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„Zeitbombe“: WHO soll Klimawandel zum Notstand erklären

18.05.2026 2 Min. Lesedauer

Die Weltgesundheitsorganisation WHO soll die Klimakrise zur „gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite“ erklären und damit wie bei Corona die höchste Alarmstufe ausrufen. Das fordert eine paneuropäische Kommission in einem 17-Punkte-Katalog, den sie kurz vor der heute begonnenen jährlichen WHO-Versammlung in Genf veröffentlichte. „Der Klimawandel ist eine Sicherheitsbedrohung, eine gesundheitliche Notlage und eine wirtschaftliche Zeitbombe in einem“, erklärte WHO-Europadirektor Hans Kluge. Die WHO sollte daher den globalen Gesundheitsnotstand ausrufen. Zugleich sollten Regierungen weltweit die Klimakrise auf die Agenda der nationalen Sicherheitsräte setzen und alle zuständigen Ministerien, auch Verteidigung, Energie und Finanzen, einbeziehen.

Rechtzeitiges Handeln könne „jedes Jahr weltweit Millionen vorzeitiger Todesfälle verhindern“, heißt es in dem „Call to Action“ der  2025 von Kluge einberufenen Expertenrunde. Gerade Europa sei besonders bedroht. Hier stiegen die Temperaturen doppelt so schnell wie im globalen Schnitt. Allein 2024 seien in Europa laut Schätzungen 63.000 Menschen hitzebedingt gestorben, Tendenz: steigend. Der Klimawandel beeinträchtige Ernten und gefährde die Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser. Zugleich breiteten sich Infektionskrankheiten wie Dengue in Europa aus. „Das Überleben der Menschheit und die Bewohnbarkeit unseres Planeten hängen davon ab, ob wir den Klimawandel meistern oder nicht“, sagte der frühere deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach, der dem Gremium angehört.

In dem Papier empfiehlt die Kommission 17 Maßnahmen, um den Klimawandel stärker zu priorisieren. So sollten Regierungen ihn als systemisches Sicherheitsrisiko einstufen und Finanzmittel so umschichten, das sie der Klimakrise entgegenwirken und sie nicht verschärfen. Ein neues WHO-Informationszentrum soll Fake News begegnen. Klimaanpassung und Nachhaltigkeit müssten in der Ausbildung von Gesundheitsberufen verankert werden. Der Kommission gehören 13 ehemalige Regierungschefs, Leiter internationaler Organisationen, Minister und Persönlichkeiten der Zivilgesellschaft an. Den Vorsitz hat die ehemalige isländische Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir.

Unterdessen dürfte Deutschland seine Klimaziele verfehlen. Das geht aus dem heute vorgelegten Prüfbericht des Expertenrates für Klimafragen hervor. Danach blieben die Treibhausemissionen 2025 mit einem Minus von 0,1 Prozent praktisch konstant. Ein Rückgang in Industrie und Energie wurde durch einen Anstieg in den Bereichen Gebäude und Verkehr wettgemacht. Die Experten kritisierten die bisherigen Prognosen als zu optimistisch. Sie gehen davon aus, dass die Klimaziele für 2030 und 2040 gerissen werden. Sorge bereiten vor allem die Sektoren Energie und Gebäude. Das Gremium rief die Regierung auf, ihr Klimaschutzprogramm zu überarbeiten. (cm)

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