#Angst am 18.01.2022

Die Angst vor der Angst – ein Leben mit Panikattacken

Eine junge Frau hockt aufgrund einer Panikattacke zusammengekauert auf dem Boden.
Stocksy / Simone Wave

Wie Angststörungen und Panikattacken entstehen, welche Symptome auftreten können und wo du als Betroffener in Baden-Württemberg entsprechende Hilfe findest.

Angst ist eine wichtige Emotion in unserem Leben. Sie hilft uns, in Gefahrensituationen schneller zu reagieren. „Wer Angst hat, ist aufmerksam, nimmt seine Umgebung deutlicher wahr und der Körper bereitet sich auf eine mögliche Reaktion – Flucht oder Angriff – vor“, erklärt Prof. Andreas J. Fallgatter, ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemeine Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Tübingen.

Angst ist somit überlebenswichtig. Sie kann auch anspornen, bestimmte Dinge zu tun oder die eigenen Grenzen zu kennen und diese zu überwinden. Doch wenn die Angst zu stark wird und den Alltag beherrscht, kann sie lähmen und krank machen. Regelmäßige Angst- und Panikattacken bedeuten für die Betroffenen oft einen Teufelskreis, der allein schwer zu durchbrechen ist.

Wenn Angst lähmt, statt schützt

„Bei einer Angststörung ist die Angst unangemessen und unrealistisch“, erklärt Angstexperte Fallgatter. „Die Betroffenen leiden unter der Angst und ziehen sich immer mehr zurück.“ Das kann so weit gehen, dass der Betroffene nicht mal mehr die Wohnung verlässt. Die Angst hat dann ihre schützende Wirkung verloren. Doch zum Glück ist man seiner Angst nicht hilflos ausgeliefert. Eine Psychotherapie kann helfen, die Angst wieder auf ein normales Maß zu reduzieren. „Bei 60 bis 75 von 100 Angstpatienten können sich die Symptome allein durch eine kognitive Verhaltenstherapie wesentlich verbessern“, betont Prof. Fallgatter.

Warte aber nicht zu lange, wenn du unter heftigen Ängsten leidest. Eine unbehandelte Angststörung kann sich immer mehr verselbständigen, bis es zur „Angst vor der Angst“ kommt und man alles meidet, was die Angst auch nur auslösen könnte. Als Folgeprobleme können weitere psychische Erkrankungen auftreten. Doch für Hilfe ist es nie zu spät. Jeder kann den Weg zurück in ein weitgehend angstfreies Leben finden. Mehr über die kognitive Verhaltenstherapie erfährst du unter gesundheitsinformation.de.

Was sind Panikstörungen und welche Symptome gibt es?

Panikstörungen treten häufig zusammen mit weiteren psychischen Erkrankungen auf, wie zum Beispiel Depressionen oder anderen Angststörungen, wie die soziale Phobie. Die Panikstörung ist eine Angststörung, bei der Betroffene plötzliche Panikattacken erleben. In der modernen Definition der Panikstörung sind zeitlich umgrenzte Episoden („Anfälle“) akuter Angst, die mit den synonymen Begriffen Panikattacken, Panikanfälle oder Angstanfälle bezeichnet werden, das Hauptmerkmal der Störung.

Die Ursachen für die Entstehung von Panikstörungen sind ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren verantwortlich. So sind hierfür genetische Faktoren bekannt. Menschen, die schon als Kind eher ängstlich waren, leider häufiger an Panikstörungen. Aber auch bestimmte Substanzen wie Nikotin oder Koffein können Panikattacken begünstigen.

Charakteristisch ist dabei das plötzliche und zum Teil als spontan erlebte Einsetzen unangenehmer Symptome:

  • Herzrasen
  • Herzklopfen (wird als sehr schlimm beschrieben von Betroffenen)
  • Zittern
  • Atemnot, flache Atmung
  • Schwindel
  • weiche Knie
  • Gefühl zu ersticken
  • Augenflimmern
  • Taubheits- und Kribbelgefühle
  • Ohnmachtsgefühle/Benommenheit
  • Übelkeit
  • Mundtrockenheit
  • Schweißausbrüche
  • Hitzewallungen/Schwitzen
  • Druck oder Engegefühl in Brust und Hals
  • Brustschmerzen
  • Angst, wahnsinnig zu werden oder die Kontrolle zu verlieren
  • Angst zu sterben
  • Derealisation: Die vertraute Umwelt wirkt plötzlich fremd
  • Depersonalisation: Die eigene Person wird als fremd empfunden 

Eine Panikattacke hält selten länger als 30 Minuten an. Viele Anfälle klingen schon nach wenigen Minuten ab – doch im Extremfall kann eine Panikattacke einige Stunden andauern.

Auch die Häufigkeit variiert: Einige Betroffene neigen zu täglichen Panikattacken, andere erleben diesen Zustand seltener, etwa einmal im Monat oder mehrmals pro Jahr.

Viele Menschen mit einer Panikstörung warten sehr lange damit, sich ärztliche oder therapeutische Hilfe zu suchen. Sie schämen sich, haben Angst vor einer Therapie oder denken, dass sie die Panik selbst „in den Griff“ bekommen können.

Hilfe bei Panikattacken: Anlaufstellen in Baden-Württemberg

Je früher eine Panikstörung behandelt wird, desto besser ist die Aussicht darauf, ein angstfreieres Leben zu führen. Die AOK Baden-Württemberg unterstützt dich dabei. Informiere dich hier über die Behandlungsmöglichkeit einer ambulanten Psychotherapie.

Daneben hast du die Möglichkeit, dir selbst einen Therapeuten zu suchen, um zu erfahren, ob und welche Therapieform für dich infrage kommt. Hier geht’s zur Online-Therapeutensuche in Baden-Württemberg.

Bei uns im Ländle gibt es viele Anlaufstellen, an die du dich bei einer Panikstörung oder anderen psychischen Erkrankungen wenden kannst. Neben den medizinischen Einrichtungen gehören dazu Ansprechpartner in Wohlfahrtsverbänden, ehrenamtliche Initiativen und Selbsthilfegruppen, zum Beispiel des Landesverbands Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg e.V.

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    veröffentlicht am 18.01.2022
    AOK-Expertin „Psyche und Seele“

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