Kinder sollten wie Flummis sein

Eben noch Babys und da stehen sie nun, schick herausgeputzt in Kleid und Hemd, stolz den Schulranzen auf dem Rücken. Mit leuchtenden Augen nehmen sie die prall gefüllten Zuckertüten entgegen und schauen sich ihr Klassenzimmer an. Der Schulanfang – ein Neubeginn, bei dem man wie bei jedem Geburtstag vor allem auch Gesundheit wünscht.

01.09.2022Autor/in: Maxi RudolphRubrik: Allgemein 0

Gedanken und Sorgen zum Schulstart

Über 55.000 Erstklässler in Sachsen und Thüringen feierten am vergangenen Wochenende ihre Schuleinführung. Für Kinder und Eltern ein gleichermaßen emotionales Erlebnis, startet damit doch ein neuer Lebensabschnitt. Ich begleite selbst ein kleines Mädchen auf diesem Weg. Schon vor dem Schulstart hat sie bemerkt: zukünftig wird es anders sein. Die Kita-Freunde besuchen eine andere Grundschule, die spontanen Oma-Tage sind vorbei und es bleibt weniger Zeit zum Spielen. Das stimmte sie manchmal nachdenklich und traurig. Doch auch Eltern machen sich Gedanken: Wie wird mein Kind den neuen Alltag meistern? Zeigt es sich motiviert oder hat es schnell keine Lust mehr? Ist es ausreichend auf die Schule vorbereitet? Klar, es kann schon ein bisschen zählen, rechnen und schreiben, träumt aber auch gern ein wenig vor sich hin.

Wichtige U-Untersuchungen wahrnehmen

Gemäß Schuleingangsuntersuchung müsste man sich zumindest bei den meisten Dingen keine Sorgen machen. Gut beraten sind Eltern während der Grundschulzeit auch mit den kostenfreien Vorsorgeuntersuchungen U10 und U11, bei denen wichtige Entwicklungsschritte überprüft werden. Bei der U10 für Kinder im siebten und achten Lebensjahr liegen die Schwerpunkte u.a. auf dem Erkennen von Entwicklungsstörungen wie Lese-Rechtschreib- und Rechenschwäche oder von Störungen der motorischen Entwicklung. Bei der U11 für Kinder im neunten und zehnten Lebensjahr informiert der Kinderarzt z. B. über gesundheitsschädigendes Medienverhalten und schaut, ob Schulleistungs-, Sozialisations- oder Verhaltensstörungen vorliegen.“Überhaupt nimmt das Bewusstsein für eine gesunde Lebensweise unter Mädchen und Jungen im Grundschulalter zu. Doch wie steht es eigentlich um ihre Gesundheit?

Gesundheit von Grundschülern: ausreichend

Eine Auswertung der AOK PLUS unter ihren versicherten Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren hat ergeben, dass 2021 ein Drittel an einer psychischen, Entwicklungs- oder Verhaltensstörung litt. Dazu zählen beispielsweise Probleme mit der Sprache und bei motorischen Fertigkeiten, Lese-Rechtschreibschwäche, Dyskalkulie und Belastungsstörungen, aber auch die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bzw. das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS). Ein Fünftel der Grundschüler in Sachsen und Thüringen kämpft mit einer Allergie bzw. Neurodermitis. Rund 30 Prozent der Grundschüler wurde gegen Karies behandelt, 20 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen waren 2021 nicht beim Zahnarzt.

Heute Übergewicht, morgen Diabetes

Besorgniserregend sind die Zahlen zu Adipositas: Rund fünf Prozent der Grundschüler sind bereits übergewichtig. Während im Alter von sechs bis neun Jahren mehr Mädchen betroffen sind, sind es bei den Zehnjährigen die Jungs.

Die wachsende Anzahl an adipösen Kindern ist alarmierend, denn die übergewichtigen Mädchen und Jungen von heute sind die Diabetiker und chronisch Kranken von morgen. Überhaupt steigt die Zahl der Zivilisationskrankheiten, die aus ungesunder Ernährung, zu wenig Bewegung und gestresster Psyche hervorgehen, konstant. Nie war es daher so wichtig wie heute, bereits im Kindesalter das Bewusstsein für Gesundheit zu schaffen und dadurch Krankheiten vorzubeugen.

