Pressemitteilung

Mehr Vorsorge, weniger Karies bei Schulanfängern in Berlin

17.08.2026 AOK Nordost 6 Min. Lesedauer

AOK Nordost weist zum Schulanfang auch auf Mängel bei der Zahnpflege von Kindern hin

In Berlin gibt es noch Luft nach oben bei der Inanspruchnahme der zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern unter sechs Jahren. Die Kinderzähne sind zwar insgesamt gesünder als noch vor zehn Jahren, wie eine Auswertung der AOK Nordost zeigt. Dennoch nehmen zu wenige der Mädchen und Jungen die empfohlenen zahnärztlichen Untersuchungen wahr. Die Anzahl der Kinderkronen steigt.

Weniger als die Hälfte (46 Prozent) der bei der AOK Nordost versicherten Kinder aus Berlin war im Jahr 2025 bis zum sechsten Geburtstag mindestens einmal in einer Zahnarztpraxis. 2015 waren es sogar nur gut ein Drittel der Kinder (35 Prozent), im Jahr 2024 dann 44 Prozent. Die Zahlen zeigen, dass Familien die zahnärztliche Vorsorge zunehmend nutzen.  Positiv entwickelt hat sich insbesondere die Teilnahmequote bei den Kleinsten im Alter von 0 bis 2. Das geht darauf zurück, dass im Jahr 2019 neue Früherkennungsuntersuchungen für Säuglinge ab dem 6. Lebensmonat eingeführt wurden.

Von den Kindern, die beim Zahnarzt waren, erhielten 81 Prozent die empfohlenen Früherkennungsleistungen. Gegenüber 2015 entspricht das einer Steigerung um 30 Prozentpunkte. Im Vergleich zum Vorjahr bleibt das hohe Niveau unverändert. Mit der stärkeren Verankerung der zahnärztlichen Vorsorge im Kinderuntersuchungsheft könnte sich dieser Wert künftig weiter verbessern. Seit 2026 wird zudem im Rahmen der kinderärztlichen U-Untersuchungen die Kariesvorsorge dokumentiert. „Der Kinderarzt sieht dadurch, ob die von ihm behandelten Kinder bereits eine Kariesvorsorge erhalten haben – oder eben noch nicht. Diese Neuerung kann dazu beitragen, die Bedeutung der zahnärztlichen Vorsorge noch stärker ins Bewusstsein zu rücken, Eltern gezielt zu informieren und die Inanspruchnahme der Präventionsangebote weiter zu verbessern“, sagt Katja Kühler, Beratungszahnärztin bei der AOK Nordost. 

Im Durchschnitt mehr Füllungen pro Kind

Von den Kindern mit Zahnarztbesuch wiesen vergangenes Jahr 27 Prozent ein behandlungsbedürftiges Gebiss auf. Das sind neun Prozentpunkte weniger als 2015, aber ebenso viele wie 2024. 

Auch bei der Versorgung mit Füllungen sind Veränderungen erkennbar. Kinder, die behandelt werden mussten, erhielten im Durchschnitt 4,3 Füllungen. 2015 lag dieser Wert bei 3,7 Füllungen.

„Um den Trend zu mehr Füllungen umzukehren, müssten mehr Kinder an einer Früherkennung teilnehmen“, sagt Katja Kühler, Beratungszahnärztin bei der AOK Nordost. "Wir sehen, dass bei Kindern, die mit Karies zum Zahnarzt kommen, meist mehr als ein Zahn betroffen ist." 

Wenige Kinder benötigen besonders intensive Behandlungen

Weiterhin gibt es in Berlin eine kleine Gruppe von Kindern mit besonders hohem Behandlungsbedarf. Dies zeigt sich unter anderem an der Zahl der Kinderkronen: Im Jahr 2025 bekamen rund 1.500 bei der AOK versicherte Berliner Kinder eine Krone.  Positiv zu verzeichnen ist, dass diese Zahl langfristig sinkt. 2015 erhielten noch rund 2.000 Kinder eine Krone. Allerdings ist gegenüber dem Vorjahr (1.400 Kinder) ein leichter Anstieg zu verzeichnen. 

Auch aufwendige Behandlungen unter Narkose betreffen vor allem Kinder mit stark geschädigten Zähnen. Rund ein Drittel der Kinder mit behandlungsbedürftigem Gebiss wurden 2025 unter Narkose behandelt. Gegenüber 2015 entspricht dies einem Anstieg um elf Prozentpunkte. Gerade für diese Kinder sind eine frühzeitige Vorsorge, regelmäßige Kontrolluntersuchungen und konsequente Präventionsmaßnahmen besonders wichtig, um umfangreiche Behandlungen möglichst zu vermeiden. 

