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Auftaktveranstaltung am 23. Mai 2019

In der Auftaktveranstaltung des neuen Formats „Gesundheitsfrequenzen“ lautete das Thema „Schöne neue Welt – Ersetzt der Computer bald den Arzt?“

Resümee der Auftaktveranstaltung

Von künstlicher Intelligenz, ethischen Herausforderungen und Seifenspendern

Am 23. Mai begrüßte Dr. Jürgen Peter, Vorstandsvorsitzender der AOK Niedersachsen, rund 100 Gäste aus der Politik, der Wirtschaft, den Gewerkschaften und der Gesundheitsversorgung sowie aus Forschung, Wissenschaft und Kultur zum Auftakt der Gesundheitsfrequenzen im Sprengel Museum Hannover. Der Politikjournalist Martin Brüning führte die Gäste als Moderator kurzweilig und humorvoll durch den Abend.

Das Thema der ersten Veranstaltung „Schöne neue Welt – Ersetzt der Computer bald den Arzt?“ hätte aktueller kaum sein können – brachte doch Gesundheitsminister Jens Spahn kurz vor dem Termin den Referentenentwurf zum Digitalen Versorgungsgesetz (DVG) ein. Darin wird unter anderem gefordert, dass Gesundheits-Apps zukünftig auf Rezept verschrieben werden können und die elektronische Patientenakte jedem Versicherten bis 2021 zur Verfügung gestellt werden muss.

Als besondere Überraschung hatte Dr. Jürgen Peter im Kontrast zur Digitalisierung eine ganz andere Form der Veranstaltungsdokumentation gewählt: Der Hannoveraner Künstler David Tollmann malte während der Vorträge live – und ganz analog mit Pinsel und Leinwand – ein Bild, das die „Frequenzen“ aus seiner Sicht widerspiegelte. Das Bild wird an eine gemeinnützige Organisation vergeben.

Vor den Beiträgen der beiden Referenten wurde über ein TED-Votingsystem zunächst die Einstellung der Gäste zur Digitalisierung abgefragt: Nur circa ein Fünftel lehnt es entschieden ab, sich von einem Computer medizinisch beraten zu lassen. Knapp die Hälfte (45 Prozent) dagegen kann sich vorstellen, bei einfachen Diagnosen dem medizinischen Rat eines Computers zu folgen.

Über ein TED-Votingsystem ermittelte Einstellung der Gäste der Auftaktveranstaltung der Reihe Gesundheitsfrequenzen zur Digitalisierung.
Ein Drittel betrachtet sich als Treiber der Digitalisierung, dagegen lediglich 17 Prozent als Skeptiker.

Dr. Jürgen Peter, der sich selbst in seiner Rolle als Vorstandsvorsitzender der AOK Niedersachsen als Treiber, privat aber auch als Skeptiker sieht, betonte, dass er mit den „Gesundheitsfrequenzen“ keine fertigen Lösungen vorstellen möchte. Stattdessen lud er seine Gäste „zum Mitdenken darüber ein, wie sich das Megathema Digitalisierung im Gesundheitswesen umsetzen lässt“.

Anregungen für gesundheits- und sozialpolitische Fragestellungen gaben mit ihren Keynotes Professorin Alena Buyx, Medizinethikerin von der TU München und Mitglied des Deutschen Ethikrates, sowie Dr. Daniel Sonntag vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken.

Referent Dr.-Ing. Daniel Sonntag

Dr. Sonntag betonte in seiner Keynote „KI in der Medizin - Holzweg oder Heilversprechen?”, dass für die erfolgreiche Anwendung von künstlicher Intelligenz (KI) besonders der Zugang zu Daten und die Integration in komplexe medizinische Dienstleistungen im klinischen und nichtklinischen Umfeld entscheidend seien. Deshalb müsse die Menge an nutzbaren, qualitativ hochwertigen Daten deutlich erhöht werden.

