Pressemitteilung

In Brandenburg entfallen drei von vier Kinderkrankentagen auf Frauen

01.06.2026 AOK Nordost 3 Min. Lesedauer

Brandenburger Männer nehmen weiterhin selten Kinderkrankentage

Die Betreuung kranker Kinder ist in Brandenburg weiterhin überwiegend Frauensache. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Nordost zum Internationalen Kindertag. 73 Prozent der Kinderkrankentage von Brandenburger AOK-Versicherten wurden 2025 von Frauen genommen. Auf Männer entfielen nur 27 Prozent. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Männeranteil damit kaum erhöht.

Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist erklärtes Ziel der Brandenburger Landesregierung. Bei der Aufteilung von Kinderkrankentagen ist das Bundesland jedoch noch weit von diesem Ziel entfernt: Wenn Kinder krank sind, bleiben in Brandenburg meist die Mütter zu Hause. Am niedrigsten ist die Männerquote bei den Kinderkrankentagen mit 23 Prozent in Bayern, am höchsten mit 31 Prozent in Sachsen. Brandenburg liegt mit 27 Prozent im Mittelfeld und damit auf Höhe des Bundesschnitts.

Teichert: Väter sollten Anspruch auf Kinderkrankentage mehr nutzen

„Brandenburg ist bei der Betreuung kranker Kinder weniger partnerschaftlich, als man es erwarten könnte. Die Zahlen zeigen: Wenn ein Kind krank ist, springt in den meisten Brandenburger Familien weiterhin die Mutter ein. Ich würde mir wünschen, dass Väter ihren Anspruch auf Kinderkrankentage selbstverständlicher nutzen und Arbeitgeber diese Aufteilung aktiv unterstützen“, ordnet Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, die Zahlen ein.

Eine deutliche Veränderung in diese Richtung ist bislang nicht erkennbar. Seit 2015 ist der Männeranteil bei den Brandenburger Kinderkrankentagen nur von 25,1 auf 26,6 Prozent gestiegen. Innerhalb von zehn Jahren hat sich an der Aufteilung damit kaum etwas verändert.

Väter brauchen Rückhalt im Betrieb

Dabei steht der rechtliche Anspruch auf Kinderkrankentage jedem gesetzlich versicherten Elternteil gleichermaßen zu. Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Tage pro Jahr richtet sich nach der jeweiligen Familiensituation. In einer Familie mit einem Kind hat jeder Elternteil Anspruch auf 15 Arbeitstage Kinderkrankengeld, Alleinerziehende auf 30 Tage. Bei mehreren Kindern erhöht sich der Anspruch.

Kinderkrankentage gehen – anders als Krankmeldungen bei eigener Arbeitsunfähigkeit liegt nach der Definition des Gemeinsamen Bundesausschusses dann vor, wenn der Versicherte aufgrund… – mit Lohneinbußen einher. Versicherte haben Anspruch auf regulär 90 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelt, welches über die Krankenkasse beantragt und ausgezahlt wird.  

In Brandenburg lag der unbereinigte Gender Pay Gap 2025 nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg bei 4 Prozent. Frauen verdienten demnach im Schnitt 89 Cent pro Stunde weniger als Männer. Damit ist der Gehaltsabstand zwischen Männern und Frauen deutlich geringer als im Bundesschnitt.

„Die Zahlen zeigt: Es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um Rollenbilder und Arbeitskultur. Väter müssen im Betrieb die klare Botschaft bekommen: Es ist völlig in Ordnung, wenn du wegen deines kranken Kindes zu Hause bleibst. Arbeitgeber können viel dazu beitragen, indem sie Führungskräfte sensibilisieren und eine Arbeitskultur schaffen, in der Sorgearbeit von Männern genauso selbstverständlich akzeptiert wird wie von Frauen“, sagt Teichert.

Anzahl der Kinderkrankentage geht leicht zurück

Insgesamt ist die Zahl der Kinderkrankentage, die Brandenburger AOK-Versicherte genommen haben, leicht gesunken. Auf 100 anspruchsberechtigte Versicherte kamen im vergangenen Jahr 58 Kinderkrankentage – vier Tage weniger als 2024.

Der Höchststand wurde 2022 während der Corona-Pandemie mit 82 Tagen erreicht. Seither sinken die Zahlen wieder, liegen aber weiterhin über dem Vor-Corona-Niveau.

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Dirk Becker

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