#Sport am 09.12.2021

„Ich will mich zurückkämpfen“

Lisa Nippgen im Porträt.
IMAGO / Eibner

Die Mannheimer Sprinterin Lisa Nippgen war für Olympia nominiert, doch eine Verletzung machte ihren Traum zunichte. Warum sie trotzdem nicht aufgibt – und wie ein kleiner Plüschesel ihr dabei hilft.

Wie herbe ein Rückschlag sein kann, hat Sprinterin Lisa Nippgen dieses Jahr am eigenen Leib erfahren. Kurz vor den Olympischen Spielen in Tokio war sie in der Form ihres Lebens, sie verbesserte sogar ihre Spitzenzeit. Doch mitten im letzten Trainingslager zog sie sich eine schwerwiegende Verletzung zu. Wenige Tage vor den Spielen war der Traum geplatzt. Auf den Verletzungsschmerz folgte der Rückflug nach Deutschland. Dort wartete nicht ihre erste Olympia-Teilnahme auf sie, sondern die Reha. Was der jungen Sportlerin Mut und Hoffnung gibt, verrät sie im GESUNDNAH-Interview.

Der Verletzungsschock in Tokio

Es hatte alles so großartig angefangen: Nur noch wenige Wochen bis zu den Olympischen Spielen in Tokio, und Lisa Nippgen war in Höchstform. Ende Juni 2021 hatte sie ihre Bestzeit über die 100 Meter auf 11,20 Sekunden verbessert und war daraufhin für die 4x100-Meter-Staffel der Frauen nominiert worden. Gänsehautfeeling pur. Doch dann kam das plötzliche Aus. Im Trainingslager in Tokio verletzte sich die 24-Jährige beim Staffellauf schwer. „Ich habe den Knall gehört“, erinnert sie sich. „Dann war da der höllische Schmerz. Ich wusste sofort, dass das etwas Schwerwiegendes war, nicht nur eine Zerrung.“ Das MRT in Tokio bestätigte ihren Verdacht: Abriss der Sehne am hinteren Oberschenkel. Sie wurde zügig nach Deutschland zurückgeflogen und operiert, auf den Krankenhausaufenthalt folgte die Reha. Ein herber Rückschlag für die Olympia-Kandidatin. „Das war schon sehr hart, so kurz vor dem Ziel zurückfahren zu müssen, sagt Lisa Nippgen. „Es wäre ja meine erste Olympia-Teilnahme gewesen.“

Im Olympiastützpunkt Metropolregion Rhein-Neckar wird sie nun betreut, absolviert dort ihre Reha, und später kommt dann das Aufbautraining. Aber noch ist es nicht soweit. Erst muss sie Kraft, Koordination und Geschicklichkeit wiedergewinnen, bevor sie das Thema Schnelligkeit angehen kann. Betreut wird sie auf diesem Weg von Dominique Böhnisch. „Bei mir wird keine glücklich“, sagt der Sportwissenschaftler lachend und meint wohl die strapaziösen Übungen, die er seinen Reha-Schützlingen abfordert. Nur so wird auch Lisa Nippgen die Folgen ihrer Verletzung überwinden und wieder zu ihrer früheren Kondition zurückfinden.

Eine Kette und ein Plüschtier schenken ihr Kraft und Hoffnung

Heute sind Leistungstests angesetzt, um Fortschritte messen und die weitere Reha planen zu können. Lisa will es langsam angehen lassen. Denn, bevor sie wieder an ihre Leistungsgrenze gehen kann, wird sie noch einige mentale Hürden überwinden müssen. „Da ist immer noch der Gedanke, dass die Sehne wieder reißt, wenn ich sie zu sehr strapaziere“, sagt sie. Aufgeben sei für sie jedoch keine Option, sagt sie.

„Ich weiß, dass ich das schaffe.“ Eine Heilstein-Kette, die sie sich als Talisman gekauft hat, schenkt ihr Kraft. Sie passt zu ihrem Sternzeichen und gibt ihr ein gutes Gefühl. Außerdem hat sie noch einen ständigen Begleiter: Fabi, einen kleinen Plüschesel.

Dass sie die Kraft in sich hat, auch heftige Rückschläge zu überwinden, hat die Mannheimerin bereits vor zwei Jahren erfahren. Damals erlitt sie beim Training eine Halswirbelverletzung. „Ich hätte gelähmt sein können“, sagt sie und weiß, dass sie Glück hatte. Denn die Ärzte konnten das abgebrochene Wirbelstück entfernen und eine Platte einsetzen. In den folgenden Wochen und Monaten kämpfte sie sich erfolgreich zurück auf die Trainingsbahn – und steigerte ihre Sprint-Leistung sogar. Ein halbes Jahr nach dem schweren Unfall errang sie bei den Deutschen Meisterschaften die Bronzemedaille im 100m-Sprint.

Rehaeinrichtungen in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg gibt es eine Reihe von Rehaeinrichtungen, die von Kassenpatienten genutzt werden können. Dabei sind die Kliniken nicht nur in den Großstädten wie Stuttgart oder Mannheim vertreten, sondern auch über die ganze Region verstreut. Sei es bei Mannheim, Böblingen, Reutlingen oder Schluchsee.

In der Reha muss sie sich keine Sorgen machen

Die Sprinterin ist zuversichtlich, denn sie weiß sich hervorragend betreut. Die Operations- und Rehakosten übernimmt die AOK, und der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) unterstützt ihre sportliche Karriere. „Das Spitzensportstipendium der Region ermöglicht es mir, mich auf meinen Sport zu konzentrieren und gleichzeitig das Studium Unternehmensjura an der Universität Mannheim zu absolvieren“, sagt die Athletin. Um beides unter einen Hut zu bekommen, ist die gebürtige Ludwigsburgerin nach Mannheim umgezogen und trainiert dort bei der Mannheimer Turngesellschaft in einem professionellen Umfeld.

Ihr neuer Trainer hilft ihr

Dass Valerij Bauer sie als Trainer unter seine Fittiche genommen hat, bestärkt Lisa Nippgen in ihrem Durchhaltewillen, denn er hat bereits die Sprinterin, Olympionikin und Europameistern Verena Seiler trainiert. Im Olympiastützpunkt Metropolregion Rhein-Neckar begleitet er Lisas Rehafortschritte und wartet darauf, mit ihr das Training wieder vorsichtig beginnen zu können. Immer mit dabei: Plüschesel Fabi. Er erinnert die Sportlerin daran, dass noch Großes vor ihr liegt.

Ihr nächstes Ziel hat sie bereits vor Augen

Glück wird Lisa Nippgen auch weiterhin brauchen, denn sie hat noch viel vor. Im nächsten Jahr stehen die Europameisterschaften in München und die Weltmeisterschaften in Eugene im US-Bundesstaat Oregon an. Vor heimischem Publikum das Beste zu geben, ist etwas ganz Besonderes.

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