Beschäftigte langfristig gesund erhalten
Der diesjährige Fehlzeiten-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) stellt die mentale Gesundheit von Beschäftigten in den Mittelpunkt. Der Aufsichtsrat des AOK-Bundesverbandes betont das Zusammenwirken guter Arbeitsbedingungen und psychischer Gesundheit.
Im Jahr 2025 ist der Krankenstand Der Krankenstand beziffert die Zahl der arbeitsunfähig geschriebenen Kranken bezogen auf 100… bei AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -versicherten Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen. Das zeigen Analysen des aktuellen Fehlzeiten-Reports des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… ), der Anfang Oktober erschienen ist. Insgesamt lag die durchschnittliche Ausfallzeit durch Arbeitsunfähigkeit liegt nach der Definition des Gemeinsamen Bundesausschusses dann vor, wenn der Versicherte aufgrund… bei 23,3 Tagen pro Jahr – 2023 und 2024 lag dieser Wert noch bei 23,9 Tagen. Auch für dieses Jahr rechnet das WIdO anhand der bisher vorliegenden Daten mit einem weiter sinkenden Krankenstand.
Ausgaben für Krankengeld steigen
Trotzdem steigen die Belastungen der Krankenkassen Die 93 Krankenkassen (Stand: 01.01.26) in der gesetzlichen Krankenversicherung verteilen sich auf… durch Krankengeld Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung erhalten Krankengeld als Entgeltersatz. Es soll den… seit Jahren kontinuierlich an. Grund hierfür sind immer längere Ausfallzeiten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – vor allem durch psychische Erkrankungen. Ob Depressionen, Angststörungen oder Burn-Out – zwischen 2021 und 2025 ist die Zahl der Krankengeldfälle in diesem Bereich um knapp 25 Prozent gestiegen, während sie bei somatischen Erkrankungen wie beispielsweise Rückenbeschwerden oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen insgesamt rückläufig waren. Insbesondere Diagnosen im Zusammenhang mit einem Burn-Out nehmen seit Jahren immer weiter zu. Die Zahlen des Fehlzeitenreports zeigen dabei, dass Berufe in den Bereichen Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… und Erziehung überdurchschnittlich stark betroffen sind.
Aus steigenden Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen lässt sich jedoch nicht unmittelbar schließen, dass auch die Zahl der Betroffenen in der Bevölkerung im gleichem Umfang gewachsen ist. Dabei spielt die Arbeit selbst eine wichtige Rolle für die psychische Gesundheit: Während belastende Arbeitsbedingungen das Risiko für Erkrankungen erhöhen können, wirkt sich ein gutes Arbeitsumfeld positiv auf das psychische Wohlbefinden aus. Denn Arbeit kann Halt und Orientierung geben, soziale Kontakte fördern und das Gefühl stärken, selbst etwas bewirken zu können.
„Zu viel Druck am Arbeitsplatz ist einer von vielen möglichen Gründen, warum Menschen sich psychisch belastet fühlen. Arbeitszeitverdichtungen mit immer mehr Aufgaben in immer kürzerer Zeit oder die ständige Erreichbarkeit per Handy auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten können irgendwann in völliger Erschöpfung und einer Krankschreibung münden“, sagt Lutz Schäffer, Versichertenvertreter im Verwaltungsrat der AOK NordWest und alternierender Aufsichtsratsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes.
„Psychische Erkrankungen sind in der Regel multifaktoriell – es gibt also im privaten genauso wie im beruflichen Umfeld viele Gründe dafür.“
alternierende Aufsichtsratsvorsitzende im AOK-Bundesverband
Gut gestaltete Arbeit als Ressource zum Erhalt psychischer Gesundheit
Als Vertreter der Arbeitnehmerseite hört Schäffer immer wieder, dass in Unternehmen Stellen nicht nachbesetzt werden, wenn ein Kollege oder eine Kollegin in Ruhestand gegangen ist. „Auch wenn die Unternehmen meinen, mit solchen Sparmaßnahmen auf die wirtschaftlich angespannte Situation reagieren zu müssen, kann ich davon nur abraten. Das geht zu Lasten der übrigen Beschäftigten und kommt über eine höhere Ausfallquote als Boomerang zurück“, so Schäffer.
Wer seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Fachkräfte möglichst lange und möglichst gesund im Betrieb halten möchte, sollte stattdessen auf gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen mit bewältigbaren Anforderungen, genügend Handlungsspielraum und einem Klima der Anerkennung sowie auf ein unterstützendes Team setzen. „Gut gestaltete Arbeit kann eine wichtige Ressource zum Erhalt der psychischen Gesundheit sein“, ist sich Schäffer sicher.
Prävention stärken, Rückkehr in den Beruf erleichtern
Susanne Wagenmann betont eine andere, wesentliche Stellschraube . Sie vertritt als alternierende Aufsichtsratsvorsitzende im AOK-Bundesverband sowie im Verwaltungsrat der AOK-Nordost die Arbeitgeberseite. „Psychische Erkrankungen sind in der Regel multifaktoriell – es gibt also im privaten genauso wie im beruflichen Umfeld viele Gründe dafür“, sagt die Selbstverwalterin. „Arbeit spielt hierbei sicherlich auch eine wichtige Rolle. Ist diese gut gestaltet, ist sie eine wichtige Ressource für psychische Gesundheit, da sie Stabilität, Orientierung sowie soziale Teilhabe bietet“, so Wagenmann weiter. Die Gefährdungsbeurteilung zur psychischen Belastung ist hierbei ein wichtiges Instrument und wird bereits von vielen Unternehmen zuverlässig eingesetzt, so die Ergebnisse der aktuellen Befragung der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA).
Jedoch: Um vorbeugend mehr zu erreichen, seien aber auch die Krankenkassen in der Pflicht, entsprechende Angebote zur Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… z. B. zur Stärkung der Resilienz sowie Gesundheitskompetenz zu machen. Auch wenn bereits eine Diagnose vorliegt, können gezielte Angebote der AOK an die Betroffenen helfen. „Der AOK-Onlinecoach Depression ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass man mit niedrigschwelligen Onlineangeboten den Betroffenen sehr gut und frühzeitig helfen kann“, so Wagenmann.
Besonders dort, wo Beschäftigte nach einer längeren psychischen Erkrankung wieder an den Arbeitsplatz zurückkehrten, sieht Wagenmann noch Unterstützungsbedarf: Für die erfolgreiche Reintegration ins Berufsleben würden andere Maßnahmen benötigt, als sie im klassischen Wiedereingliederungsmanagement üblich seien. „Gerade für kleinere Unternehmen ist es eine große Herausforderung, die individuell passenden Hilfen in einer schwer überschaubaren Angebotslandschaft zu finden. Hier benötigen die Unternehmen vor allem Orientierung, verlässliche Ansprechpartner und eine praxistaugliche Unterstützung durch die Sozialversicherungsträger“, so Wagenmann weiter. Hilfen sollten deshalb besser gebündelt, vernetzt und für Betriebe leichter zugänglich gemacht werden, fordert die Vertreterin der Arbeitgeber im AOK-Aufsichtsrat.