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Aktuelle WIdO-Analyse: Immer weniger junge Frauen greifen zur Antibabypille

Das Für und Wider der medikamentösen Verhütung

Potsdam, 28. Juli 2020. Eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt: Immer weniger junge Frauen nehmen die Pille. So ist der Anteil der Pillen-Verordnungen bei den gesetzlich versicherten Mädchen und Frauen im Alter bis zu 20 beziehungsweise 22 Jahren von 46 Prozent im Jahr 2010 auf 31 Prozent im Jahr 2019 gesunken. Seit Mitte 2019 übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für die Pille bis zum Alter von 22 Jahren.

Laut WIdO-Analyse sank bei den Verordnungen zudem der Anteil an Präparaten mit einem höheren Risiko für Thrombose und Embolien. Lag er im Jahr 2009 bundesweit noch bei 72 Prozent aller Verordnungen, macht er im Jahr 2019 nur noch 54 Prozent aus. Dieser Trend spiegelt sich auch im Gebiet er AOK Nordost wider. Dort sank der Anteil risikoreicher Präparate von 68 Prozent (Berlin: 72, Brandenburg: 65, MV: 67) im Jahr 2009 auf 56 Prozent (Berlin: 55, Brandenburg: 56, MV: 58) im Jahr 2019.

Interview mit Kerstin Runiewicz

Warum immer weniger junge Frauen zur Pille greifen, welche Vor- und Nachteile diese Verhütungsmethode hat und warum überhaupt noch risikoreiche Präparate verordnet werden, erklärt Kerstin Runiewicz, Frauenärztin im Centrum für Gesundheit der AOK Nordost.

Frau Runiewicz, warum nehmen immer weniger junge Frauen die Pille?

Das kann mehrere Gründe haben. Zum einen wissen die jungen Frauen heutzutage wesentlich mehr über die Risiken. Und dann haben sie heute ein ganz anderes Körper- und Gesundheitsbewusstsein. Viele lehnen diesen unnatürlichen Eingriff in die natürlichen Vorgänge ihres Körpers ab. Ein Grundproblem bei der Pille ist ja: Die jungen Frauen nehmen damit ein hochwirksames Medikament ein, obwohl sie eigentlich gesund sind. 

Welche Risiken und Nebenwirkungen hat die Antibabypille?

Die Risiken reichen von relativ harmlosen Begleiterscheinungen wie Brustspannen und Übelkeit – die meist nach zwei bis drei Monaten nachlassen – über Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme und neu auftretenden beziehungsweise sich verschlimmernden Kopfschmerz bis hin zu schwerwiegenderen Nebenwirkungen wie depressiven Verstimmungen, die auch in eine richtige Depression münden können. Eine sehr gefährliche Nebenwirkung der Pille ist die Thrombose. Je nachdem, an welchem Ort im Körper sie entsteht, kann sie im ungünstigen Fall einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Lungenembolie auslösen. Das Problem bei der Thrombose ist auch: Wenn sie einmal da ist, kann sie nicht wieder rückgängig gemacht werden. 

Ist es angesichts der Risiken nicht verwunderlich, dass Frauen überhaupt noch zur Pille greifen?

Die Pille kann auch positive Effekte haben. Zum Beispiel kann sie den Frauen zu einer pünktlichen und kurzen Regelblutung mit wenig Bauchschmerzen verhelfen. Auch bei Hautproblemen kann sie unterstützen. Und was man nicht vergessen darf – sie ist eine wirklich sichere Verhütungsmethode, über die die Frauen selbst bestimmen können. Nur mal zum Vergleich: Der Pearl-Index gibt an, wie viele von einhundert Frauen, die ein Jahr lang die gleiche Verhütungsmethode anwenden, in diesem Zeitraum schwanger werden. Bei der Pille sind es 0,1 bis 0,9, bei der Spirale 0,3 bis 0,8 und beim Kondom 2 bis 12. Die Spirale ist damit eine echte Alternative zur Pille, hat aber auch ihre Risiken.

Die WIdO-Zahlen zeigen zwar einen Rückgang bei der Verordnung risikoreicher Präparate, aber verordnet werden sie immer noch. Warum?

Es sind unter anderem Pillen, die besonders gut bei Hautproblemen wirken. Wir bekommen oft auch von den Hautärzten Patientinnen geschickt. Dabei reden wir nicht von dem einen oder anderen Pickelchen oder einer unreinen Haut, sondern von schlimmer Akne, die die Lebensqualität der Betroffenen enorm einschränkt. Bevor aber ein entsprechendes Präparat verordnet wird, erfolgt eine ausführliche Anamnese der jungen Frau und ihrer Familie. Diese muss ein möglichst geringes Thromboserisiko ergeben. Und natürlich muss die Patientin ausführlich aufgeklärt werden.  

Pressekontakt

AOK Nordost – Die Gesundheitskasse
Pressesprecher Matthias Gabriel
Telefon: 0800 265080-22202
E-Mail: presse@nordost.aok.de