Rückenschmerzen: Ganzheitliches Programm beugt Operationen vor
Sachsen-Anhalt liegt bei der Häufigkeit von Rückenschmerzen im bundesweiten Vergleich auf Platz zwei. Grund genug für die AOK Sachsen-Anhalt, gemeinsam mit dem Klinikum Magdeburg ein ganzheitliches Versorgungsprogramm auf die Beine zu stellen. Nach rund einem Jahr Laufzeit zeigt sich: Patientinnen und Patienten profitieren von dem Angebot, bei dem der Einzelne im Zentrum der Behandlung durch ein interdisziplinäres Team steht.
Rückenschmerzen sind in Deutschland eine Volkskrankheit. Rund ein Drittel der Bevölkerung befindet sich deswegen in ärztlicher Behandlung. Zu den häufigsten Ursachen gehören langes Sitzen, Bewegungsmangel oder eine Überlastung durch schweres Heben. Auch psychische Belastungen wie Stress und Angst können Verspannungen oder Schmerzen im Rückenbereich auslösen.
Für Menschen mit Langzeit-Rückenschmerz bieten die AOK Sachsen-Anhalt und das Klinikum Magdeburg seit Ende 2024 gemeinsam ein Programm an. Es richtet sich an Versicherte der AOK, die ein erhöhtes Risiko für eine Rückenoperation haben. „Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen“, sagt Corinna Beutel, Leiterin des Geschäftsbereichs Gesundheitsversorgung und Pflege bei der AOK Sachsen-Anhalt. Die körperlichen und psychischen Belastungen für die Betroffenen sowie die volkwirtschaftlichen Folgen seien beachtlich. „Daher unterstützt die AOK ihre Versicherten mit langanhaltenden Rückenschmerzen und bietet umfangreiche Angebote zur Vorbeugung und Behandlung.“ So werden Rückenschmerzen effektiv und nachhaltig behandelt. Letztlich soll das Programm helfen, Rückenoperationen zu vermeiden.
Investitionen in moderne Therapieräume
In Sachsen-Anhalt litten im Jahr 2022 laut Gesundheitsatlas des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) mehr als 36 Prozent der Bevölkerung unter chronischen Rückenproblemen. Das ist der zweithöchste Anteil bundesweit. Frauen sind dabei häufiger betroffen (39 Prozent) als Männer (33 Prozent). Das Rückenschmerz-Programm zielt darauf ab, nachhaltig Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit der Patientinnen und Patienten zu verbessern und ihnen zu einem aktiven Alltag zu verhelfen. Das von dem Krankenhaus und der AOK entwickelte Konzept bezieht Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen ein. Am Klinikstandort Magdeburg-Olvenstedt entstand Ende 2024 ein spezialisiertes Rückenzentrum. Das Klinikum investierte rund 600.000 Euro in moderne Therapieräume. Das interdisziplinäre Behandlungsteam vermittelt Gesundheitswissen und Übungen für zu Hause, um ein Selbstmanagement zu ermöglichen.
Vier Wochen Training und zehn Wochen Nachsorge
Zunächst analysieren Orthopäden, Schmerztherapeuten, Psychologen und Physiotherapeuten in einem mehrstündigen Untersuchungstermin die Symptome der Rückenschmerz-Patienten. Auf Grundlage dieses Befundes erstellen die Expertinnen und Experten eine maßgeschneiderte Therapie und stimmen die weiteren Schritte mit den Patientinnen und Patienten ab. Die bisher behandelnden Fachärztinnen und -ärzte sind in den Prozess eingebunden. Bei Bedarf bietet das Rückenzentrum ein ganzheitliches Therapieprogramm an. In jeweils vierwöchigen Durchgängen absolvieren die Teilnehmenden montags bis freitags fünf Stunden täglich ein körperliches und mentales Training. Ein zehnwöchiges Nachsorgeprogramm hat zum Ziel, das Erlernte zu festigen und eine aktive Routine für den Alltag zu entwickeln. Das Programm wird stetig weiterentwickelt. Neben der Teilnahme am Vollzeitmodul sind auch andere Behandlungsoptionen möglich.
Erste Wirkungen nach zwei Wochen
Reinhard Pecher ist voll des Lobes. Der selbstständige Fliesenleger arbeitet seit 49 Jahren auf Baustellen. Seit 30 Jahren hat er Rückenbeschwerden. Zwei Bandscheibenvorfälle, ein eingeklemmter Nerv und ein verletzter Rückenwirbel stehen in seiner Krankenakte. Drei Monate lang war er bereits krankgeschrieben, als er die Gelegenheit zur Teilnahme an dem neuen Programm von AOK und Klinikum ergriff. Die tägliche Fahrt aus Thale im Harz in die Landeshauptstadt nimmt er gern in Kauf. Seine Firma hat so lange Pause. „Gesundheit geht vor“, sagt der 64-Jährige. Die ersten Tage der Therapie seien schmerzhaft gewesen. „Der Körper kannte das Training nicht. Inzwischen fällt das Aufstehen leichter. Ich fühle mich wohler“, beschreibt er nach zwei Wochen sein Befinden.
Hohe Motivation bei Teilnehmenden und Therapeuten
Auch für Uta Napiontek hat sich die Teilnahme gelohnt. „Für mich ist es die erste Therapie, die wirklich etwas gebracht hat“, sagt die Krankenschwester, die in ihrer langen Leidensgeschichte einiges versucht hat, um ihre Rückenschmerzen in den Griff zu bekommen. Sie hat eine angeborene Skoliose, eine Wirbelsäulenverkrümmung, und ist im Beruf körperlich gefordert. Im Rückenzentrum stehe der einzelne Patient im Mittelpunkt. „Hier wurde intensiv auf mich eingegangen“, sagt Uta Napiontek.
„Unser Ziel ist es, die Patientinnen und Patienten zu aktivieren“, sagt Elisabeth Röhrmann, Fachärztin für Orthopädie und Leiterin des Rückenzentrums am Klinikum Magdeburg. Und das gelingt: Die Teilnehmenden sind ganz bei der Sache – in der Krankengymnastik, im Alltagstraining, bei der manuellen Therapie, den Entspannungsübungen und in der Tanztherapie. Prävention kann auch Spaß machen und lässt die Schmerzen so in Vergessenheit geraten.
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