Pressemitteilung

In MV entfallen drei von vier Kinderkrankentagen auf Frauen

01.06.2026 AOK Nordost 3 Min. Lesedauer

Männer aus MV nehmen seltener Kinderkrankentage als im Bundesdurchschnitt

Eine schwangere Mutter sitzt mit ihrer Tochter im Grundschulalter auf einem Sofa. Die Tochter wirkt erkältet. Sie isst eine Decke gehüllt, sieht fiebrig aus und hustet.

Die Betreuung kranker Kinder ist in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin überwiegend Frauensache. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Nordost zum Internationalen Kindertag. 74 Prozent der Kinderkrankentage von AOK-Versicherten aus MV wurden 2025 von Frauen genommen. Auf Männer entfielen nur 26 Prozent. Damit liegt der Männeranteil in MV leicht unter dem bundesweiten Durchschnitt von 27 Prozent.

Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist in der Landesverfassung von Mecklenburg-Vorpommern als Staatsziel verankert. Bei der Aufteilung von Kinderkrankentagen ist das Bundesland jedoch noch weit von diesem Ziel entfernt: Wenn Kinder krank sind, bleiben in MV meist die Mütter zu Hause. Am niedrigsten ist die Männerquote bei den Kinderkrankentagen mit 23 Prozent in Bayern, am höchsten mit 31 Prozent in Sachsen. MV liegt mit 26 Prozent im unteren Mittelfeld und bleibt hinter dem Bundesschnitt zurück.

Teichert: Väter sollten Anspruch auf Kinderkrankentage mehr nutzen

„Mecklenburg-Vorpommern ist bei der Betreuung kranker Kinder weniger partnerschaftlich, als man es erwarten könnte. Die Zahlen zeigen: Wenn ein Kind krank ist, springt in den meisten Familien in MV weiterhin die Mutter ein. Ich würde mir wünschen, dass Väter ihren Anspruch auf Kinderkrankentage selbstverständlicher nutzen und Arbeitgeber diese Aufteilung aktiv unterstützen“, ordnet Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, die Zahlen ein.

Immerhin eine leichte Veränderung in diese Richtung ist erkennbar. Seit 2015 ist der Männeranteil bei den Kinderkrankentagen in MV von 22,1 auf 25,6 Prozent gestiegen. In zehn Jahren hat sich an der grundlegenden Aufteilung damit allerdings kaum etwas verändert.

Väter brauchen Rückhalt im Betrieb

Dabei steht der rechtliche Anspruch auf Kinderkrankentage jedem gesetzlich versicherten Elternteil gleichermaßen zu. Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Tage pro Jahr richtet sich nach der jeweiligen Familiensituation. In einer Familie mit einem Kind hat jeder Elternteil Anspruch auf 15 Arbeitstage Kinderkrankengeld, Alleinerziehende auf 30 Tage. Bei mehreren Kindern erhöht sich der Anspruch.

Kinderkrankentage gehen – anders als Krankmeldungen bei eigener Arbeitsunfähigkeit liegt nach der Definition des Gemeinsamen Bundesausschusses dann vor, wenn der Versicherte aufgrund… – mit Lohneinbußen einher. Versicherte haben Anspruch auf regulär 90 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelt, welches über die Krankenkasse beantragt und ausgezahlt wird.  

In MV lag der unbereinigte Gender Pay Gap 2025 nach Angaben des Statistisches Amtes Mecklenburg-Vorpommern bei 4 Prozent. Frauen verdienten demnach im Schnitt 94 Cent pro Stunde weniger als Männer. Damit ist der Gehaltsabstand zwischen Männern und Frauen deutlich geringer als im Bundesschnitt.

„Die Zahlen zeigt: Es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um Rollenbilder und Arbeitskultur. Väter müssen im Betrieb die klare Botschaft bekommen: Es ist völlig in Ordnung, wenn du wegen deines kranken Kindes zu Hause bleibst. Arbeitgeber können viel dazu beitragen, indem sie Führungskräfte sensibilisieren und eine Arbeitskultur schaffen, in der Sorgearbeit von Männern genauso selbstverständlich akzeptiert wird wie von Frauen“, sagt Teichert.

Anzahl der Kinderkrankentage geht zurück

Insgesamt ist die Zahl der Kinderkrankentage, die AOK-Versicherte aus MV genommen haben, spürbar gesunken. Auf 100 anspruchsberechtigte Versicherte kamen im vergangenen Jahr 60 Kinderkrankentage – neun Tage weniger als 2024.

Der Höchststand wurde 2022 während der Corona-Pandemie mit 93 Tagen erreicht. Seither sinken die Zahlen wieder, liegen aber weiterhin über dem Vor-Corona-Niveau.

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Dirk Becker

AOK Nordost