#Alter am 12.10.2020

„Ich hege und pflege das Kind in mir“

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Die Moderatorin Birgit Klaus sieht viele Vorteile im Älterwerden. Warum sie trotzdem nicht altersweise sein möchte und die Entwicklungen in der Medienwelt sie optimistisch stimmen.

Frau Klaus, kennen Sie Sprüche wie "Lila, der letzte Versuch"? Was halten Sie davon?

Oh Gott, ja, das ist so ähnlich wie: Rosa ist die Farbe des Alters! Aber so war das früher: Mit 40 durften Frauen nicht mehr sexy sein, man legte sich eine praktische Kurzhaarfrisur zu, trug Beige und Dunkelblau und wurde äußerlich zum Neutrum. Schrecklich.

Als Moderatorin tragen Sie im Rampenlicht knallige Farben ebenso gern wie Jeans und Biker-Jacke...

Ja, was das angeht, hat sich in den letzten Jahrzehnten zum Glück viel geändert. Frauen lassen sich heute in keinem Alter mehr vorschreiben, wie sie sich anzuziehen und zu geben haben. Trotzdem gibt es da noch viel zu tun.

Inwiefern?

Ich persönlich habe bisher sehr viele gute Erfahrungen mit dem Älterwerden und den Reaktionen aus meinem Umfeld gemacht. Das mag auch daran liegen, dass man mir meine 55 Jahre offenbar nicht immer sofort ansieht.

Grundsätzlich ist der Blick auf Frauen in der Film- und Fernsehbrache aber nach wie vor stark von alten Mustern geprägt. Bis vor einigen Jahren lief in einigen Sendern für Frauen ab 40 der Countdown, und ab 50 war für viele dann ganz Schluss.

Erst wurden sie vom Abend- ins Nachmittagsprogramm versetzt und dann nach ein paar Jahren ganz vom Bildschirm verbannt. Für Männer gilt das in der Form nicht, das fand ich immer schon ungerecht.

3 Fragen an... Ernährungsexpertin Regina Krug

Können wir mit unserer Ernährung den Alterungsprozess beeinflussen?

Zum Teil. Es gibt Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, die zellschützend wirken. Zum Beispiel mehrfach ungesättigte Fettsäuren in bestimmten Seefischen oder Nüsse und Samen. Auch sekundäre Pflanzenstoffe aus Obst und Gemüse können Körperzellen vor oxidativem Stress schützen.

Worauf sollten wir achten, wenn wir möglichst lange gesund bleiben wollen?

Es ist wichtig, durch eine ausgewogene, energieangepasste Ernährung und ausreichend Bewegung die Körperzellen fit zu halten und dem Muskelabbau entgegenzuwirken.

Bedeutet gesunde Ernährung immer auch Verzicht?

Nein, wenn die Ernährung ausgewogen ist und unserem Körper alle wichtigen Stoffe liefert, gilt die Regel „alles in Maßen“. Dann muss auf einzelne Lebensmittel auch nicht verzichtet werden.

Aber im Privatleben gibt es diese Altersdiskriminierung doch nicht mehr, oder?

An mancher Stelle doch, stelle ich erstaunt fest. Einige meiner Freundinnen haben sich im Laufe der Jahre getrennt, und die eine oder andere hat sich in Partnerschaftsbörsen getraut.

Das sind tolle Frauen, aber dort bekamen sie deutlich zu spüren, dass sie ab 40 angeblich zum alten Eisen gehören. Und es gibt ja auch nach wie vor den Satz: „Mit 50 wird eine Frau in der Öffentlichkeit unsichtbar“. Das finde ich sehr schade.

Warum wirken zwei Menschen gleichen Alters manchmal sehr unterschiedlich alt?

Ich glaube, das lässt sich gar nicht so sehr an den Falten im Gesicht und der mehr oder weniger jugendlichen Figur festmachen. Ob wir Menschen als alt empfinden, hängt vor allem mit der Frage zusammen, was sie ausstrahlen.

Mit 50 zeichnet sich im Gesicht ab, welche Eigenschaften ein Mensch in sich trägt. Man sieht, ob jemand geistig und körperlich aktiv ist. Ob er Humor hat, flexibel, neugierig und resilient ist – also das Glas halb voll oder halb leer sieht.

Ich lerne immer wieder Frauen kennen, die einen umhauen, weil sie regelrecht von innen strahlen. Falten und Kilos treten hinter einem solchen Charisma oft komplett zurück, finde ich.

Finden Sie, dass das Älterwerden auch Vorteile hat?

Oh ja, viele! Für mich gilt ganz sicher, dass ich gelassener und reifer geworden bin. Gleichzeitig nehme ich viele Dinge aber auch bewusster wahr und achte noch mehr auf meine Gesundheit als früher, indem ich gesund esse und mich viel bewege.

Im Laufe der Jahre habe ich mir viele Verhaltensweisen angeeignet, von denen ich weiß, dass sie mir guttun. Und noch etwas hat sich zum Guten verändert: Ich lebe viel mehr in der Gegenwart.

Wie meinen Sie das?

Früher habe ich die Dinge regelrecht „zerdacht“. Und ich war selbstkritischer, fand mich zu dick, zu dünn. Was für ein Irrsinn. Heute bin ich viel zufriedener mit meiner äußeren Erscheinung, obwohl ich damals vermutlich eine bessere Figur hatte.

Überhaupt mache ich mir insgesamt weniger Gedanken um die Zukunft. Corona hätte mich früher sicher in Panik versetzt. Jetzt halte ich mich zwar streng an die Regeln, habe aber keine Angst mehr um mich selbst. Über diese Entwicklung bin ich sehr froh, das ist ein ganz tolles Gefühl.

Würden Sie dieses Gefühl als Altersweisheit bezeichnen?

Hm, das klingt mir ein bisschen zu vernünftig. Ich finde es bei aller Reife sehr, sehr wichtig, dass man das Kind in sich bewahrt und es hegt und pflegt. In der Lebensmitte sollte ein Mensch alle Facetten der vorherigen Altersstufen in sich vereinen und sich nicht immer altersentsprechend verhalten, finde ich.

Bei mir ist das jedenfalls so: Ich fühle mich manchmal so jung wie 30, so reif wie 50 und handle manchmal so unvernünftig wie mit 17. Und wenn ich morgens nach dem Aufstehen Anlaufschwierigkeiten habe, fühle ich mich auch mal wie 80 (lacht).

Gesund älter werden – mit gesunder Ernährung

Birgit Klaus achtet heute besonders auf eine gesunde Ernährung. Wie auch du dich ausgewogen ernähren kannst, erfährst du bei der AOK-Ernährungsberatung.

Weitere Tipps, wie du gesünder essen kannst, haben wir hier für dich zusammengestellt.

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