Hintergrund

Warum Kauen weit mehr ist als Nahrungsaufnahme

Der Biss in einen knackigen Apfel ist für die meisten Menschen selbstverständlich. Damit das bis ins hohe Alter auch so bleibt, gehört die regelmäßige und richtige Zahn- und Mundpflege zur täglichen Routine. Wird die Mundpflege hingegen vernachlässigt, können sich Keime in der Mundhöhle ausbreiten. Dies begünstigt die Entstehung von Karies, was wiederum zu Schmerzen führen  und das Kauen erschweren kann.  Beratungszahnärztin Katja Kühler von der AOK Nordost erklärt im Interview, warum eine gute Kau-Funktion in jedem Alter wichtig ist.

Frau Kühler, warum ist Kauen mehr als nur ein Zerkleinern von Nahrung?

Eine uneingeschränkte Kau-Funktion trägt wesentlich zur Zahn- und Mundgesundheit bei. Ist die Nahrung gründlich zerkleinert und mit Speichel vermischt, erleichtert das unserem Magen und unserem Darm die Arbeit. Durch das Kauen und den Speichel entsteht ein weicher Nahrungsbrei, auch Bolus genannt, der sicher durch die Speiseröhre transportiert werden kann. Ist die Kaufunktion jedoch eingeschränkt, kann dies nicht nur Schmerzen in der Mundhöhle verursachen, sondern auch die Nahrungsaufnahme und den Verdauungsprozess beeinträchtigen.

Wie beeinflusst die Fähigkeit, gut kauen zu können, meine körperliche und seelische Gesundheit? 

Ohne Schmerzen oder andere Beschwerden essen zu können, trägt wesentlich zum Wohlbefinden bei – und das in jedem Alter. Schon für ein neugeborenes Kind ist das Saugen die wichtigste Mundfunktion. Mit dem Durchbruch der ersten Milchzähne entwickelt sich daraus zunehmend die Fähigkeit, zu kauen. Der Vorgang unterstützt das Wachstum von Kiefer, Muskulatur und Sprache. Wenn Zähne fehlen, Karies oder Probleme mit dem Kiefergelenk auftreten, bemerkt man oft, dass das Kauen nur eingeschränkt möglich ist. 
Im höheren Alter erschwert eine verminderte Speichelproduktion das Kauen und Schlucken. Studien zeigen, dass eine intakte Kau-Funktion auch mit einer besseren Hirnleistung und einer höheren Lebensqualität zusammenhängt. Forschende stellen unter anderem eine verbesserte Hirndurchblutung und die Aktivierung von Hirnregionen, die für Gedächtnis und Stressregulation bedeutsam sind, fest. Ein direkter ursächlicher Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit ist jedoch bislang nicht abschließend belegt.

Was raten Menschen, um ihre Kau-Funktion und Mundgesundheit zu erhalten? 

Die Kau-Funktion verändert sich im Laufe des Lebens. Eine gute Zahn- und Mundgesundheit ist in jeder Lebensphase die Grundlage für gutes Kauen. Deshalb empfehle ich, immer gründlich zu kauen. Da darf man gerne auch mitzählen. So sollte bei zähem Fleisch oder bei Nüssen nach jedem Bissen mehr als 30-mal gekaut werden. Außerdem sollten die Zähne täglich morgens und abends gut gepflegt werden - auch in den Zahnzwischenräumen.  Hinzu kommen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt. Sie sind essenziell, damit Kau-Funktion und Mundgesundheit möglichst lange erhalten bleiben. 

17.08.2026AOK Nordost6 Min
Symbolbild: Ein Kind sitzt mit geöffnetem Mund auf dem Behandlungsstuhl in einer Zahnarztpraxis.
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