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WIdO-Analyse: Menschen werden früher pflegebedürftig

26.03.2026 2 Min. Lesedauer

Während die Zahl der erstmals pflegebedürftigen Menschen ab 60 Jahren von 2019 bis 2024 weitgehend konstant geblieben ist, hat sich die Altersstruktur verschoben. Menschen treten zunehmend früher in die Pflegebedürftigkeit ein und beginnen häufiger mit niedrigeren Pflegegraden. Das zeigt eine als e-Paper veröffentlichte Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) auf Basis von AOK-Routinedaten und Erstbegutachtungsdaten der Medizinischen Dienste.

Demnach wurden zwischen 2019 und 2024 jährlich rund 350.000 AOK-Versicherte ab 60 Jahren erstmals als pflegebedürftig eingestuft. Nach den Sondereffekten durch die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs 2017 hat sich das Niveau der Pflegeeintritte laut der WIdO-Analyse damit wieder stabilisiert.

Auffällig ist das sinkende Eintrittsalter: Lag es 2019 noch bei durchschnittlich 79,5 Jahren, betrug es 2024 nur noch 77,9 Jahre. Besonders stark wuchs der Anteil der 60- bis 69-Jährigen an den Pflegeeintritten – von 13,9 auf 19,5 Prozent. Gleichzeitig ging der Anteil hochbetagter Erstpflegebedürftiger zurück. „Wir sehen hier einen gewissen Vorzieh-Effekt. Die Pflegebedürftigkeit wird früher festgestellt und formalisiert“, erläuterte Susann Behrendt, Forschungsbereichsleiterin Pflege im WIdO. Der Großteil der Betroffenen sei jedoch weiterhin 80 Jahre oder älter.

„Zusammenfassend kann man sagen, dass die Pflegebedürftigkeit früher festgestellt wird, aber mit niedrigeren Pflegegraden startet“, so Behrendt. Der Anteil der Pflegegrade 1 und 2 stieg von 75,8 Prozent im Jahr 2019 auf 79,9 Prozent im Jahr 2024. Demgegenüber sank der Anteil höherer Pflegegrade deutlich. Pflegegrad 4 wurde zuletzt nur noch bei 3,8 Prozent (2019: 5,4 Prozent) und Pflegegrad 5 bei 1,3 Prozent (2019: 1,8 Prozent) festgestellt. 

Bei den Leistungen zeigt sich ein klarer Trend zum Pflegegeld. Besonders stark stieg dessen Nutzung in Pflegegrad 2 von 70,5 im Jahr 2019 auf 79,6 Prozent im Jahr 2024 und in Pflegegrad 3 von 59,3 auf 65,9 Prozent im gleichen Zeitraum. 

Aus Sicht des WIdO sollte die aktuelle Reformdebatte stärker die Struktur der Pflegeeintritte berücksichtigen. „Die Verschiebung hin zu geringeren Schweregraden zeigt, dass es frühzeitige und wirkungsvolle Präventionsmaßnahmen auch schon ab dem Eintritt der Pflegebedürftigkeit braucht“, betonte Behrendt. Damit ließe sich einer Zunahme der Beeinträchtigungen entgegenwirken oder diese zumindest hinauszögern. Gleichzeitig seien neue Versorgungskonzepte gefragt – insbesondere im ambulanten Bereich und zur Unterstützung informeller Pflegearrangements. (sr)

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