Angebot anzeigen für:
Kontakt zu meiner AOK Nordost
Ort/Kasse korrigieren
Servicecenter werden geladen ...

AOK-Forum live in Schwerin

Organspende: Darüber müssen wir reden!

Schwerin, 28. März 2019. In der Region Nordost wurden im vergangenen Jahr insgesamt 126 Organe gespendet. Damit liegen die Länder Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin bundesweit an der Spitze. „Trotzdem sterben täglich Menschen, weil sie vergeblich auf ein Spenderorgan warten“, sagt Frank Ahrend, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost.

Reichen die Maßnahmen des „Gesetzes für bessere Zusammenarbeit und Strukturen in der Organspende“, dem vorletzte Woche im Bundesrat zugestimmt wurde, für eine spürbare Verbesserung aus? Darüber diskutierten am gestrigen Mittwochabend Experten aus Politik, Medizin und Gesellschaft beim „AOK-Forum live“ in Schwerin. Unter dem Titel „Organspende – darüber müssen wir reden“ waren zahlreiche Gäste der Einladung der AOK Nordost zu der gesundheitspolitischen Diskussion in das Neustädtische Palais gefolgt.

Neues Gesetz soll effektivere Abläufe in Kliniken erreichen

Mit dem neuen Gesetz soll der Weg für schnellere und effektivere Abläufe in den Entnahmekliniken frei gemacht werden. Zukünftig soll es Transplantationsbeauftragte auf jeder Intensivstation anteilig nach der Bettenanzahl geben. Darüber hinaus erhalten diese für die Bewältigung ihrer spezifischen Aufgaben mehr Zeit und den direkten Zugriff auf die Patientendaten in der Klinik. Kleinere Krankenhäuser werden künftig durch qualifizierte Mediziner unterstützt, damit potentielle Organspender besser erkannt und weitergemeldet werden können. Dass das Spendenaufkommen verbessert werden kann, zeigt der internationale Vergleich. In Spanien ist die Zahl der Organspender mehr als vier Mal so hoch wie hierzulande.

Widerspruchslösung aus DDR-Zeiten wirkt nach

In seinem Impulsvortrag beschrieb Dr. Detlef Bösebeck als geschäftsführender Arzt der Deutschen Stiftung für Organtransplantation in der Region Nordost die aktuelle Situation. „Ein Organspender schenkt den Empfängern durchschnittlich 31 Lebensjahre.“ Bereits seit 1975 werde in Deutschland eine Diskussion über die Widerspruchslösung geführt. Eine derartige Regelung hätte zur Folge, dass alle Einwohner eines Landes Organspender sein könnten, sofern sie nicht widersprächen. „Bemerkenswert ist“, betonte Bösebeck, „dass die Organspenderzahl in Mecklenburg-Vorpommern fast doppelt so hoch ist wie in der Bundesrepublik. Hier wirkt die Widerspruchslösung aus DDR-Zeiten nach, über die wir heute diskutieren.“

„Die Schlimmste war die ungewisse Wartezeit“

Die anschließende Diskussionsrunde eröffnete Wilfried Wendler-Werth. Er hat vor sieben Jahren eine Leberspende erhalten. „Ich habe durch die Organspende ein zweites Leben geschenkt bekommen“, sagte der Rentner, der nun seine Erfahrungen in der Selbsthilfegruppe „Zweite Chance durch Transplantation“ weitergibt. „Das Schlimmste aber war für mich die ungewisse Wartezeit.“

Transplantationsexperte fordert Mentalitätswandel

„Ich erwarte, dass sich auch mit der Gesetzesänderung nicht viel an der Gesamtsituation ändern wird“, sagte der Transplantationsexperte Prof. Oliver Hakenberg von der Universitätsmedizin Rostock. „Wir brauchen viel mehr einen gesamtgesellschaftlichen Mentalitätswandel!“ Er ergänzte, dass Organspenden Normalität sein könnten, wenn die Widerspruchslösung auch in Deutschland gelten würde.“

„Ärzte haben eine Schlüsselrolle“

Dr. Harald Terpe, Mitglied im Vorstand der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern bekräftigte die Notwendigkeit, die gesamte Ärzteschaft für die Organspende zu gewinnen. „Ärzte haben eine Schlüsselrolle, um das Thema voranzubringen“, sagte Terpe. Wichtig sei es aber auch, dafür genügend Personal in den Kliniken bereitzustellen.

Organspenderegister ist sinnvoll

In der Diskussion über die Widerspruchslösung konnte sich CDU-Gesundheitsexperte Dietrich Monstadt auch ein Organspenderegister vorstellen, das es bisher so nicht gibt. „Ich kann mir Organspende aber auch als Thema für die Schulen vorstellen, um die Jugendlichen bereits frühzeitig mit der Organspende zu konfrontieren und die Diskussion in den Familien anzustoßen“, so der Bundestagsabgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern.

Das Schlusswort gab die Moderatorin und freie NDR-Journalistin Louisa Maria Giersberg dem Teilnehmer der Diskussionsrunde, der eindrücklich von seinen Erfahrungen als Organempfänger berichtet hatte: „Ich bedaure, dass ich mich lange Zeit nicht mit dem Thema Organspende auseinandergesetzt habe“, sagte Wilfried Wendler-Werth. „Heute bin ich dankbar für meine zweite Chance und auch selbst zur Organspende bereit!“

Anhang

Die AOK bietet Information und eine Online-Entscheidungshilfe im Internet an: www.aok.de/organspende

https://www.aok.de/pk/nordost/medizin-versorgung/aok-faktenboxen/

Pressekontakt

AOK Nordost – Die Gesundheitskasse
Pressesprecher
Matthias Gabriel
Telefon: 0800 265080-22202
E-Mail: presse@nordost.aok.de

Mecklenburg-Vorpommern
Pressereferent
Markus Juhls
Telefon: 0800 265080-41469
E-Mail: presse@nordost.aok.de