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Vermeidbare Sterblichkeit bleibt großes Problem

09.04.2026 2 Min. Lesedauer

Deutschland kommt beim Vorgehen gegen vermeidbare Sterblichkeit nur langsam voran. Laut einer heute vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Bib) veröffentlichten Studie sind im europäischen Vergleich vor allem Regionen in Ostdeutschland sogar weiter zurückgefallen. Als Gründe für die starken regionalen Differenzen nannte Bib-Forschungsleiter Pavel Grigoriev neben „unterschiedlicher Effizienz bei der Früherkennung und Behandlung von Krankheiten“ und dem Gesundheitsverhalten der Menschen auch Faktoren wie Einkommen, Bildung und Beschäftigungsperspektiven. Nationale Gesundheitspolitik müsse sich deshalb deutlich stärker am regionalen Bedarf orientieren.

Generell attestiert die Analyse Deutschland zwar leichte Fortschritte, doch gebe es „noch Aufholpotenzial, um den häufigsten Risikofaktoren wie Rauchen, übermäßigem Alkoholkonsum, ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel entgegenzuwirken“. Als „stabile Hotspots“ mit kontinuierlich höheren Zahlen bei der vermeidbaren Sterblichkeit weist die Studie Nordthüringen, Ostniedersachsen sowie größere Gebiete von Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern aus. Dagegen gebe es in der Schweiz sowie in weiten Teilen von Italien, Frankreich und Spanien deutlich weniger vermeidbare Todesfälle.

Über alle Ländergrenzen hinweg sterben mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen an vermeidbaren Ursachen, darunter etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Lungenkrebs. Die Daten haben sich allerdings verbessert. So verstarben zwischen 2002 und 2004 noch 82 Männer und 29 Frauen (je 100.000 Einwohner) an vermeidbaren Ursachen, zwischen 2017 und 2019 waren es im Länderschnitt 24 Frauen und 62 Männer.

Als vermeidbar gelten laut Bib Todesfälle bis zu einer Altersgrenze von 75 Jahren, die bei effizienter medizinischer Behandlung oder durch präventive Maßnahmen hätten verhindert werden können. Für die Untersuchung werteten Forschende des Bib sowie der Universitäten Groningen und Oldenburg die Todesfallstatistiken aus 581 europäischen Regionen im Zeitraum von 2002 bis 2019 aus. Verzerrungen durch die Corona-Pandemie seien dadurch ausgeschlossen. 

Deutlich mehr Engagement bei der Vermeidung von Erkrankungen hatten zuletzt zahlreiche Expertinnen und Experten beim vom AOK-Bundesverband ausgerichteten 1. Deutschen Präventionsgipfel gefordert. Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte Finanzkommission Gesundheit setzt in diesem Bereich vor allem auf Verhaltenssteuerung durch höhere Steuern auf Tabak und Alkohol sowie die Einführung einer Steuer auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke. (toro)

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