Warken kündigt nationale Präventionsstrategie an
Mehr Vorbeugung gilt parteiübergreifend als zentraler Hebel für ein leistungsfähiges Gesundheitssystem. In Berlin diskutierten auf dem ersten Deutschen Präventionsgipfel des AOK-Bundesverbandes Politik und Wissenschaft über konkrete Schritte. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken will die Präventionspolitik in Deutschland stärker bündeln. Eine nationale Strategie soll die bislang zersplitterten Aktivitäten zusammenführen und „alle Akteure an einen Tisch bringen“.
Prävention könne helfen, Krankheiten zu vermeiden, Ressourcen zu schonen und das Gesundheitssystem langfristig stabil zu halten, sagte die CDU-Politikerin in ihrer Eröffnungsrede. Sie verwies auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, den Konsum ungesunder Lebensmittel etwa durch Abgaben zu begrenzen, warnte jedoch zugleich davor, dass staatliche Eingriffe beim Lebensstil schnell als „Bevormundung“ wahrgenommen würden.
Zugleich setzt die Ministerin auf Strukturreformen. Die Krankenhausreform stehe kurz vor dem parlamentarischen Abschluss. Zudem plane die Bundesregierung Änderungen in der Patientensteuerung: Im ambulanten Bereich soll ein Primärversorgungssystem mit vorgelagerter Ersteinschätzung etabliert werden – etwa über eine App, über die Telefonnummer 116 117 oder über Hausarztpraxen. Auch die Notfallversorgung soll künftig digital enger mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst vernetzt werden. Für die Konsolidierung des Gesundheitswesens sei eine „gemeinsame Kraftanstrengung“ notwendig, so Warken. Es gehe darum, einen zweistelligen Milliardenbetrag pro Jahr einzusparen.
Hintergrund des Kongresses sind steigende Krankheitskosten und ein im europäischen Vergleich schwaches Abschneiden Deutschlands im „Public Health Index“, den der AOK-Bundesverband und das Deutsche Krebsforschungszentrum Ende 2025 vorgestellt haben. Risikofaktoren wie Tabak- und Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung oder Bewegungsmangel tragen maßgeblich zu einem Großteil der Krankheitslast bei.
AOK-Vorständin Carola Reimann forderte deshalb: Prävention müsse stärker als politische Querschnittsaufgabe verstanden werden, die Gesundheit „in allen Politikbereichen verankert“. Oliver Huizinga, Leiter der Abteilung Prävention im AOK-Bundesverband, betonte die Erfahrungen anderer europäischer Länder: „In den Niederlanden ist es durch eine entschlossene Tabakpolitik gelungen, die Raucherprävalenz um etwa 30 Prozent zu senken.“
In einer Podiumsdiskussion mit Bundestagsabgeordneten herrschte weitgehend Einigkeit über den Handlungsbedarf. Simone Borchardt (CDU) kritisierte, das Gesundheitssystem sei bislang vor allem auf Behandlung ausgerichtet. Sabine Dittmar (SPD) bemängelte fehlende verbindliche Regelungen etwa in der Ernährungs- und Alkoholpolitik. Kirsten Kappert-Gonther (Grüne) plädierte dafür, stärker auf strukturelle Maßnahmen wie Abgaben oder Werbebeschränkungen für gesundheitsschädliche Produkte zu setzen. (fb)
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