Prävention weiter stärken

Die Ergebnisse zeigen insgesamt, dass sich Investitionen in Prävention auszahlen. Frühzeitige Zahnarztbesuche und regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen tragen dazu bei, Karies zu vermeiden und aufwendige Behandlungen zu verhindern. Gleichzeitig bleibt es wichtig, Familien zu erreichen, deren Kinder bislang nicht oder erst spät zahnärztlich versorgt werden, damit alle Kinder die gleichen Chancen auf gesunde Zähne haben. 

Zahngesundheit ist bereits ab dem ersten Zahn wichtig, dazu gehört gesunde Ernährung, richtiges Putzen und regelmäßige Vorsorge. Wer diesen Dreiklang beherzigt, schützt sein Kind vor unnötigen Behandlungen und bereitet es darauf vor, sich auch später gut um seine Zähne zu kümmern. Es gibt viele Angebote, zum Beispiel auch die Gruppenprophylaxe in den Kitas. Wir werben dafür, dass Eltern sie auch nutzen", erläutert Katja Kühler.

Neuer Weg bei Gruppenprophylaxe in Berliner Kitas

Kinder haben seit der Erweiterung der gesetzlichen Früherkennung 2019 bis zum sechsten Geburtstag Anspruch auf bis zu sechs zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen. Ergänzt werden diese durch individuelle Fluoridierungsmaßnahmen sowie die zahnmedizinische Gruppenprophylaxe in Kindertageseinrichtungen. Gemäß Sozialgesetzbuch fördern Krankenkassen gemeinsam mit der Zahnärzteschaft und den zuständigen Landesstellen Maßnahmen zur Verhütung von Zahnerkrankungen – insbesondere in Kindertagesstätten und Schulen. 

Berlin erprobt derzeit, wie noch mehr Kinder mit der Gruppenprophylaxe erreicht werden können. Seit Ende 2025 gilt bei der Gruppenprophylaxe das sogenannte Widerspruchsverfahren: Kinder nehmen grundsätzlich teil, sofern die Eltern dem nicht ausdrücklich widersprechen. Bislang mussten Eltern vor der Gruppenprophylaxe um Zustimmung gebeten werden, ob ihr Kind teilnimmt. 

„Wenn sich der Berliner Weg bewährt und dadurch mehr Kinder von den Präventionsangeboten profitieren, könnte dieses Modell auch für andere Bundesländer interessant sein“, sagt Katja Kühler. „So würden Eltern stärker in die Verantwortung eingebunden und gleichzeitig mehr Kinder frühzeitig erreicht.“ 

Ab dem 6. Geburtstag Anspruch auf individuelle Prophylaxe

Mit der Einschulung beginnt für Kinder ein neuer Abschnitt der zahnärztlichen Vorsorge. Ab dem sechsten Geburtstag können sie sogar zweimal im Jahr zahnärztliche Kontrolluntersuchungen im Rahmen der Individualprophylaxe wahrnehmen. 

Dazu gehört auch die Fluoridierung der Zähne, eine altersgerechte Mundhygieneberatung sowie die Versiegelung der bleibenden Backenzähne. Diese Leistungen tragen dazu bei, Karies vorzubeugen und die Zahngesundheit langfristig zu erhalten. 

Die AOK Nordost unterstützt ihre Versicherten über das AOK-Gesundheitskonto darüber hinaus unter anderem mit einem Zuschuss von bis zu 50 Euro pro Jahr für eine professionelle Zahnreinigung. 

Hinweis für die Redaktion: Für die Analyse wertete die AOK Nordost die Abrechnungsdaten von 54.577 Kindern in Berlin im Alter von 0 bis 6 Jahren aus, die bei der AOK Nordost versichert sind. Die Anteile der Behandlungen, Kronen und Narkosen beziehen sich immer auf die Zahl der Kinder, die zahnärztlich untersucht wurden, nicht auf die Gesamtzahl der versicherten Kinder. In Berlin ist die AOK Nordost eine der größten Krankenkassen. Rund jede und jeder Fünfte ist dort versichert. 

Ihr Ansprechpartner und Pressekontakt

Pressesprecher

Dirk Becker

AOK Nordost