Ein Bruch, der keiner ist
Leistenbruch betrifft vor allem Männer / Nur sehr selten lebensbedrohlich / Rückgang zu verzeichnen
Ein Viertel der Männer muss damit rechnen, sich im Laufe ihres Lebens einen Leistenbruch zuzuziehen. Dieser wird medizinisch auch Leistenhernie genannt. Im Jahr 2024 waren 16.080 AOK-Versicherte in Hessen davon betroffen. Ihr Durchschnittsalter lag bei 63 Jahren. Nur 13,7 Prozent von ihnen waren Frauen.
„Eine Leistenhernie betrifft hauptsächlich Männer, weil der Leistenkanal bei ihnen anatomisch breiter und weniger stabil ist“, sagt Dr. Christoph-Gerard Stein, Mediziner bei der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Hessen. Hier brechen keine Knochen, sondern Gewebe wird durchstoßen: Schichten der Bauchwand dringen durch eine Lücke im Leistenkanal, sodass sich das Bauchfett sackartig nach vorn wölbt. Medizinisch wird zwischen einem indirekten und einem direkten Leistenbruch unterschieden. Der indirekte Leistenbruch kann angeboren oder erworben sein und betrifft häufig Neugeborene, Kinder und junge Menschen. Er ist verhältnismäßig selten. Die Regel ist ein direkter Leistenbruch. Er liegt in einer Wandschwäche des Leistenkanals. Das Bauchgewebe drückt sich direkt durch die Wand nach vorne. Hier spielen eine schwache Bauchmuskulatur oder ein schwaches Bindegewebe eine Rolle.
Nicht jeder Bruch wird operiert
Wer eine Ausstülpung im Bauch bemerkt, sollte sich ärztlich untersuchen lassen. Manche Betroffenen haben Beschwerden, wie Ziehen, Druck, Brennen oder auch Schmerzen in der Leistengegend, die sich bei körperlicher Belastung verstärken. Wurde früher jeder Leistenbruch operiert, gilt das heute nicht mehr unbedingt: „Wenn die Betroffenen keine Beschwerden haben, der Bruch nicht fortschreitet und das Risiko für Komplikationen gering ist, kann erst einmal abgewartet werden“, sagt Stein.
Eingeklemmte Eingeweide
In seltenen Fällen kann es jedoch zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen. Dann nämlich, wenn im Bruchsack Teile der Eingeweide eingeklemmt werden, zum Beispiel ein Stück Darm. „In der Folge kann es zu einem Darmverschluss kommen, das vorgestülpte Gewebe absterben und eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung verursachen. Deshalb muss eine eingeklemmte Leistenhernie innerhalb weniger Stunden operiert werden“, erläutert Stein. Symptome sind plötzlich einsetzende heftige Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen.
Gesundheitsnavigator gibt Orientierung
Alles in allem gehört die Operation des Leistenbruchs zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Welche OP-Variante angewendet wird, hängt unter anderem vom Alter des Patienten oder der Patientin, der Art und Größe des Bruchs, den körperlichen Anforderungen im Beruf oder den Wünschen ab. Wie bei jeder OP, so gilt auch hier: Je erfahrener das Behandlungsteam ist, desto eher ist der Eingriff in der Regel erfolgreich. Mit der Krankenhaussuche im AOK-Gesundheits-navigator können sich Patientinnen und Patienten über qualifizierte Kliniken in ihrer Nähe informieren.
Vergleich 2019 zu 2024
Eine bemerkenswerte Differenz: Im Vergleich zu 2019 gingen Leistenbrüche bei hessischen AOK-Versicherten erheblich zurück. Damals waren es noch 17.504 und somit 8 Prozent mehr als fünf Jahre später.