Selbsthilfe schützt chronisch erkrankte Menschen vor Gewalt

Gewalt bleibt in Deutschland häufig im Verborgenen – das zeigt die neue Dunkelfeldstudie von Bundesfrauen- und Bundesinnenministerium in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt. Chronisch erkrankte Menschen können in besonderer Weise von Gewalt betroffen sein – etwa durch digitale Anfeindungen oder Abhängigkeiten in Pflege- und Betreuungssituationen.

Junge Frai im Rollstuhl, die auf einer sommerlichen Terrasse besorgt in ihre Smartphone blickt
Chronisch kranke und behinderte Menschen sind häufig mit Anfeindungen im Internet konfrontiert.

Die aktuelle Dunkelfeldstudie zu Gewalterfahrungen macht deutlich, dass diese in Deutschland häufig nicht zur Anzeige gebracht werden. So liegt die Anzeigequote bei den meisten Gewaltformen unter 10 Prozent, bei körperlicher und psychischer Gewalt in (Ex)-Beziehungen sogar bei unter 5 Prozent. Besonders betroffen sind der Untersuchung zufolge Frauen, junge Menschen, Personen mit Migrationshintergrund und Menschen aus der queeren Community.

Jedoch können auch chronisch erkrankte Menschen leicht Opfer von Gewalt werden, beispielsweise wenn sie sich prominent online zu ihrer Erkrankung äußern oder sich in abhängigen Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… - beziehungsweise Betreuungssituationen befinden.

Schutz vor Hass im Netz

Der Dunkelfeldbefragung zufolge war jede fünfte Frau und jeder siebte Mann in den letzten fünf Jahren mit digitaler Gewalt konfrontiert. Gewalt in den sozialen Medien finde „vor aller Augen“ statt, sagte dazu Dr. Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes und forderte eine „funktionierende Infrastruktur für Gewaltschutz“.

Auch die AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Selbsthilfe-Fachtagung 2026 zeigte, dass Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen im Netz besonders häufig Ziel von Hass werden. Die Studie „Lauter Hass – leiser Rückzug“ des Kompetenznetzwerks gegen Hass im Netz der Hilfsorganisation HateAid, für die Internetnutzende befragt wurden, belegt das Ausmaß der Anfeindungen: 15 Prozent waren bereits selbst betroffen und 45 Prozent haben Angriffe gegen andere beobachtet.

Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, warnte auf der Veranstaltung vor den erheblichen psychischen Folgen digitaler Angriffe und betonte, dass digitale Inklusion nicht „mundtot gemacht werden“ dürfe. Der Inklusions-Aktivist Raúl Krauthausen machte deutlich, das Internet einfach auszumachen sei „nicht ernsthaft die Lösung“ – es brauche klare Regeln und deren Durchsetzung.

Deutlich wurde zudem: Selbsthilfe muss sich klar positionieren. Peggy Heinz, stellvertretende Geschäftsführerin der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (NAKOS) betonte, Selbsthilfe stehe für „gelebte Demokratie, Vielfalt und gegenseitige Unterstützung“. Gleichzeitig berichteten Kontaktstellen in einer Umfrage von Abwertungen und Beleidigungen in den Selbsthilfegruppen Viele Kranke und ihre Angehörigen engagieren sich in Selbsthilfegruppen, um Unterstützung bei der… . Außerdem war etwa jede fünfte Gruppe mit der Situation konfrontiert, dass in ihrem Umfeld neue Gruppen entstehen sollten, deren Positionen den Grundwerten der Selbsthilfe klar widersprachen.

NAKOS reagierte mit konkreten Handlungsempfehlungen. Auch die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen stellte in einem Positionspapier klar, dass menschenfeindliche und antidemokratische Haltungen in der Selbsthilfe keinen Platz haben.

Gewalt in der Pflege vorbeugen

Gewalt gegen chronisch kranke und pflegebedürftige Menschen ist auch im Pflegealltag häufig ein Tabuthema. Dabei sind sowohl Pflegebedürftige – etwa in abhängigen Betreuungs- und Pflegesituationen – als auch Pflegende selbst von Aggression und Gewalt betroffen. Viele Betroffene sprechen aus Scham oder Angst nicht über ihre Erfahrungen, weshalb niedrigschwellige Unterstützungsangebote besonders wichtig sind.

Mit der Initiative „Gewaltfrei Pflegen“ setzt die AOK gemeinsam mit Partnern auf Aufklärung, Sensibilisierung und Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… . Informationsangebote, Schulungen und Qualifizierungen – etwa Deeskalationstrainings, die von der Berufsgenossenschaft Primäre Aufgabe der Unfallversicherung ist die Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und… für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege gefördert werden – sollen helfen, kritische Situationen frühzeitig zu erkennen und Gewalt vorzubeugen. Ergänzend bieten Onlineportale wie das des Zentrums für Qualität ist ein zentrales Versorgungsziel der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Im Rahmen der… in der Pflege praxisnahe Hinweise zum Umgang mit Aggression, während Programme wie der „Familiencoach Pflege“ insbesondere in belastenden Betreuungssituationen, etwa bei Demenz, unterstützen. Ziel ist es, eine Kultur des Hinschauens zu stärken und Betroffene zu ermutigen, über Gewalterfahrungen zu sprechen, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln.