Dem Pflegebedarf aktiv begegnen
Das Projekt BeStärken+ der AOK Bayern unterstützt pflegebedürftige Menschen dabei, mit einfachen Maßnahmen möglichst lange mobil zu bleiben. Zentral ist dabei ein eigens entwickelter Aktivitätenkoffer für mehr Bewegung und soziale Teilhabe im Alltag. Die Übungen sind leicht verständlich und einfach umsetzbar.
Pflegebedürftige Menschen möglichst lange in ihrer Selbstständigkeit zu unterstützen – das ist eine der großen Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. Denn die Zahl der pflegebedürftigen Menschen liegt schon jetzt bei knapp sechs Millionen – gut 80 Prozent von ihnen werden zu Hause gepflegt. Mit dem Projekt „BeStärken+: Bewegen und Stärken – Gesundheitsförderung ist ein fortlaufender Prozess mit dem Ziel, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über… in der Alltagsbegleitung“ verfolgt die AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Bayern deshalb einen innovativen Ansatz.
Ziel ist es, pflegebedürftige Menschen zu Hause durch alltagsnahe körperliche und geistige Aktivitäten zu stärken und so auch Angehörige sowie Alltagsbegleitung zu unterstützen. „Gesundheitsförderung soll sich direkt im Alltag pflegebedürftiger Menschen abspielen und das niedrigschwellig, praxisnah und leicht umsetzbar“, erklärt Dr. Ana Babac von der AOK Bayern. Entwickelt wurde das Projekt von der AOK Bayern gemeinsam mit dem Institut für Gesundheit und Generationen (IGG) der Hochschule Kempten, sowie der Fachstelle für Demenz und Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… Schwaben.
Träger:
AOK Bayern, Institut für Gesundheit und Generationen (IGG) der Hochschule Kempten sowie der Fachstelle für Demenz und Pflege Schwaben.
Zielgruppe:
Das Projekt will pflegebedürftige Menschen stärken sowie pflegende Angehörige entlasten als auch Alltagsbegleitung befähigen.
Ansatz:
Kern des Ansatzes ist die Entwicklung eines Aktivitätenkoffers für die Alltagsbegleitung: In diesem finden sich Informationen für leicht umsetzbare körperliche und geistige Aktivitäten. Das Konzept soll insbesondere Laien und Alltagsbegleiterinnen und Alltagsbegleiter dazu befähigen, pflegebedürftige Menschen im Alltag gezielt zu unterstützen.
Umsetzung:
Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem IGG der Hochschule Kempten umgesetzt. Hierbei wurden gezielt Träger der Alltagsbegleitung, Fachstellen und das Landesamt für Pflege in Bayern als Kommunikationskanäle angesprochen.
Mehrwert:
Pflegebedürftige werden in ihrer Selbstständigkeit, Mobilität und sozialen Teilhabe zu Hause unterstützt. Hierdurch kann die Pflegegradprogression verlangsamt werden. Die häusliche Pflege wird gestärkt sowie Angehörige entlastet. Ein durch den Medizinischen Dienst erhobener aktueller Versorgungsbedarf wird bedient. Das Modell ist modular, digital und regional übertragbar. Es ist im Oktober 2023 gestartet und läuft noch bis März 2027.
Aktivitätenkoffer als zentrales Element
Herzstück des Projekts ist ein speziell entwickelter Aktivitätenkoffer. Dieser gibt Alltagsbegleiterinnen und Alltagsbegleitern konkrete Materialien und Übungen an die Hand. Er enthält praxistaugliche Anleitungen für körperliche und geistige Aktivierungen, die Alltagsbegleiterinnen und -begleiter direkt im häuslichen Umfeld einsetzen können. Also etwa Puzzle oder Steckspiele, aber auch Anleitungen für Mobilitätsübungen wie Aufsteh- und Hinsetztrainings oder Standübungen.
Der Koffer wurde bewusst so konzipiert, dass die Übungen leicht verständlich, flexibel einzusetzen und ohne großen Aufwand umzusetzen sind. So gewinnen auch Menschen ohne pflegerische Ausbildung mehr Sicherheit im Umgang mit Pflegebedürftigen und lernen, sie bedarfsgerecht zu unterstützen. Gleichzeitig profitieren pflegebedürftige Menschen von abwechslungsreichen und individuell angepassten Aktivitäten.
