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Angehörigen-Pflege drückt die Arbeitszeit – kaum Entlastung

11.05.2026 2 Min. Lesedauer

Pflegende Angehörige in Deutschland stehen häufig beruflich und gesundheitlich unter Druck. Das zeigt der neue WIdO-Monitor „Zur Lage pflegender Angehöriger“, den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) veröffentlicht hat. Grundlage ist eine Forsa-Befragung von rund 1.500 pflegenden Angehörigen, repräsentativ nach Pflegegraden der Pflegebedürftigen. Demnach sind 59 Prozent von ihnen erwerbstätig. 31,3 Prozent arbeiten in Vollzeit, 27,7 Prozent in Teilzeit. Von den Teilzeitbeschäftigten haben 45,2 Prozent ihre Arbeitszeit wegen der Pflege reduziert.

Knapp die Hälfte der voll- oder teilzeiterwerbstätigen Pflegenden ist körperlich und psychisch stark belastet. Bei den Nicht-Erwerbstätigen liegt der Anteil mit 38,3 Prozent zwar niedriger, ist aber ebenfalls vergleichsweise hoch. „Unsere Erhebung zeigt, dass insbesondere die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege als zentrale Belastungssituation erlebt wird“, sagte Susann Behrendt, Forschungsbereichsleiterin Pflege und Mitherausgeberin des WIdO-Monitors. Insgesamt seien mehr als 40 Prozent der pflegenden Angehörigen hoch belastet.

Auch der Zeitaufwand ist groß: 63,4 Prozent der Hauptpflegepersonen sind laut WIdO-Monitor täglich in die Pflege eingebunden. Mehr als jede zehnte Person pflegt mindestens 40 Stunden pro Woche, jede fünfte mindestens 30 Stunden. Fast 40 Prozent versorgen ihre Angehörigen seit mindestens fünf Jahren. Frauen übernehmen die Pflege besonders oft. Ihr Anteil liegt bei 60,4 Prozent.

Trotz hoher Belastung greifen pflegende Angehörige nur selten auf Entlastungsangebote der Pflegeversicherung zurück – auch das ein Ergebnis der Umfrage. Von den Befragten, die ausschließlich Pflegegeld erhalten, nimmt mehr als die Hälfte keine weiteren Unterstützungsleistungen in Anspruch. Verhinderungs-, Urlaubs- oder Ersatzpflege liegt mit 37,8 Prozent vorn, Kurzzeit- und Tagespflege folgen mit deutlichem Abstand. Für solche Leistungen zahlen Pflegehaushalte im Schnitt 469 Euro monatlich selbst.

Kosten sind jedoch meist nicht ausschlaggebend. Häufiger nennen Befragte fehlenden Bedarf oder den Wunsch der Pflegebedürftigen, nicht von Fremden versorgt zu werden. Bei beruflichen Pflegeauszeiten wiegen finanzielle Sorgen schwerer. Pflegezeit oder Familienpflegezeit nutzten bislang nur 12,5 Prozent der erwerbstätigen Befragten.

Behrendt sieht dringenden Handlungsbedarf „gerade vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und des Fachkräfteengpasses“. Nötig seien eine bessere Information und niedrigschwellige Beratung. Zudem müssten die Angebote „stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Angehörigen ausgerichtet werden“, vor allem mit Blick auf die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf sowie auf sich verändernde Belastungsrisiken und Unterstützungsbedarfe im Verlauf langjähriger Pflege. (sr)

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