Er zeigte in einer Animation anschaulich, wie man sich KI in der praktischen Anwendung in der Medizin vorstellen kann: Mithilfe eines kognitiven Assistenzsystems könnte ein Arzt über eine Virtual-Reality-Datenbrille die Krankengeschichte eines Patienten in Echtzeit – z. B. während der Visite – abrufen und direkt Diagnose- und ggf. sogar Therapieempfehlungen erhalten (Video DFKI: MedicalVR/KDI at CeBIT 2017). Als Forscher fordert er, „dass wir die Daten, die wir künftig mit der elektronische Patientenakte gewinnen, auch in der Forschung nutzen können.“

Referentin Prof. Dr. med. Alena Buyx

Auch Alena Buyx sieht das „enorme Potential“ der KI. Angesichts der wachsenden Evidenz zu medizinischer KI gebe es eine Pflicht zur Weiterentwicklung, „weil wir eine Technologie haben, die weiter ist als wir Mediziner“, so Buyx. Sie betonte in ihrer Keynote „Ethische Aspekte von KI in der Medizin 5.0“ aber auch, dass es enorm wichtig sei, über Risiken und Schadenspotentiale nachzudenken und zu reden: Bei Forschung und technischen Entwicklungen sollte es immer von Beginn an eine ethische Begleitung geben („embedded ethics“). Sie hinterfragte kritisch, „ob wir alles, was wir können, auch können wollen“.

Die Technik dürfe nie zur „Black Box“ werden. „Je mehr der Algorithmus lernt, desto weniger verstehen wir. Es muss aber immer gerade in der Medizin eine Erklärbarkeit geben.“ Dazu sollten Mediziner und Informatiker besser zusammenarbeiten und vor allem auch Medizinstudenten in ihrer Ausbildung schon viel früher auf den Umgang mit dem Zusammenspiel aus Ethik und Technologien vorbereitet werden. Dann, so ist Prof. Buyx überzeugt, „sind die ethischen Herausforderungen von KI in der Medizin überwindbar“.

Dr. Jürgen Peter resümierte: „Die Welt da draußen entwickelt sich schneller, als wir es in unserer Komfortzone wahrhaben wollen. Wir sollten die Chancen der neuen Technologien nutzen und Schaden vermeiden, um so breite Akzeptanz zu erzeugen.“

Bei aller Begeisterung für die KI darf man aber auch die heutige Realität in der Gesundheitsversorgung nicht ausblenden: Frau Buyx berichtete, wie ein Taxifahrer sie kürzlich fragte: „Wie können Sie über intelligente Roboter in der Medizin nachdenken, wenn es eine Klinik nicht einmal schafft, die Seifenspender im Eingangsbereich nachzufüllen?“. Es ginge hier um Verteilungsgerechtigkeit und Prioritätensetzung. Prof. Buyx schloss mit dem Appell an die Entscheidungsträger, die Frage zu lösen: „Wie können wir gleichzeitig innovativ sein UND das Seifenspenderproblem lösen?“.

Ein wichtiger Punkt, denn in den Gesundheitsfrequenzen geht es uns genau darum: Wir wollen verschiedene Perspektiven beleuchten und diese in den Gesamtkontext einordnen.

Video der Veranstaltung

Bilder der Veranstaltung

Fotos © AOK Niedersachsen (Fotograf: Tim Schaarschmidt)

Auftaktveranstaltung Gesundheitsfrequenzen
Gesundheitsfrequenzen-Auftaktveranstaltung: Dr. Daniel Sonntag, Professorin Alena Buyx, Vorstandsvorsitzender der AOK Niedersachsen Dr. Jürgen Peter (v.l.n.r.)

Auftaktveranstaltung Gesundheitsfrequenzen: Dr. Daniel Sonntag
Dr.-Ing. Daniel Sonntag

Auftaktveranstaltung Gesundheitsfrequenzen: Professorin Alena Buyx
Prof. Dr. med. Alena Buyx

Auftaktveranstaltung Gesundheitsfrequenzen: Präsentation eines Werks von David Tollmann
David Tollmann präsentiert sein während der Veranstaltung entstandenes Bild.

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