Pressemitteilung

Herzschwäche in Brandenburg: Sozial benachteiligte Regionen besonders betroffen

21.09.2026 AOK Nordost 4 Min. Lesedauer

In Elbe-Elster sind es 8,9 Prozent, in Potsdam 5,2 Prozent

In drei Regionen in Brandenburg sind die Menschen von Herzschwäche besonders betroffen.  Zugleich zählen diese drei zu den sozial am stärksten benachteiligten Regionen Deutschlands. Das zeigt der neue „Gesundheitsatlas Herzinsuffizienz“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Landesweit lebten 2024 rund 124.000 Menschen ab 30 Jahren mit der Erkrankung. Die AOK Nordost fordert, besonders belastete Menschen gezielter zu unterstützen – bei der Vorbeugung und in der Versorgung.

Am höchsten ist der Anteil der Betroffenen im Landkreis Elbe-Elster mit 8,9 Prozent, gefolgt von Oberspreewald-Lausitz mit 8,6 Prozent und Brandenburg an der Havel mit 8,1 Prozent. Den niedrigsten Wert hat Potsdam mit 5,2 Prozent. Die Angaben beziehen sich auf die Bevölkerung ab 30 Jahren.

Im Landesdurchschnitt von Brandenburg liegt der Anteil an Herzsuffizienz Erkrankten bei 6,5 Prozent, bundesweit bei 5,5 Prozent. Ein Teil der regionalen Unterschiede hängt mit der unterschiedlichen Altersstruktur zusammen. Doch auch nach rechnerischer Bereinigung Schließen die Krankenkassen der gesetzlichen Krankenversicherung mit Leistungserbringern… um Alter und Geschlecht bleibt das Gefälle deutlich: In Elbe-Elster beträgt der Anteil dann bei 7,6 Prozent, in Potsdam bei 5,5 Prozent. Elbe-Elster bleibt damit die am stärksten betroffene Region.

Soziale Lage und Herzgesundheit hängen zusammen

Auch bundesweit zeigt sich ein deutlicher statistischer Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Herzgesundheit: In den sozial und wirtschaftlich am stärksten benachteiligten Regionen liegt der Anteil der Menschen mit Herzschwäche bei 6,8 Prozent, in den am wenigsten benachteiligten bei 4,4 Prozent. Der Zusammenhang bleibt nach Berücksichtigung von Alter und Geschlecht bestehen. Der Deprivationsindex, ein Messwert, der die Benachteiligung misst, berücksichtigt Einkommen, Bildung und Beschäftigung. Diese Faktoren stehen im Zusammenhang mit der Verteilung wichtiger Risikofaktoren und damit auch der Krankheitslast in den Regionen. Zu den wichtigen Risikofaktoren für Herzschwäche gehören Rauchen, Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes, der häufig infolge von Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung auftritt.

„Es reicht nicht, Menschen zu sagen, sie sollen gesünder leben. Wir müssen ihren Alltag so gestalten, dass gesunde Entscheidungen leichter werden – gerade dort, wo die Belastung besonders hoch ist.“

Daniela Teichert

Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost

Gesund leben muss leichter werden

„Die Bundesregierung muss handeln. Andere Länder zeigen längst, dass klug ausgestaltete Abgaben auf zuckergesüßte Getränke und höhere Tabaksteuern Gesundheitsverhalten verändern und zugleich Anreize für gesündere Produkte setzen können. Auch Brandenburg kann etwas tun: mit konsequentem Nichtraucherschutz in Gaststätten und verbindlichen Qualitätsstandards für die Verpflegung in Kitas und Schulen. Gesunde Entscheidungen dürfen nicht allein eine Frage der individuellen Disziplin sein – wir müssen die Bedingungen so gestalten, dass gesundes Leben leichter wird“, fordert AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Vorständin Teichert. Solche Veränderungen der Lebensbedingungen werden als Verhältnisprävention bezeichnet. Sie sollen es den Menschen leichter machen, gesund zu leben. 

Mehr als jeder Fünfte ab 75 Jahren betroffen

Besonders häufig ist Herzschwäche im höheren Alter: In Brandenburg sind rund 22 Prozent der Menschen ab 75 Jahren betroffen (siehe Grafik 2). Bei einer Herzinsuffizienz kann das Herz den Körper nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgen. Atemnot, schnelle Erschöpfung und Wassereinlagerungen können den Alltag erheblich einschränken.

Unterstützung, die bei den Menschen ankommt

„Wer schwer herzkrank ist, hat oft nicht die Kraft, sich selbst um jede Unterstützung zu kümmern. Deshalb gehen wir gezielt auf unsere Versicherten zu, die besondere Hilfe brauchen“, sagt Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost.

Beim AOK-Programm „Cardiolotse“ begleiten speziell qualifizierte Gesundheitsfachkräfte Herzkranke mit einer Herzinsuffizienz, koronarer Herzkrankheit oder Herzrhythmusstörung nach einem Klinikaufenthalt bis zu zwölf Monate telefonisch. Sie unterstützen die Betroffenen dabei, Arzttermine zu vereinbaren, Medikamente regelmäßig einzunehmen oder eine Herzsportgruppe zu finden. Das Angebot gibt es seit Juli dieses Jahres auch am Sana-Herzzentrum Cottbus. Eine Studie zum Programm zeigte deutlich positive Effekte: darunter weniger Krankenhaustage innerhalb des ersten Jahres nach der Entlassung.

Für „AOK-Telemedizin Herz“ spricht die Kasse gezielt Versicherte mit einer Herzschwäche und erhöhten medizinischen Risiken an. Mit Hilfe einer vernetzten Waage werden täglich unter anderem Gewichtswerte an ein Telemedizin-Team übermittelt, welches Auffälligkeiten prüft und sofern erforderlich, weitere Maßnahmen einleitet. Ergänzt wird das Angebot durch regelmäßige Beratungsgespräche, die Betroffenen im Umgang mit der Erkrankung unterstützen. Das Angebot ergänzt die Behandlung in der Arztpraxis.

Im ausführlichen Interview erläutert Daniela Teichert, warum Prävention stärker bei den Lebensbedingungen ansetzen sollte und wie die AOK Nordost auch jene älteren Menschen mit Herzschwäche erreicht, die wenig Erfahrung mit Smartphones haben.

AOK-Nordost-Vorstandsvorsitzende Daniela Teichert erklärt, was soziale Benachteiligung mit Herzschwäche zu tun hat, welche Verantwortung Bund und Länder tragen – und warum gute Versorgung mehr braucht als Medikamente und eine App.
Veröffentlicht am 21.09.2026

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Pressesprecher

Dirk Becker

AOK Nordost