#Gänsehaut am 06.11.2020 aktualisiert am 05.11.2020

Gänsehaut kurz erklärt: Warum die Haare zu Berge stehen

Gänsehaut entsteht bei Kälte oder Angst.
iStock: MishaBeliy

Bei schöner Musik, einem Horrorfilm oder bibbernder Kälte können einem schon mal die Haare zu Berge stehen. Warum Menschen Gänsehaut bekommen und wie es dazu eigentlich kommt, erfährst du hier.

Gänsehaut kennt jeder Mensch, denn es ist eine normale Körperreaktion, die durch zwei Arten von Reizen ausgelöst werden kann: Von außen zum Beispiel durch Kälte und innerlich, wenn wir Furcht verspüren oder tief berührt sind.

Auch bei bestimmten Tönen und Geräuschen läuft vielen ein leichter Schauer über den Rücken. Doch warum sieht die Haut dann regelrecht aus wie eine gerupfte Gans? Welche körperlichen Prozesse bei Gänsehaut stattfinden, erklären wir hier.

Was bei Gänsehaut im Körper passiert

Die Gänsehaut ist eine faszinierende Reaktion des Körpers, weil hierbei das zentrale Nervensystem und die Haut beispielhaft miteinander kommunizieren. So funktioniert das Zusammenspiel:

Die Informationen über emotionale Erregungszustände oder physikalische Reize werden durch das zentrale Nervensystem (im Gehirn und Rückenmark) an die Nerven der entsprechenden Körperteile gesendet.

Anschließend werden die sogenannten Haarbalgmuskeln unterhalb der Talgdrüsen aktiv: Die winzigen Muskeln ziehen sich zusammen und bringen die Haare in eine senkrechte Position – nicht nur die sichtbaren Härchen, sondern auch die mit dem bloßen Auge kaum erkennbaren Lanugo-Haare.

Gleichzeitig schwillt die Hautoberfläche (Epidermis) leicht an und es bilden sich körnergroße Erhebungen (Papeln) auf der Haut: die Gänsehaut. Daher übrigens auch die umgangssprachliche Bezeichnung, weil die Haut an eine gerupfte Gans erinnert.

In Stresssituationen wird die Schweißproduktion zusätzlich gesteigert und die Körpertemperatur sinkt leicht, weshalb man einen kühlen Schauer verspürt.

Warum bekommen wir bei Kälte Gänsehaut?

Wenn uns kalt ist und wir frieren, will der Körper sich vor dem Wärmeverlust schützen: Die Blutgefäße verengen sich und das Blut wird in die überlebenswichtigen Körperregionen gepumpt, weshalb die Gliedmaßen dann auch kalt werden. Gänsehaut beim Frieren ist ein solcher Schutzmechanismus gegen die Kälte.

Eine jüngst veröffentliche Studie von Juli 2020 hat sogar herausgefunden, dass bei durch Kälte erzeugte Gänsehaut das Haarwachstum angeregt wird. Wenn sich die Haarbalgmuskeln zusammenziehen, aktivieren gleichzeitig Nerven die für das Wachstum verantwortlichen Haarfollikel-Stammzellen. Ein Phänomen, das den Körper vermutlich langfristig vor Kälte schützen soll.

Weitere Auslöser von Gänsehaut können äußerliche Reize wie Elektrizität und Berührungen sein, oder starke Gefühle wie Furcht, Angst oder Ekel.

Auch Musik kann Gänsehaut auslösen

Nicht nur bei Kälte und Angst können die Haare zu Berge stehen, auch bei schöner Musik oder bei Geräuschen aus dem ASMR (Autonomous Sensory Meridian Response) verspüren einige Menschen Gänsehaut. Doch warum ist das so, schließlich hat dieses Phänomen keinen evolutionären Vorteil?

Hirnforscher der Université de Bourgogne fanden heraus, dass akustische Reize vom Gehirn emotional gedeutet werden. Das sogenannte episodische Gedächtnis als Teil des Langzeitgedächtnisses speichert Melodien aus der Vergangenheit zusammen mit bestimmten Emotionen und Erinnerungen ab.

Wer also ein Lied hört und damit positive Erinnerungen zum Beispiel an Weihnachten aus Kindheitstagen verknüpft, kann Gänsehaut bekommen.

Das Zusammenspiel von intensiven Gefühlen und Gänsehaut beschäftigte US-amerikanische Wissenschaftler in einer Studie aus dem Jahr 2016. Bei Menschen, die bei Tönen Gänsehaut bekommen, ist die Verbindung zwischen dem Hörzentrum im Gehirn und den Hirnarealen, die für die Emotionsverarbeitung zuständig sind, deutlich stärker ausgeprägt.

Doch warum gerade Gänsehaut? Vollends erforscht ist das Mysterium der Gänsehaut in der Wissenschaft noch nicht. Bisher konnten Forscher noch keine eindeutige Erklärung dafür finden, warum sich gerade die Nackenhaare bei intensiven Gefühlen aufstellen und wie die Nervenbahnen dabei aktiviert werden.

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