Rainer Striebel, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS

Unser Plan: Gesunde, zuckerfreie Pause

Glücklicherweise hat unser Mädchen keine Probleme mit Übergewicht, obwohl natürlich Eis und Schokolade hoch im Kurs stehen. Die Mahnung zum zwei Mal täglichen, gründlichen Zähneputzen fällt deshalb umso häufiger. Zugleich stellen wir mit „Entsetzen“ fest, dass wir nunmehr selbst – im Gegensatz zur Kindergartenzeit – für Frühstück und Vesper in der Brotdose sorgen müssen. Gesund, ausgewogen und abwechslungsreich sollte es sein, mit Vollkornprodukten, frischem Obst und Gemüse und natürlich den Geschmack des Kindes treffen. Jeder weiß, wie unmöglich das eigentlich ist. Doch natürlich ist es wichtig, denn wir als Eltern tragen damit wesentlich zur körperlichen Gesundheit bei. Gleichzeitig gilt es, das seelische Befinden im Blick zu haben. Neben den alltäglichen Problemen mit Eltern, Freunden oder in der Schule kommen internationale Krisen und kritische Lebensereignisse hinzu, die Kinder psychisch enorm belasten und krankmachen können.

Resilienz bei Kindern fördern

Unsere Psyche hat eine natürliche Widerstandskraft bzw. -fähigkeit – auch Resilienz genannt –, so dass wir uns trotz kritischer Lebensumstände erfolgreich entwickeln. Prof. Dr. Katharina Wick, Professorin für Angewandte Psychologie an der Hochschule für Gesundheit in Gera beschreibt es im AOK PLUS-Podcast „Das grüne Herz“ bildlich, mithilfe des Baumes im Wind, der bei einem Sturm nicht zerbricht, sondern sich immer wieder aufrichtet. Kinder sind nicht von Geburt an resilient. Sie müssen lernen, auf individuelle Belastungen gut vorbereitet zu sein. Resilienzstärkende Faktoren sind beispielsweise, das Kind so zu nehmen, wie es ist und wertzuschätzen, Vertrauen, Schutz, Nähe und Humor. Aber auch eine klare Kommunikation sowie ein geregelter Tagesablauf machen Kinder widerstandsfähig gegen psychische Belastungen. „Ein guter Flummi kann sogar über sein Ausgangsniveau hinausspringen. Resilienz bedeutet also auch, dass Kinder Krisen nicht nur meistern, sondern aus dieser Bewältigungs- und Anpassungsleistung gestärkt hervorgehen“, resümiert Katharina Wick. In einem Blogbeitrag betont die Professorin außerdem die Bedeutung von Achtsamkeitsübungen im Hinblick auf Depressionen und Resilienzbildung bei Kindern. Videoanleitungen zum Thema Achtsamkeit im Grundschulalter finden sich darüber hinaus im YouTube-Kanal „Henrietta & Co. – Gesundheit spielend lernen“ unter dem Motto „Gib mal acht – mit Henrietta“.

Prävention und Behandlung bei der AOK PLUS

Apropos Henrietta & Co.: Dies ist ein Programm der AOK PLUS in Grundschulen. Diese spielen neben Eltern eine große Rolle bei der Gesundheitsförderung. Im Rahmen des Präventionsprogramms lernen Kinder schon frühzeitig, wie wichtig ihre Gesundheit ist und was sie selbst dafür tun können. Spielerisch werden ihnen Themen wie gesunde Ernährung, Bewegung und psychisches Wohlbefinden nähergebracht. Gleiches verfolgt die Gesundheitskasse auch mit Sportaktionstagen mit bekannten, regionalen Vereinen oder dem Schulgarten-Projekt „GemüseAckerdemie“. Bei der Versorgung von kranken Kindern hat die AOK PLUS z. B. spezielle Adipositas-Programme aufgelegt oder setzt Telemedizin ein. Nicht zuletzt erleichtern digitale Anwendungen die Behandlung von Kindern und unterstützen Eltern. Bei Aussprachestörungen hilft beispielsweise die Artikulations-App „Neolexon“, die Anwendung „Nia“ beim besseren Umgang mit Neurodermitis. Eltern von ADHS-Kindern erhalten in Videos Tipps, wie sie im Alltag mit Hyperaktivität, Trotz oder Impulsivität ihres Kindes gut umgehen können.

Gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Jeder wünscht sich, dass sein Kind gesund erwachsen wird. Und weil der Grundstein für ein gesundes Leben in der Kindheit liegt, dürfen wir als Eltern nicht erst ab der Grundschulzeit auf das körperliche und seelische Befinden unserer Kinder achten. Zugleich benötigt es die Unterstützung verschiedenster Partner wie Politik, Kommunen und Schulen.

Die Gesundheit unserer Grundschüler zu stärken, ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Wir sind überzeugt, dass beispielsweise ungesunde Lebensmittel verpflichtend gekennzeichnet werden sollten. Für überzuckerte und sehr kalorienreiche Lebensmittel darf es keine Werbung geben.

Rainer Striebel, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS

Für die Erstklässler an sich spielt dies sicher erstmal keine Rolle. Sollte es auch nicht. Auf sie wartet eine spannende Zeit, wo sich Buchstaben zusammenfügen und endlich einen Sinn ergeben. Wo sie jeden Tag etwas Neues lernen, Selbstvertrauen und Kompetenzen aufbauen – und das hoffentlich auch in Sachen Gesundheit.

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