Patienten warten im Schnitt 42 Tage auf Facharzttermin
Trotz deutlich gestiegener Vergütung für „offene Sprechstunden“ warten gesetzlich versicherte Patientinnen und Patienten immer länger auf einen Facharzttermin. 2024 waren es 42 Tage – neun Tage mehr als 2019. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor, die G+G vorliegt. „Die Regelungen für eine bessere Versorgung und schnellere Termine sind ein Rohrkrepierer“, kritisierte Linken-Fachsprecherin Julia-Christina Stange. Auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) äußerte sich skeptisch und verwies auf die geplante Reform der ambulanten Versorgung. Der Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, sprach von einer „Luxusdiskussion“ im Vergleich mit anderen Ländern.
Die Bundesregierung habe bereits 2022 die Extra-Vergütung für das Aufnehmen neuer Patienten wegen Erfolglosigkeit aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) von 2019 gestrichen, erläuterte Stange. In der Folge sei nach Angaben der Bundesregierung die extrabudgetäre Honorierung für offene Sprechstunden deutlich gestiegen. Demnach bezahlten die Krankenkassen 2024 rund 814 Millionen Euro für eine schnellere Behandlung ihrer Versicherten – nach 547 Millionen 2022 und 291 Millionen Euro im Jahr 2020. „Mehr Geld für schlechtere Leistung“, bemängelte die Abgeordnete.
Warken sieht das ähnlich. Die Anreize für schnellere Facharzttermine hätten „offenkundig nicht zu nachhaltigen Verbesserungen geführt“. Ein Kernpunkt des geplanten Primärversorgungssystems sei „eine schnellere fachärztliche Versorgung für gesetzlich Versicherte durch bedarfsgerechte, an der Dringlichkeit des medizinischen Anliegens orientierte Wartezeiten“. Laut Bundesregierung sollen die Regeln zur extrabudgetären Vergütung bei der Reform „umfassend überprüft“ werden. Aktuell verpflichtet das TSVG Ärzte, mindestens fünf Stunden pro Woche offene Sprechstunden ohne Termin anzubieten.
In ihrer Antwort auf die Linken-Anfrage verweist die Regierung auf Daten der KBV, wonach Patienten bei Vermittlung durch die Terminservicestelle einer Kassenärztlichen Vereinigung im Schnitt lediglich elf Tage auf einen Facharzttermin warten mussten. Dies widerspreche dem tatsächlichen Erleben der Patienten, sagte Stange. Gassen wies die Kritik zurück: „Die allermeisten Termine erfolgen innerhalb von drei Tagen, Notfälle werden sofort behandelt“. Vorsorgetermine und nicht akute Behandlungsfälle könnten auch „deutlich später“ stattfinden. Nach einer im Januar veröffentlichten Versichertenbefragung im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes empfinden 30 Prozent der Versicherten die Facharzt-Wartezeiten als „zu lang“ oder „viel zu lang“. Deutlich zufriedener sind die Befragten mit der Terminvergabe durch Hausärzte. (toro)
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