#Gesundheit am 20.05.2021 aktualisiert am 21.05.2021

Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge beim Frauenarzt: Das steckt dahinter

Frau bei einer Gebärmutterhalskrebs-Untersuchung beim Frauenarzt.
Stocksy / Aleksandra Jankovic

Abstrich, Ultraschall, Brust abtasten – das gehört zu den meisten Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt dazu. Welche Untersuchungen wirklich wichtig sind und wie ein auffälliger Befund einzuordnen ist, erklärt Ärztin Dr. med. Susanne Weg-Remers vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums im Interview.

Gegen Gebärmutterhalskrebs lässt sich etwas tun: durch regelmäßige gynäkologische Früherkennung. Für die Zukunft rechnen Experten auch damit, dass immer mehr Frauen durch eine HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs geschützt sind, die sie im Alter von 9 – 14 Jahren bekommen haben. Gesetzlich krankenversicherte Frauen im Alter von 20 bis 65 Jahren werden persönlich alle fünf Jahre schriftlich über die Möglichkeit zur Teilnahme am Krebsfrüherkennungsprogramm informiert.

Als Schutz vor Gebärmutterhalskrebs heißt das: Einmal im Jahr können sich Frauen zwischen 20 und 34 Jahren untersuchen lassen. Dazu gehört auch der sogenannte Pap-Test, bei dem ein Abstrich vom Gebärmutterhalskanal und dem Muttermund von einem spezialisierten Arzt (Zytologe) beurteilt wird. Frauen ab 35 Jahren wird alle drei Jahre eine Kombinationsuntersuchung angeboten. Diese besteht aus dem Pap-Abstrich und einem Test auf Humane Papillomviren (HPV). Daneben raten Experten Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren (maximal bis zum 18. Lebensjahr) zu einer HPV Impfung.

Was genau sich hinter den einzelnen Untersuchungen zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs steckt, klären wir im Interview mit der Ärztin und Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums Dr. med. Susanne Weg-Remers.

Wozu ist der Pap-Test eigentlich da?

Beim Pap-Test werden Zellen vom Gebärmutterhals gewonnen und auf Veränderungen hin begutachten. Der Frauenarzt macht dazu mit einem besonderen Spatel und einem Bürstchen einen Abstrich vom Muttermund und dem Gebärmutterhalskanal. Das ist der Bereich, in dem das Gewebe der Scheide in das der Gebärmutter übergeht. Von der Zellentnahme selbst spürt die Frau nichts. Die Zellen werden dann auf ein Glasplättchen aufgetragen und direkt vom Arzt selbst begutachtet. Dann gehen sie zur weiteren Untersuchung in ein spezialisiertes Labor. Bei der Begutachtung der Zellen unter dem Mikroskop können Fachleute erkennen, ob es Hinweise auf eine Entzündung gibt, ob auffällige Zellveränderungen vorliegen, oder ob es tatsächlich schon Anzeichen für eine bösartige Veränderung gibt, die weiter abgeklärt werden müssen.

Was sagen die Ergebnisse des Tests genau aus?

Viele Frauen machen sich Sorgen, wenn ihr Pap-Befund nicht völlig unauffällig ist. Aber die meisten Bezeichnungen im Arztbrief bedeuten zunächst nichts weiter, als dass etwas "anders" aussieht als normal. Viele Veränderungen sind harmlos, müssen aber kontrolliert werden. Nur wenige deuten tatsächlich auf Krebsvorstufen oder Krebs hin.

  • Pap I: bedeutet für Sie einen völlig normalen, unauffälligen Befund
  • Pap IIa: Der aktuelle Abstrich ist unauffällig, aber Sie hatten in der Vergangenheit schon einmal einen anderen Befund.
  • Pap II: Es gibt geringfügige Zellveränderungen, aber keinen Hinweis auf Krebs. Auslöser können zum Beispiel Entzündungen sein. Ob Sie noch einmal einen Abstrich machen lassen, andere Untersuchungen, oder ob eine Behandlung notwendig ist, erklären Ihnen Frauenarzt oder Frauenärztin anhand des konkreten Befundes.
  • Pap III: Es wurden zwar keine Krebszellen gefunden. Aber es gibt Zellen, die verändert sind und sich nicht eindeutig beurteilen lassen. Diese Befunde sollten deshalb innerhalb einer gewissen Frist noch einmal kontrolliert werden.
  • Pap IIID: Die Zellen sind verändert. Das bedeutet nicht, dass Sie Krebs haben. Aber Sie tragen ein gewisses Risiko, dass sich daraus ein Tumor entwickeln könnte. Die Zellveränderungen können sich aber auch von alleine zurückbilden. Daher wird nach (wenigen) Monaten noch einmal kontrolliert.
  • Pap IV a: Die Zellen sind stark verändert. Einiges deutet auf Krebsvorstufen hin, die sich nicht mehr von alleine zurückbilden. Normalerweise benötigen Sie dann eine Behandlung (mehr dazu im nächsten Absatz).
  • Pap IVb und Pap V deuten auf eine Krebserkrankung hin, die behandelt werden muss. Ihre Ärzte werden zur Sicherstellung eine Gewebeprobe entnehmen und dann die weitere Behandlung abklären.

Was passiert bei einem auffälligen Befund?

Ist der Befund nicht völlig in Ordnung, reichen bis Pap III Kontrolluntersuchungen aus: Das heißt, Sie gehen nach einer vereinbarten Frist noch einmal zu Frauenärztin oder Frauenarzt.

