#Gemüse am 18.12.2019 aktualisiert am 20.01.2020

Alte Gemüsesorten aus der Region neu entdecken

Beet mit alter Gemüsesorte Filder Spitzkraut und einer Pflanze in der Nahaufnahme.
ms-grafixx / Panther Media GmbH/ Alamy Stock Photo

Alte regionale Gemüsesorten wie Filder Spitzkraut sind im Trend. Wir stellen dir fünf Gemüsesorten vor und erklären, was sie auszeichnet.

Im Supermarkt bekommst du fast alles. Altes Gemüse suchst du dort aber oft vergebens. Filder Spitzkraut, Roter Neckarruhm und Co. findest du vor allem auf Wochenmärkten oder beim Bauern, denn alte Gemüsesorten wachsen über einen längeren Zeitraum, langsam und ungleichmäßig. Sie sind daher für die industrielle Landwirtschaft unattraktiv, auch wenn Sie durch ihr langsames Wachstum oft mehr Nährstoffe haben und intensiver, aromatischer schmecken als Gemüse aus dem Supermarkt. Gerade regionale Sorten sind häufig nährstoffreicher, da sie kurze Transportwege haben. Ihr Anbau stärkt außerdem die biologische Vielfalt in deiner Heimat.

Altes Gemüse selbst anbauen

Wenn du das erste Mal selbst Gemüse anbauen möchtest, empfehlen wir dir, Jungpflanzen zu kaufen und direkt ins Beet einzupflanzen. Achte dabei auf den angegebenen Pflanzabstand, damit das Gemüse gut gedeihen kann. Wenn du Saatgut verwendest, musst du früher beginnen und die Pflanzen in einer Schale vorziehen. Wichtig ist, dass du zu dicht stehende Keimlinge zur rechten Zeit ausdünnst und mit Abstand pflanzt. Im Gärtnerjargon heißt das „pikieren“.

Filder Spitzkraut

Dieses alte Gemüse wächst auf der Filderebene bei Stuttgart, wird jedoch immer seltener angebaut. Denn die mit dem Weißkohl verwandte Sorte, die einen leicht süßlichen Geschmack hat, kann man wegen ihrer spitz zulaufenden Form nur mit der Hand ernten. „Filder Spitzkraut wird gerne zu Sauerkraut verarbeitet, kann aber auch für Krautsalat verwendet werden“, sagt Heike Sauer von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg (LVG). Außerdem lassen sich aus dem alten Gemüse schmackhafte Rouladen oder Suppen zaubern.

Was macht die Gemüsesorte so gesund?

  • Filder Spitzkraut enthält wie andere Kohlsorten viele Vitamine und Mineralstoffe, die dein Körper gerade im Winter braucht. Vitamin C nimmst du reichlich auf – besonders dann, wenn du dieses alte Gemüse roh isst.
  • Die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe haben eine entzündungshemmende Wirkung, was einer Erkältung vorbeugen kann.
  • Filder Spitzkraut ist leichter verdaulich als andere Kohlarten und macht lange satt.

 Anbautipps

  • Spitzkraut ist eine pflegeleichte Pflanze, die du zwischen Februar und November in einem Beet anbauen kannst.
  • Frost bekommt dem Gemüse nicht. Deswegen solltest du spätestens Ende Dezember ernten.
  • Bei Sonne wächst Spitzkraut besonders gut - deshalb schattig gelegene Standorte meiden.
  • Achte darauf, dass der Boden konstant feucht ist und du ihn regelmäßig mit einer Hacke auflockerst.
  • Die Pflanzen sollten mindestens einen halben Meter auseinander stehen, da Spitzkraut große Umblätter hat.

Gelber Wirsing

Wirsing stammt aus dem Mittelmeerraum und zählt zum traditionellen Wintergemüse. Die Kohlart fällt durch ihre welligen Blätter auf, schmeckt würzig und zeichnet sich durch ihr mildes Aroma aus. Angebaut wird sie in drei Varianten – als spitzer, grüner und gelber Wirsing. Die Kohlart ist vielseitig einsetzbar, kann zum Beispiel als Gemüsebeilage, für Eintöpfe und Aufläufe oder Kohlrouladen verwendet werden.

Was macht die Gemüsesorte so gesund?

  • In Wirsing stecken sehr viele Nährstoffe, etwa Vitamin C, Calcium und Eisen. Wenn du 100 Gramm rohen Wirsing isst, deckst du deinen täglichen Bedarf an Vitamin C.
  • Wirsing macht schnell satt, hat aber pro 100 Gramm nur etwa 25 Kalorien. Dünn in Streifen geschnitten eignet sich die Kohlsorte als gesunder Snack. Auch Wirsingchips schmecken sehr lecker.
  • Wenn du regelmäßig Wirsing isst, kann das dein Risiko für Krebserkrankungen und Herzinfarkte senken.

Anbautipps

  • Um Wirsing anzubauen, braucht es ein kleines Beet und einen leicht lehmigen Boden. Ideal ist ein sonniger Standort oder Halbschatten.
  • Wirsing gedeiht zwischen April und November auf einem gut gedüngten Beet besonders gut. Frost kann dem Gemüse schaden.
  • Nach der Ernte muss sich der Boden regenerieren. Am gleichen Standort solltest du erst zwei bis drei Jahre später erneut Wirsing anbauen.

Blauhilde

Diese Stangenbohne wurde vor 7000 Jahren in Mexiko angebaut und hat eine dickfleischige runde Hülse. „Die Blauhilde zeichnet sich durch einen kräftigen, feinen Geschmack aus“, erläutert Sauer. In rohem Zustand fällt die Gemüsesorte durch ihre dunkelvioletten Hülsen auf. Beim Kochen verfärbt sie sich, nimmt einen grünlichen Ton an. Die Blauhilde eignet sich als Gemüsebeilage für Fleischgerichte, kann aber auch Grundlage für verschiedene Salate sein. Suppen und Eintöpfen verleiht die Sorte einen markanten Geschmack.

