Prävention statt Reparatur: Wissenschaftsrat fordert Kurswechsel
Angesichts der demografischen Herausforderungen in Deutschland verlangt der Wissenschaftsrat eine klare Fokussierung des Gesundheitssystems auf Prävention. „Wir müssen Gesundheit und nicht Krankheit in den Mittelpunkt und damit Prävention über Reparatur stellen“, sagte der Ratsvorsitzende Wolfgang Wick heute. Deutschland habe mit jährlichen Ausgaben von 500 Milliarden Euro eines der teuersten Medizinsysteme der Welt. Dennoch bleibe der Gesundheitszustand der Bevölkerung hinter den Erwartungen zurück.
Nötig sei ein „echter Kulturwandel“, betonte der Neurologe an der Universität Heidelberg. Prävention und Gesundheitsförderung seien kein „Nice To Have”, sondern systemrelevant zur Sicherung der Sozialsysteme, aber auch der Wettbewerbsfähigkeit und des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland. In seinem Positionspapier macht der Rat als eine der zentralen Schwachstellen die fehlende Umsetzung von Maßnahmen aus. „Trotz breiten Wissens über Prävention“ würden gerade besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen von Präventionsmaßnahmen nicht erreicht, beklagte Wick. Dies verstärke die gesundheitlichen Unterschiede. Ein weiteres Problem ist laut Wissenschaftsrat die mangelhafte Datengrundlage in Deutschland. „Hier hinken wir einfach hinterher“, konstatierte Wick. In der Corona-Pandemie sei Deutschland auf Gesundheitsdaten aus dem Ausland angewiesen gewesen. Diese Situation habe sich seither noch nicht „tiefgreifend“ verändert.
„Heute ist Prävention zu häufig projektförmig, fragmentiert, wenig evaluiert und nicht ausreichend koordiniert“, kritisierte Cornelia Betsch von der Universität Erfurt. Die Psychologin forderte mehr Gesundheitskompetenz und bessere Gesundheitskommunikation. Außerdem sollten Anreize und Ressourcen für Prävention ausgebaut werden. Der Wissenschaftsrat empfiehlt zudem höhere Steuern auf Alkohol, Tabak und hochverarbeitete Lebensmittel. Die zusätzlich eingenommenen Mittel sollten gezielt für Präventionsforschung und Präventionsförderung eingesetzt werden.
Auch der vom AOK-Bundesverband und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) veröffentlichte Public Health Index (PHI) gibt Deutschland bei der Umsetzung von Präventionsmaßnahmen schlechte Noten. Besonders in den drei Bereichen Tabak, Alkohol und Ernährung schneide die Bundesrepublik verglichen mit anderen europäischen Ländern enttäuschend ab. Aktuell wird innerhalb der schwarz-roten Regierungskoalition über höhere Steuern auf Alkohol und Tabakwaren debattiert, um mit den Mitteln die Krankenkassen finanziell zu stabilisieren. (at)
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