Pressemitteilung

In Berlin entfallen drei von vier Kinderkrankentagen auf Frauen

01.06.2026 AOK Nordost 3 Min. Lesedauer

Berliner Männer nehmen seltener Kinderkrankentage in Anspruch als im Bundesdurchschnitt

Die Betreuung kranker Kinder ist in Berlin weiterhin überwiegend Frauensache. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Nordost zum Internationalen Kindertag. 74 Prozent der Kinderkrankentage von Berliner AOK-Versicherten wurden 2025 von Frauen genommen. Auf Männer entfielen nur 26 Prozent. Damit liegt der Männeranteil in Berlin leicht unter dem bundesweiten Durchschnitt von 27 Prozent.

Berlin gilt in Gleichstellungsfragen eigentlich als progressive Großstadt. Bei der Aufteilung von Kinderkrankentagen zeigt sich dieses Bild jedoch nicht: Wenn Kinder krank sind, bleiben auch in Berlin meist die Mütter zu Hause. Am niedrigsten ist die Männerquote bei den Kinderkrankentagen mit 23 Prozent in Bayern, am höchsten mit 31 Prozent in Sachsen. Berlin erlangt mit 26 Prozent einen Rang im unteren Mittelfeld und bleibt hinter dem Bundesschnitt zurück. 

Teichert: Väter sollten Anspruch auf Kinderkrankentage mehr nutzen

„Berlin ist bei der Betreuung kranker Kinder weniger partnerschaftlich, als man es von einer modernen Großstadt erwarten würde. Die Zahlen zeigen: Wenn ein Kind krank ist, springt in den meisten Berliner Familien weiterhin die Mutter ein. Ich würde mir wünschen, dass Väter ihren Anspruch auf Kinderkrankentage selbstverständlicher nutzen und Arbeitgeber diese Aufteilung aktiv unterstützen“, ordnet Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, die Zahlen ein.

Eine deutliche Veränderung in diese Richtung ist bislang nicht erkennbar. Seit 2015 ist der Männeranteil bei den Berliner Kinderkrankentagen nur von 24,5 auf 25,9 Prozent gestiegen. Innerhalb von zehn Jahren hat sich an der Aufteilung damit kaum etwas verändert.

Gehaltsunterschiede können ungleiche Aufteilung verstärken

Dabei steht der rechtliche Anspruch auf Kinderkrankentage jedem gesetzlich versicherten Elternteil gleichermaßen zu. Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Tage pro Jahr richtet sich nach der jeweiligen Familiensituation. In einer Familie mit einem Kind hat jeder Elternteil Anspruch auf 15 Arbeitstage Kinderkrankengeld, Alleinerziehende auf 30 Tage. Bei mehreren Kindern erhöht sich der Anspruch.

Kinderkrankentage gehen jedoch – anders als Krankmeldungen bei eigener Arbeitsunfähigkeit liegt nach der Definition des Gemeinsamen Bundesausschusses dann vor, wenn der Versicherte aufgrund… – mit Lohneinbußen einher. Versicherte haben Anspruch auf regulär 90 Prozent des ausgefallenen Nettogehalts, welches über die Krankenkasse beantragt und ausgezahlt wird.  

„Solange Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer, entsteht in vielen Familien ein finanzieller Anreiz dafür, dass eher die Mutter beim kranken Kind zu Hause bleibt. Das ist kein Vorwurf an einzelne Familien, sondern ein strukturelles Problem. Wer eine gerechtere Verteilung von Care-Arbeit will, muss auch bei Entgeltgleichheit, Tarifbindung und familienfreundlichen Arbeitsbedingungen ansetzen“, sagt Teichert.

In Berlin lag der unbereinigte Gender Pay Gap 2025 nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg bei 10 Prozent. Frauen verdienten demnach im Schnitt 2,87 Euro pro Stunde weniger als Männer.

Anzahl der Kinderkrankentage geht leicht zurück

Insgesamt ist die Zahl der Kinderkrankentage, die Berliner AOK-Versicherte genommen haben, leicht gesunken. Auf 100 anspruchsberechtigte Versicherte kamen im vergangenen Jahr 21 Kinderkrankentage – ein Tag weniger als 2024.

Der Höchststand wurde 2022 während der Corona-Pandemie mit 30 Tagen erreicht. Seither sinken die Zahlen wieder, liegen aber weiterhin über dem Vor-Corona-Niveau.

Eine schwangere Mutter sitzt mit ihrer Tochter im Grundschulalter auf einem Sofa. Die Tochter wirkt erkältet. Sie isst eine Decke gehüllt, sieht fiebrig aus und hustet.
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Dirk Becker

AOK Nordost