Was macht die Gemüsesorte so gesund?

  • Wie alle Bohnen hat die Blauhilde einen hohen Proteingehalt und dient Vegetariern als Fleischersatz.
  • Neben vielen Vitaminen stecken in der Blauhilde wichtige Ballaststoffe, die deine Verdauung positiv beeinflussen.
  • Die Gemüsesorte ist sehr sättigend und kann sogar Darmkrebs vorbeugen.

Anbautipps

  • Die Blauhilde kannst du ab Mai im Garten oder auf dem Balkon anbauen. Erntereif ist sie nach drei bis fünf Monaten.
  • Um gut wachsen zu können, braucht die Blauhilde einen mittelschweren Boden, der nicht sandig, aber auch nicht tonig ist. Zudem ist ein sonniger, windgeschützter Standort wichtig.
  • Da Stangenbohnen bis zu drei Meter hoch werden können, benötigst du ein stabiles Rankgerüst.
  • Besonders während der Blütezeit braucht dieses alte Gemüse viel Wasser an den Wurzeln. Der Boden sollte daher stets feucht sein.

Roter Neckarruhm

Diese Gemüsesorte zählt zu den Rettichen, von denen es unterschiedliche Typen gibt: Kleine wie das Radieschen, große wie der Bier-Rettich. Der Rote Neckarruhm zählt zu den kleinen Rettichen, hat die Form einer spitzen Möhre und eine markante, leuchtendrote Haut. Als Sommerrettich schmeckt er fein-würzig, nicht so scharf und bitter wie Rettiche, die im Winter angebaut werden. Die Gemüsesorte eignet sich als kalte Beilage für ein Abendessen oder als Knabberei für unterwegs.

Was macht die Gemüsesorte so gesund?

  • Rettiche haben kaum Kalorien, enthalten aber viele wichtige Nähstoffe wie Vitamin C. 200 Gramm Rettich deckt mehr als die Hälfte deines täglichen Bedarfs.
  • Rettich wirkt sich positiv auf Leber, Galle und Verdauung aus. Dafür sorgen die enthaltenen Senföle, die den Rettich zu einer antibakteriellen Gemüsesorte machen.
  • Rettich wirkt antibiotisch und hilft dadurch zum Beispiel bei Erkältungen. Zudem stärkt er das Herz-Kreislauf-System.

Anbautipps

  • Roten Neckarruhm kannst du ab Ende März bis Mitte August aussäen. Er wächst schnell und kann bereits sechs bis acht Wochen später geerntet werden.
  • Im Frühjahr ist ein sonniger, im Sommer ein halbschattiger Standort sinnvoll. Optimal ist ein durchlässiger, nährstoffreicher Boden.
  • Achte darauf, dass der Boden stets leicht feucht ist. Bei schwankender Bodenfeuchtigkeit können Rettiche pelzig werden oder platzen.

Eichstetter Feldsalat

Bis ins 19. Jahrhundert galt Feldsalat als Unkraut, denn er wuchs zwischen dem Wintergetreide und musste mühsam entfernt werden. Heute schätzt man ihn für seinen intensiven, würzigen Geschmack. „Der Eichstetter Feldsalat schmeckt etwas weniger kräftig, milder und leicht nussig“, sagt Sauer. Angebaut wird er in Eichstetten am Kaiserstuhl, etwa 20 Kilometer nordwestlich von Freiburg. Die Blätter sind hellgrün und haben eine längliche Form. Feldsalat passt gut in gemischte Salate oder als leichte Beilage zu Fleisch oder Fisch.

Was macht die Gemüsesorte so gesund?

  • In keinem anderen Salatgemüse steckt so viel Vitamin C wie in Feldsalat. Außerdem ist er leicht, enthält pro 100 Gramm nur etwa 20 Kalorien.
  • Die Gemüsesorte beinhaltet viel Provitamin A, das dein Sehvermögen positiv beeinflusst und deiner Haut guttut.
  • Feldsalat stärkt zudem die Nerven, denn in dem alten Gemüse stecken ätherische Baldrian-Öle, die beruhigend wirken.

Anbautipps

  • Feldsalat braucht nicht viele Nährstoffe, lässt sich daher leicht anpflanzen. Sinnvoll ist ein unkrautfreier, kalkhaltiger Boden.
  • Die Haupterntezeit ist zwischen Oktober und Dezember, etwa acht Wochen nach der Aussaat. Feldsalat gedeiht aber auch im Winter, da er Minustemperaturen verträgt.
  • Im Sommer reift Feldsalat nur schleppend. Denn die Keimung gerät bei über 20 Grad ins Stocken.

Hier kannst du Saatgut kaufen

Bio-Gärtnerei Witt

Alfred-Walz-Straße 6

79312 Emmendingen

www.gaertnerei-witt.de

Stiftung Kaiserstühler Garten

Hauptstraße 43

79356 Eichstetten am Kaiserstuhl

www.kaiserstuehler-garten.de

 

Saatgut-Garten Wolfegg

Mesnergässle 22

88364 Wolfegg

lang.wolfegg(at)freenet(.)de

Altes Gemüse: Welche Sorten magst du?

Kennst du andere alte Gemüsesorten, die toll schmecken und sich leicht anbauen lassen? Dann verrate der Community deinen Tipp.

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veröffentlicht am 18.12.2019 aktualisiert am 20.01.2020
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