Demenzfälle in Brandenburg könnten bis 2060 um rund 40 Prozent zunehmen
Prognose zeigt großes Potential der Prävention
Die Zahl der Menschen mit Demenz in Brandenburg könnte von heute rund 50.000 auf gut 72.600 im Jahr 2060 steigen. Das zeigt eine Prognose des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) in Kooperation mit den Universitäten Rostock, Trier und Köln. Gleichzeitig könnten die Unterschiede zwischen Städten und ländlichen Regionen größer werden. Die Prognose zeigt auch: eine bessere Prävention könnte den Anstieg deutlich bremsen.
Die Prognose geht von einer steigenden Lebenserwartung in Brandenburg aus, und damit wird laut Basisszenario der Studie auch bis 2060 die Zahl der Menschen mit Demenz steigen. Entscheidend ist jedoch, wie sich die Neuerkrankungsrate entwickelt. Sinkt sie durch bessere Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… langfristig um ein bis zwei Prozent pro Jahr, lägen die Fallzahlen im Jahr 2060 je nach Szenario zwischen rund 44.300 und 53.000 an Demenz erkrankten Menschen. Nach heutigem Forschungsstand hängt ein großer Teil der Demenzerkrankungen mit veränderbaren Risikofaktoren zusammen.
„Demenz ist nicht ausschließlich Schicksal. Regelmäßige Bewegung, gute soziale Kontakte, eine ausgewogene Ernährung und gut behandelte Risikoerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Hörverlust können dazu beitragen, dass das Gehirn gesund altert“, sagt Anne Kaeks, Leiterin der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… Akademie. „Für Familien, die bereits betroffen sind, braucht es gut erreichbare Unterstützung im Alltag: Beratung, die Orientierung gibt, Schulungen, die Sicherheit im Umgang mit der Erkrankung vermitteln und Entlastungsangebote, die tatsächlich vor Ort nutzbar sind.“ Die AOK Pflege Akademie bietet Demenz-Pflegekurse und häusliche Einzelschulungen in Kooperation mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft Brandenburg e. V. an.
Ländliche Regionen im Norden und Süden besonders betroffen
Die Prognose basiert auf einem neuartigen Verfahren, mit dem es auch möglich ist, Ergebnisse bis auf Landkreisebene darzustellen. Für Brandenburg zeigt sich: Die heute schon bestehenden Unterschiede zwischen Städten wie Potsdam und Cottbus mit relativ junger Bevölkerung auf der einen Seite und den ländlichen Regionen mit älterer Bevölkerung auf der anderen Seite könnten deutlich zunehmen.
In Potsdam könnten im Jahr 2060 rund 2,8 Prozent der Bevölkerung an Demenz erkrankt sein, im Landkreis Elbe-Elster rund 6,2 Prozent. Das wäre ein Unterschied um das 2,3-fache. Ein Blick auf die Brandenburg-Karte zeigt: Hohe Demenzquoten werden vor allem für den Norden und Süden Brandenburgs prognostiziert.
Nur noch 14 Menschen im Erwerbsalter pro Demenzfall
Mit steigender Lebenserwartung geht laut Prognose auch die Zahl der Menschen im Erwerbsalter zurück. Im Jahr 2020 kamen in Brandenburg rechnerisch rund 32 Personen im Alter von 20 bis 65 Jahren auf einen Menschen mit Demenz. Im Basisszenario wären es 2060 nur noch rund 14. Selbst im günstigsten Präventionsszenario wären es nur noch rund 23. In Zukunft gibt es also deutlich weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter, die einen Demenzkranken versorgen können.
Besonders angespannt wäre das Verhältnis im Landkreis Elbe Elster: Dort kämen 2060 rechnerisch nur noch rund fünf Menschen im Erwerbsalter auf einen Menschen mit Demenz; 2020 waren es noch rund 24. Auch in Spree-Neiße, Oderspreewald-Lausitz und in der Uckermark würden die Werte deutlich sinken.
„Diese Zahlen sind ein Auftrag an die Landespolitik, Demenzversorgung stärker vom Wohnort der Betroffenen aus zu denken“, sagt Anne Kaeks. „Gerade ländliche Regionen brauchen verlässliche Beratung, niedrigschwellige Unterstützung und Entlastung für pflegender An- und Zugehörige sowie demenzfreundliche Angebote vor Ort. Wer möchte, dass Menschen mit Demenz länger gut und würdevoll in ihrem vertrauten Umfeld leben können, muss diese Strukturen dauerhaft stärken.“
Hintergrund: Die Prognosen basieren auf einem kleinräumigen Modell, das demografische Entwicklung und Demenzkennzahlen verbindet. Die Autorinnen und Autoren arbeiten mit einer eng gefassten Falldefinition; die Werte sind daher eher konservative Schätzungen.