#fühlmal am 20.05.2021 aktualisiert am 21.05.2021

„Meine Welt ist zusammengebrochen!“ Petra erzählt von ihren Erfahrungen mit Brustkrebs

Frau hat Brustkrebs erfolgreich bekämpft und liegt bei ihrem Partner im Arm auf dem Sofa.
Stocksy / Rob and Julia Campbell

Brustkrebs gehört zu den häufigsten Tumorerkrankungen bei Frauen in Deutschland. Die Diagnose ist für Patientinnen meist ein Schock und mit vielen Ängsten verbunden. Eine Betroffene aus Baden-Württemberg erzählt, wie sie mit der Erkrankung umgegangen ist und was ihr in dieser Zeit Kraft gegeben hat.

Mit 48 Jahren hat Petra erfahren, dass sie Brustkrebs hat. Ein besonders harter Schicksalsschlag, nachdem ihre Schwester zuvor an Brustkrebs gestorben war. Petra hat den Kampf aufgenommen und ihr Umfeld inspiriert. Mittlerweile gilt sie als geheilt. In unserem Interview erzählt sie, wie es ihr anfangs mit der Diagnose gegangen ist, welche Unterstützung sie erfahren hat und was sie anderen Patientinnen mit Burstkrebs rät.

Was ging dir durch den Kopf, als du erfahren hast, dass du Brustkrebs hast?

Der Brustkrebs wurde bei einer Vorsorgeuntersuchung festgestellt. Nachdem die Gynäkologin eine Auffälligkeit bemerkt hat, wurde ich zur Stanzbiopsie geschickt. Die Gewebeprobe hat dann bestätigt, dass ich Brustkrebs habe. Zwischen Tür und Angel wurde mir die Diagnose mitgeteilt – in dem Moment ist eine Welt zusammengebrochen. Ich sollte direkt einen OP-Termin vereinbaren, ich musste die Nachricht aber erst einmal verdauen und bin gegangen. Meine Schwester ist schon an Brustkrebs gestorben. Ich habe mir gedacht: Ohje, jetzt bin ich dran! Nachdem ich den Schock verdaut hatte, habe ich einen Termin für eine Operation gemacht.

Petra Christina Arnold hat den Brustkrebs überlebt und erzählt ihre Geschichte.
Petra Christina Arnold

Was hat dir geholfen, die Diagnose zu verarbeiten?

Die Gespräche und aufmunternden Worte von meiner Familie haben mir sehr geholfen. Besonders mein Ehemann stand mir zur Seite. Sehr fürsorglich betreut wurde ich zudem von Frau Müller von der AOK Neckar-Odenwald.

„Mein Onkologe hat zu mir gesagt: Wir schaffen das! Damit und mit seiner motivierenden Art hat er mir viel Kraft gegeben.“
Petra Christina Arnold

Du hast nur deinem engsten Kreis von der Diagnose erzählt, warum?

Ganz einfach: Ich wollte nicht, dass mich jemand bemitleidet. So bin ich weiter zur Arbeit gegangen, hab meinen Haushalt erledigt und weitestgehend normal gelebt.

Wie ging es dir während der Therapie?

Der Tumor und 3-4 nahe gelegene Lymphknoten wurden operativ entfernt. Der halbrunde Schnitt an der rechten Brust ist nur klein und kaum erkennbar. Mir wurde ein Brustaufbau angeboten, aber den habe ich abgelehnt. Denn ich und mein Mann sind zufrieden, so wie es ist. Ich habe auch eine Chemotherapie durchgemacht. Als Nebenwirkung war mir lediglich ein wenig übel. Viel heftiger war die Bestrahlung. Insgesamt 39-mal wurde sie bei mir durchgeführt. Die Verbrennungen auf der Haut und die seelische Belastung waren groß. Noch heute kann ich in kein MRT-Gerät gehen, weil mich das an die Bestrahlungssitzungen erinnert.

Du hast auch an einer Studie teilgenommen …

Ja, genau. Da ich ein anderes Bestrahlungsverfahren bekommen habe, wurde ich zu einer Studie eingeladen. Bei Fotos vom Bestrahlungsgebiet und Blutentnahmen wurde festgestellt, dass mein Bestrahlungsgebiet im Vergleich mit anderen Patienten besser aussah. Ich vermute, es liegt daran, dass ich regelmäßig Aloe-Vera-Gel verwendet habe. Als ich das den Ärzten erzählt habe, gaben sie meinen Geheim-Tipp auch anderen Patientinnen.

Wie geht es dir heute?

Mir geht es sehr gut. Ich arbeite halbtags auf Station in der Kinderorthopädie. Da der Brustkrebs hormonempfindlich war, habe ich mich dazu entschlossen, die Eierstöcke und die Gebärmutter entfernen zu lassen. Dann kam es zu einer Hormonumstellung. Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme und Schweißausbrüche gehörten zu meinem Alltag. Mit Salbeitee habe ich die Beschwerden selbst behandelt. Mittlerweile ist nur das Schwitzen übriggeblieben.

Hat sich die Einstellung zu deinem Leben durch deine Krebserkrankung verändert?

Das würde ich schon sagen. Ich gehe nun mit offeneren Augen durch das Leben und achte mehr auf meine Gesundheit. Ab und zu gönne ich mir etwas und kaufe zum Beispiel schöne Dinge. Mittlerweile kann ich Arbeit auch mal Arbeit sein lassen. Ich habe beobachtet, wie eine Krebserkrankung einen runterziehen kann. Mir ist es wichtig, mit einer positiven Einstellung durch das Leben zu gehen. Damit habe ich auch meiner Bekannten, die das gleiche Schicksal hatte, geholfen.

„Im Kopf stirbt man als erstes. Deshalb ist es wichtig, eine positive Einstellung zu behalten.“
Petra Christina Arnold

Was rätst du Menschen, die ebenfalls die Diagnose Brustkrebs bekommen haben?

Ich kann den Rat geben, nicht zu viel im Internet zu stöbern. Wichtig ist vor allem, auf sich selbst zu hören und sich ein eigenes Bild zu machen: Für mich ist es entscheidend, einen Arzt zu finden, dem man vertraut und mit dem man Unsicherheiten oder Ängste offen besprechen kann. Und: Eigene Erfahrungen sammeln! Sich mit anderen zu vergleichen, bringt nichts. Nach einer Krebsdiagnose braucht man Leute, denen man vertraut.

Mir hat es geholfen, ein Ritual zu entwickeln. Ich habe mir bei jeder Bestrahlung einen Kakao aus einem Automaten gezogen. Er schmeckte nicht sonderlich gut, hat mich aber irgendwie aufgemuntert. Personen, die glücklicherweise noch keine solche Diagnose bekommen haben, kann ich nur raten: Geht zur Vorsorge, sie ist das A und O.

Alles zur Krebsvorsorge

Welche Untersuchungen zur Früherkennung gibt es? Wann steht welche Untersuchungen an? Wie unterstützt mich meine AOK? Antworten zu deinen Fragen findest du hier.

Tastest du deine Brust selbst nach Veränderungen ab?

23 Personen haben abgestimmt
Experten-Antworten erhalten und mitdiskutieren

Melde dich jetzt an für Kommentare, Diskussionen und kompetente Antworten auf deine Fragen.

    War nichts dabei?

    Einfach nochmal die Suche verwenden.
    oder
    Frage stellen