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16. Landeskonferenz „Digitalisierung des Gesundheitswesens“

Die Pandemie hat den Digitalisierungs-Turbo gezündet

Potsdam, 25. Februar 2021. Die Pandemie hat die Digitalisierung des Gesundheitswesens ungemein beschleunigt – aber um die Anfang des Jahres eingeführte elektronische Patientenakte zum Laufen zu bringen, braucht es noch viele Anstrengungen. Das waren zwei Erkenntnisse der 16. Landeskonferenz „Digitalisierung des Gesundheitswesens“, die von der Telemed-Initiative und der Digital-Agentur Brandenburg veranstaltet wurde. 26 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis diskutierten dazu am gestrigen Mittwoch in Potsdam und stellten innovative Konzepte vor – digital per Livestream für jeden kostenfrei zugänglich. Mehr als 200 Teilnehmende hatten sich zugeschaltet.

AOK Nordost klärt rund 3.000 Ärztinnen und Ärzte über die ePA auf

Ein Meilenstein für die Digitalisierung des Gesundheitswesens – auch über die Pandemie hinaus – ist die Anfang des Jahres eingeführte elektronische Patientenakte, kurz ePA. Darin waren sich die AOK Nordost-Vorstandsvorsitzende Daniela Teichert und der gematik-Geschäftsführer Dr. med. Markus Leyck Dieken bei einer Podiumsdiskussion einig. „Wir wollen dafür sorgen, dass der Patient mit der ePA seine Gesundheitsdaten sammeln kann. In Gesprächen mit Behandlern können die Vorbefunde dann immer wieder zur Referenz werden, wenn es sinnvoll ist“, sagte Leyck Dieken, der mit der gematik für die technische Infrastruktur für die ePA verantwortlich ist.

„Entscheidend für den Erfolg der ePA ist, dass nun auch die Ärztinnen und Ärzte rasch mit ins Boot geholt werden“, sagte Daniela Teichert. Sie müssen sich nach Abschluss der derzeitigen Testphase bis spätestens zum 1. Juli 2021 an die ePA anschließen und dafür ihre Praxen digital aufrüsten. Erst dann können sie ihren Patienten Behandlungsdaten in die ePA einstellen. Viele Ärzte fühlten sich dafür bislang noch nicht ausreichend gut informiert. „Unsere Arztberater werden in den nächsten Monaten deshalb rund 3.000 Arztpraxen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern dabei unterstützen, die technischen Voraussetzungen für den Anschluss an die ePA zu meistern“, sagte Teichert. Zusammen mit dem „health innovation hub“ hat die AOK Nordost zudem einen Videoclip produziert, der die Vorteile der ePA aus ärztlicher Sicht präsentiert. Er ist hier abrufbar.

Die Krankenkassen stellen ihren Versicherten die elektronische Patientenakte in Form einer App zur Verfügung. Die App für alle AOK-Versicherten heißt „AOK Mein Leben“ und ist seit dem 1. Januar in den Stores von Apple und Android zum Download verfügbar.

36.000 abgerechnete Videosprechstunden - allein in Brandenburg

„Die aktuelle Corona-Krise zeigt eindeutig, wie bedeutend Telemedizin und Digitalisierung im Gesundheitswesen sind“, sagte Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen) zu Beginn der Konferenz. Das betreffe insbesondere das Thema Videosprechstunden. Seit Beginn der Pandemie seien die Zahlen in die Höhe geschnellt. Allein in Brandenburg seien 2020 rund 36.000 Videosprechstunden abgerechnet worden, 2019 waren es erst knapp 3.000 abgerechnete Videosprechstunden – und zwar bundesweit. „Eine wirklich beeindruckende Beschleunigung“, so Nonnemacher.

Auch das Monitoring des Infektionsgeschehens der Pandemie und die Steuerung der Betten für die Covid-19-Patienten in den Brandenburger Kliniken laufe komplett digital ab. Das DIVI-Intensivregister etwa, das bundesweit die verfügbaren Intensivbetten aller Krankenhäuser anzeige, ist erst im Zuge der Pandemie geschaffen worden.

Lehre aus der Pandemie: Bundesregierung will mehr Gesundheitsdaten nutzen

Die Pandemie hat aber auch gezeigt, dass beispielsweise die Gesundheitsämter bei der Verfolgung von Infektionsfällen wegen veralteter Technik schnell an ihre Grenzen gekommen sind. Auch über die eingeschränkte Wirksamkeit der Corona Warn-App gab es Diskussionen. „Die Kritik, dass wir in der Pandemiebekämpfung zu wenige Daten genutzt haben, ist in Teilen berechtigt“, sagte der E-Governance-Experte Prof. Dirk Heckmann von der TU München in einem Impulsreferat. Mehr Datennutzung lasse sich dabei mit dem Datenschutz vereinbaren – man müsse es nur richtig anstellen.

Die kürzlich verabschiedete Datenstrategie der Bundesregierung, für die Heckmann als Berater fungierte, trage dem nun Rechnung. So soll es künftig in allen Bundesbehörden „Chief-Data-Scientists“ geben, es sollen Datenlabore entstehen, damit die Behörden agiler und experimentierfreudiger werden. „Das ist ein dringend nötiger Paradigmen-Wechsel“, sagte Heckmann.

Die Datenschutzbeauftragte der AOK Nordost, Heike Thielmann, forderte als Lehre aus der Pandemie einen solchen Mentalitätswandel auch von Unternehmen in der Gesundheitswirtschaft ein. Die Frage sei nicht mehr Ob, sondern Wie sich Daten nutzen ließen. „Jeder Verantwortliche ist gut beraten, sich für die Stelle eines Datenschutzbeauftragten einen Datenschutzmanager zu suchen und nicht nur einen Datenschutz-Juristen“, sagte Thielmann. Wer als Datenschutzbeauftragter immer nur sage, was nicht gehe und nicht aktiv an Veränderungsprozessen mitarbeite, um den werde künftig einen Bogen gemacht.

Pressekontakt

AOK Nordost – Die Gesundheitskasse
Pressesprecher Matthias Gabriel
Telefon: 0800 265080-22202
E-Mail: presse@nordost.aok.de