Angebot schließt Versorgungslücken
Dass ein solcher Ansatz gebraucht wird, zeigt sich in der Praxis immer wieder: In den Gutachten des Medizinischen Dienstes werden bei mehr als 60 Prozent der Pflegebedürftigen Maßnahmen empfohlen, die ihre Selbstständigkeit erhalten, vorhandene Fähigkeiten stärken oder einem weiteren Funktionsverlust vorbeugen sollen. Doch vielerorts fehlt es an passenden Angeboten, um diese Empfehlungen im Alltag tatsächlich umzusetzen. Diese Versorgungslücken will BeStärken+ schließen.
Der Nutzen der einfachen und individuell anpassbaren Übungen liegt auf der Hand: „Bereits kleine Bewegungs- oder Gedächtnisübungen können dazu beitragen, Mobilität, Selbstvertrauen und Wohlbefinden zu erhalten“, unterstreicht Babac. Im besten Fall lasse sich dadurch sogar die Pflegegradprogression abbremsen.
Ein besonderer Vorteil des Projekts liege in seiner Alltagstauglichkeit. Der Aktivitätenkoffer solle daher nicht nur während der Projektlaufzeit genutzt werden, sondern langfristig zur Verfügung stehen und dauerhaft zum Einsatz kommen. „Damit entsteht ein nachhaltiges Instrument für die Gesundheitsförderung in der häuslichen Pflege“, so Babac.
Wissenschaftlich begleitet und praxisnah umgesetzt
Die Umsetzung des Projekts erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Gesundheit und Generationen der Hochschule Kempten. Zusätzlich wurden gezielt Träger der Alltagsbegleitung, Fachstellen sowie das Landesamt für Pflege in Bayern eingebunden. Dieser enge Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis bildete die Grundlage für ein gutes Gelingen.
Im Rahmen der Studie wurden bislang 82 Alltagsbegleiterinnen und -begleiter qualifiziert. „Erste Ergebnisse zeigen eine hohe Akzeptanz und Umsetzungsbereitschaft. Die Qualität ist ein zentrales Versorgungsziel der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Im Rahmen der… und Lernbereitschaft der Teilnehmenden wurde mit durchschnittlich 4,6 von 5 Punkten bewertet“, bilanziert Ana Babac. Auch Transfermotivation und -möglichkeit hätten hohe Werte erreicht sowie eine überdurchschnittliche Bewertung bei der Anwendungsmöglichkeit.
Die Rückmeldungen verdeutlichten, dass die Teilnehmenden den Aktivitätenkoffer als hilfreiches und praxisnahes Instrument erleben. Besonders positiv bewertet wurden demnach die individuelle Herangehensweise sowie die Möglichkeit, Aktivitäten flexibel an die jeweilige Lebenssituation anzupassen.
Erfolg durch frühe Einbindung relevanter Zielgruppen
Zum Erfolg des Projekts haben laut AOK Bayern mehrere Faktoren beigetragen: Entscheidend sei insbesondere die frühe Einbindung der relevanten Zielgruppen gewesen. Dadurch konnten die Inhalte eng an den tatsächlichen Bedürfnissen der Praxis entwickelt werden. Auch der konkrete, haptische Ansatz des Aktivitätenkoffers habe die Anwendung im Alltag erleichtert.
Darüber hinaus spielte das Thema Nachhaltigkeit von Beginn an eine wichtige Rolle. Gemeinsam mit Transferpartnern wurde frühzeitig darüber nachgedacht, wie das Projekt langfristig verstetigt und über die Modellphase hinaus nutzbar gemacht werden kann.
Übertragbar auf andere Regionen
Die Erfahrungen aus BeStärken+ zeigen außerdem, dass sich der Ansatz gut auf andere Regionen und Zielgruppen übertragen lässt. So kann das Konzept breite Anwendung finden. Das Projekt verbindet laut Initiatoren evidenzbasierte Gesundheitsförderung mit hoher Alltagstauglichkeit und setzt auf eine Berufsgruppe, die bundesweit zunehmend an Bedeutung gewinnt: die Alltagsbegleitung.
Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in der Pflege bietet das Konzept interessante Perspektiven. Mit einer klaren Aufgabenverteilung und der Einbindung bestehender Unterstützungsstrukturen ergänzt BeStärken+ die pflegerische Versorgung sinnvoll. So kann Gesundheitsförderung auch bei bereits bestehender Pflegebedürftigkeit Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) vom 27. November 2015 wurde der Begriff der… erfolgreich umgesetzt werden.