Erst ab Pap IV a gibt es deutliche Hinweise auf Krebsvorstufen, die ohne Behandlung nicht wieder verschwinden würden. Bei höhergradigen Pap-Befunden ist eine Krebsdiagnose wahrscheinlich.

In der Regel kann dann eine Scheidenspiegelung (Kolposkopie), bei der die Ärzte das Gewebe mit einer Art Vergrößerungslupe untersucht, weitere Hinweise geben. Dabei werden gezielt Gewebeproben aus auffälligen Bereichen am Gebärmutterhals entnommen und zur Untersuchung eingeschickt. Auch eine Ausschabung des Gebärmutterhalskanals kann sinnvoll sein, um mehr über mögliche Veränderungen auch dieses Gewebes zu erfahren.

Ist eine Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs sinnvoll?

Viele Frauen sind sich unsicher, ob sie eine Ultraschalluntersuchung zur Krebsfrüherkennung machen sollen. Ohne konkreten Verdacht auf Eierstockkrebs ist dies eine IGeL-Leistung, deren Kosten die Versicherten selbst tragen müssen. Was Frauen von dieser Untersuchung erwarten können und was nicht, klärt die AOK-Faktenbox.

Warum wird der Pap-Abstrich zwischen 20 und 34 Jahren jährlich gemacht und danach nicht mehr?

Bei jüngeren Frauen hat der jährliche Pap-Abstrich eine hohe Aussagekraft. Der HPV-Test ist bei ihnen dagegen weniger bedeutsam. Jüngere Frauen, die sexuell aktiv werden, stecken sich zwar rein statistisch häufiger neu mit Humanen Papillomviren (HPV) an – also den Viren, die hinter den Zellveränderungen am Gebärmutterhals stehen. Aber bei ihnen heilen die Infektionen auch meist von ganz alleine wieder aus.

Bei Frauen ab Mitte 30 ist der HPV-Test dagegen wichtiger. Einerseits kommt es bei ihnen seltener zu Neu-Infektionen mit Papillomviren. Ein positiver HPV-Test kann andererseits darauf hindeuten, dass ihr Körper es bisher nicht geschafft hat, die Viren unter Kontrolle zu bringen. Solche länger anhaltenden HPV-Infektionen steigern das Risiko, dass sich die infizierten Zellen am Gebärmutterhals verändern. Daher soll der HPV-Test Frauen ab Mitte 30 in Zukunft besser absichern, dafür muss nicht mehr so oft wie bisher ein Pap-Test gemacht werden.

Aber auch dann, wenn der Virus-Test über der Nachweisgrenze liegt, gilt: Die HPV-Infektion bedeutet auf keinen Fall, dass man Krebs bekommen wird. Auch jetzt noch kann der Körper die Viren bekämpfen.

Porträt von Dr. med. Susanne Weg-Remers
© Tobias Schwerdt, Krebsinformationsdienst/DKFZ

Ab dem 65. Lebensjahr sind HPV-Untersuchungen nicht mehr vorgesehen. Warum ist das so?

Wenn man bis zu diesem Alter keine auffälligen Befunde hatte, kann man mit dem Frauenarzt gemeinsam entscheiden, ob und wie man mit der Früherkennung weitermacht. Bei Beschwerden sollten Sie aber auf jeden Fall sofort einen Termin vereinbaren – ganz unabhängig vom Alter.

Wird es in Zukunft noch sicherere HPV-Testmethoden geben?

Schon die bisher verfügbaren Methoden sind sehr zuverlässig, auch wenn sich falscher Alarm oder fälschlicherweise unauffällige Befunde auch in Zukunft nie hundertprozentig vermeiden lassen. Aktuell gibt es daher keine Empfehlungen zu weiteren Tests, die man womöglich selbst zahlen müsste. Trotzdem wird das aktuelle Angebot der Krebsfrüherkennung sechs Jahre nach der Einführung noch einmal überprüft werden. Dann können auch neue Entwicklungen berücksichtigt werden, die sich bis dahin womöglich ergeben haben.

Kann die HPV-Impfung uns zu 100 Prozent vor Krebs schützen?

Die aktuell zur Verfügung stehende Impfung schützt vor den wichtigsten Typen der Humanen Papillomviren, die mit Krebs in Zusammenhang stehen. Es gibt zwar noch weitere, viel seltenere und weniger relevante Virustypen. Aktuell gehen Fachleute aber davon aus, dass durch die Ähnlichkeit der Viren trotzdem ein gewisser Effekt der Impfung erreicht werden kann.

Der Schutz ist jetzt schon sehr hoch, bei etwa 94 Prozent für Vorstufen von Krebs am Gebärmutterhals, so das deutsche Robert-Koch-Institut, und bei 76 Prozent für Krebsvorstufen im Analbereich (bei Männern und Frauen). Aber es wird noch einige Jahre dauern, bis man die gesamte Schutzwirkung überblicken wird.

Würden Sie Eltern die Impfung ihrer Kinder in jedem Fall empfehlen? Was sagen Sie zu Impfgegnern?

Die Entscheidung für oder gegen eine Impfung – oder auch die Krebsfrüherkennung – muss jeder selbst treffen, beziehungsweise bei Mädchen und Jungen die Eltern.

Man sollte sich über die Fakten aus neutralen und seriösen Quellen informieren, zum Beispiel dazu, wie verschwindend gering die Rate an schwerwiegenden Nebenwirkungen tatsächlich ist, und wie wenig belastend die Impfung bis auf wenige Einzelfälle ist. Vieles von dem, was eingeschworene Impfgegner sagen, hält einer Nachprüfung nicht stand.

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