pro und Contra prallten beim AOK Forum live zur Krankenhausplanung aufeinander – das zeigte sich auch in angeregten Diskussionen nach dem offiziellen Part der Veranstaltung. Alle Diskutierenden und Referenten hatten aber ein gemeinsames Ziel. Was nutzt dem Patienten, wie erhält er die bestmögliche Versorgung? Und das gleichgültig vom Ort, wo er lebt – in der Stadt oder auf dem Land.

Moderiert wurde die gut besuchte Veranstaltung von Karola Schulte, Chefredakteurin des AOK-Fachmagazins „Gesundheit und Gesellschaft“.

Pressekontakt

AOK Nordost - Die Gesundheitskasse
Matthias Gabriel, Pressesprecher
Telefon: 0800 265080- 22202
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