Pflegende Eltern brauchen mehr Entlastung

Wenn Pflege mitten im Familienleben stattfindet, entstehen besondere Belastungen. Eltern von chronisch kranken, behinderten oder pflegebedürftigen Kindern brauchen deshalb verlässliche Entlastung und niedrigschwellige Unterstützungsangebote.

Wer ein chronisch krankes Kind pflegt, ist auf passende Unterstüzungsangebote angewiesen.

Für Eltern von chronisch kranken, behinderten oder pflegebedürftigen Kindern gehört Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… oft über Jahre hinweg zum Alltag. Sie versorgen ihr Kind, organisieren Therapien, Arzttermine, Hilfsmittel Verordnungsfähige Hilfsmittel im Sinne der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind Seh- und… und Unterstützung – und versuchen gleichzeitig, Geschwisterkindern, ihrem Beruf und der eigenen Gesundheit gerecht zu werden.

Angehörige in Pflegeverantwortung stark belastet

Wie stark häusliche Pflege Als "häusliche Pflege" wird die Versorgung pflegebedürftiger Menschen in ihrer häuslichen Umgebung,… den Alltag prägt, macht der aktuelle WIdO-Monitor deutlich. Für die Erhebung wurden rund 1.500 pflegende Angehörige befragt. Mehr als jede zehnte Person pflegt nach eigenen Angaben mindestens 40 Stunden pro Woche, jede fünfte mindestens 30 Stunden. 

Der WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… -Monitor zeigt zudem, dass Angehörigenpflege weiterhin stark geschlechtsspezifisch geprägt ist. Unter den befragten pflegenden Angehörigen sind 60,4 Prozent Frauen. Pflege wirkt sich auch auf die Erwerbsarbeit aus. 45,2 Prozent der teilzeitbeschäftigten pflegenden Angehörigen gaben an, ihre ursprüngliche Arbeitszeit wegen der Pflege reduziert zu haben. 

Die Belastung ist hoch: Fast die Hälfte der pflegenden Angehörigen, die in Voll- oder Teilzeit erwerbstätig sind, fühlt sich körperlich und psychisch stark belastet. Bei den nicht erwerbstätigen Pflegenden liegt dieser Anteil mit 38,3 Prozent ebenfalls auf einem hohen Niveau.

Pflegende Eltern besonders betroffen

Auch wenn häusliche Pflege häufig ältere Angehörige betrifft, zeigt der WIdO-Monitor: Pflegebedürftigkeit Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) vom 27. November 2015 wurde der Begriff der… ist keine Frage des Alters allein. 8,7 Prozent der Pflegebedürftigen sind zwischen null und 19 Jahre alt. 

Bereits im Jahr 2022 legte die AOK-Familienstudie dar, dass Eltern von Kindern mit einer chronischen Erkrankung oder Behinderung Nach der sozialrechtlichen Definition liegt eine Behinderung vor, wenn die körperlichen Funktionen,… häufiger einen etwas schlechteren Gesundheitszustand haben als solche mit Kindern ohne Einschränkungen. Zudem leiden sie häufiger unter elterlichen Belastungsfaktoren partnerschaftlicher, körperlicher oder psychischer Art. Auch die von der AOK unterstützte Kindernetzwerk-Studie „Familie im Fokus: Die Lebens- und Versorgungssituation von Familien mit chronisch kranken und behinderten Kindern in Deutschland“ wies schon 2014 darauf hin, dass betroffene Eltern in besonderer Weise belastet sind.

Gerade deshalb brauchen pflegende Eltern Angebote, die frühzeitig ansetzen und leicht erreichbar sind. Es geht um verständliche Informationen, Orientierung im Leistungs- und Hilfesystem und um Unterstützung, die zur Lebenswirklichkeit der Familien passt.

Selbsthilfe und Entlastung zusammendenken

Selbsthilfe kann pflegenden Eltern Austausch, Orientierung und Ermutigung geben. Das hat auch der Gesetzgeber aufgegriffen und mit dem Anfang 2026 in Kraft getretenen Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege, kurz BEEP, die Pflegeselbsthilfe gestärkt: Die Förderbeträge wurden erhöht und das Förderverfahren vereinfacht.

Neben der Selbsthilfe benötigen pflegende Eltern zusätzlich Entlastung im Alltag und regionale Angebote, die ihre besondere Situation aufgreifen. Hier setzt die AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Initiative „Pflege vor Ort“ an: Sie zeigt, wie Pflegende regional und bedarfsgerecht entlastet werden können. Ein Beispiel ist die Kinderhospizarbeit von nestwärme in Trier, die von der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland unterstützt wird. Das Angebot richtet sich an Familien mit schwerkranken Kindern und nimmt die ganze Familie in den Blick – das erkrankte Kind, Eltern, Geschwister und weitere Angehörige. Es verbindet pflegerische Unterstützung, psychosoziale und sozialrechtliche Beratung sowie Entlastungsangebote.

Auch das Projekt N.E.S.T. des AOK-unterstützten Kindernetzwerks setzt an dieser Stelle an. FamilienGesundheitsPartner begleiten Familien mit pflegebedürftigen Kindern, ermitteln ihre individuellen Bedarfe und unterstützen sie bei medizinischen, pflegerischen, therapeutischen, sozialrechtlichen und psychosozialen Fragen. Ziel ist es, die Versorgung des Kindes zu verbessern, pflegende Angehörige zu entlasten und die Familie als eigenes Unterstützungs- und Selbsthilfesystem zu stärken.