Alkohol und Zucker: WHO fordert höhere Steuern
Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt in zwei neuen Berichten vor den gesundheitlichen Folgen des Konsums alkoholischer und zuckerhaltiger Getränke, die in vielen Ländern der Welt aufgrund niedriger Steuersätze immer günstiger werden. Sie fordert Regierungen dazu auf, die Besteuerung zu erhöhen und die Mittel gleichzeitig gezielt für die Stärkung der Gesundheit der Bevölkerung einzusetzen. Zwar erheben laut WHO mindestens 167 Länder Steuern auf alkoholische Getränke, dennoch sei Alkohol in den meisten Ländern seit 2022 günstiger geworden oder im Preis nicht gestiegen.
Die WHO führt dies unter anderem darauf zurück, dass die Steuern seit diesem Zeitraum nicht mit der Inflation und dem Einkommenswachstum Schritt gehalten hätten. Zudem werde in mindestens 25 Ländern – überwiegend in Europa und dort auch in Deutschland – Wein nicht besteuert. Der Steueranteil liege global im Durchschnitt bei 14 Prozent für Bier und 22,5 Prozent für Spirituosen. „Günstigerer Alkohol fördert Gewalt, Verletzungen und Krankheiten“, betonte Etienne Krug, Direktor der WHO-Abteilung für Gesundheitsförderung und Prävention. Während die Industrie profitiere, trage die Gesellschaft häufig die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen.
Ebenso untersuchte die WHO die Besteuerung zuckerhaltiger Getränke, die in mindestens 116 Ländern erhoben werde. Allerdings gebe es auch hier noch viel ungenutztes Potenzial. So würden in den meisten Ländern 100-Prozent-Fruchtsäfte, gesüßte, verzehrfertige Tee- und Kaffeegetränke sowie gesüßte Milchgetränke nicht besteuert, obwohl sie viel Zucker enthielten. Der durchschnittliche globale Steuersatz auf zuckerhaltige Getränke entspreche nur etwa zwei Prozent des Preises einer gängigen Limonade. Auch diese seien seit 2022 in 62 Ländern günstiger geworden oder nicht im Preis gestiegen.
„Gesundheitssteuern gehören zu den wirksamsten Instrumenten, um Gesundheit zu fördern und Krankheiten vorzubeugen“, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Durch höhere Steuern auf Produkte wie Tabak, zuckerhaltige Getränke und Alkohol könnten Regierungen den schädlichen Konsum verringern und gleichzeitig Mittel für wichtige Gesundheitsleistungen mobilisieren.
Auch in Deutschland wird derzeit über die Besteuerung von Alkohol diskutiert. So hatten Gesundheitspolitiker der schwarz-roten Koalition am Montag betont, es brauche höhere Preise für Wein, Bier und Spirituosen. Hintergrund der Forderungen war ein Bericht des Statistischen Bundesamtes, wonach alkoholische Getränke in Deutschland so billig wie in fast keinem anderen EU-Land sind. Auch der neue Public Health Index des AOK-Bundesverbandes und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) hatte jüngst aufgezeigt, dass Deutschland im internationalen Vergleich bei Maßnahmen zum Schutz vor den Auswirkungen des Alkohol- und Tabakkonsums deutlich hinterherhinkt. (tie)
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