Chronische Erkrankungen: Viele Unternehmen tun sich schwer
Früher, einfacher, länger: Auf diese Formel lassen sich Anregungen des Sozialunternehmens myAbility zur Wiedereingliederung von Menschen mit chronischen Erkrankungen ins Arbeitsleben zusammenfassen. Zwar gebe es in Deutschland viele Menschen mit chronischen Erkrankungen, dennoch habe mit 21 Prozent nur etwa jedes fünfte Unternehmen das Thema Arbeiten mit chronischen Erkrankungen und nicht sichtbaren Behinderungen strategisch in seinen Abläufen verankert. Das ergab eine aktuelle Unternehmensbefragung, die myAbility-Experte Tim Kaltenborn heute beim „Visible+ Dialog“ anlässlich des Tages der nicht sichtbaren Beeinträchtigungen vorstellte.
„Viele Instrumente sind vorhanden. Entscheidend ist, wie sie zusammenwirken“, erläuterte Kaltenborn. 97 Prozent der befragten Unternehmen hätten etwa über ein betriebliches Eingliederungsmanagement berichtet. 39 Prozent hätten die Begleitung der Führungskräfte als etablierte Maßnahme der Wiedereingliederung genannt.
72 Prozent hätten von individuellen Arbeitsplatzanpassungen berichtet und 21 Prozent über ein (externes) Case Management als etablierte Maßnahme der Wiedereingliederung von Beschäftigten. Drei Viertel der Befragten hielten die Zeit- und Personalressourcen für zu gering, 31 Prozent berichteten laut Kaltenborn, dass Ressourcen nur im Einzelfall betrachtet würden. In 24 Prozent der befragten Betriebe gebe es spezifische Schulungen zu chronischen Erkrankungen, in 28 Prozent hingegen keine definierte Hauptverantwortung. Nötig seien aber Zeit, Wissen, klare Verantwortung und verlässliche Abläufe.
Nach Erkenntnissen des Aktionsbündnisses Visible+ lebt in Deutschland jeder Zweite mit einer chronischen Erkrankung oder einem langanhaltenden Gesundheitsproblem. Das Bündnis bringt Perspektiven aus Unternehmen, Sozialversicherung, Selbsthilfe, Rehabilitation, Gesundheitssystem, Wissenschaft und Politik mit dem Ziel zusammen, unter anderem die Teilhabe am Arbeitsleben zu verbessern und die Arbeitsfähigkeit zu erhalten. (ter)