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US-Arzneimittelpreise: WIdO-Daten widerlegen Trump

18.03.2026 3 Min. Lesedauer

Die Arzneimittelpreise in den USA sind bisher weniger stark gesunken als US-Präsident Donald Trump es darstellt. Das belegen gemeinsame Recherchen von NDR, WDR, Süddeutscher Zeitung (SZ) und „New York Times“. Die heute zeitgleich veröffentlichten Ergebnisse basieren wesentlich auf Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Danach sind vor allem patentgeschützte Medikamente in den USA weiterhin teurer als in Deutschland. Die Intransparenz bei den Arzneimittelpreisen auf den nationalen Märkten mache es Pharmaunternehmen leicht, hohe Preise zu erzielen, sagte WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder der ARD-Tagesschau.

Der Preisvergleich bezieht sich auf die beiden lukrativsten Pharmamärkte. „Bei internationalen Preisvergleichen liegen die amerikanischen Preise zumindest bei patentgeschützten Arzneimitteln am höchsten“, heißt es in der heute veröffentlichten WIdO-Analyse. Die US-Regierung hatte deshalb Anfang Februar die Online-Plattform TrumpRX gestartet. Sie soll es vor allem nicht oder unzureichend versicherten US-Bürgern ermöglichen, dank Trumps „Deals“ mit den Pharmakonzernen verschreibungspflichtige Medikamente zu deutlich reduzierten Preisen zu beziehen. "Finden Sie die weltweit niedrigsten Preise", heißt es auf der Startseite.

Das WIdO kommt in seiner heute veröffentlichten Analyse zu dem Ergebnis, „dass die Preise der gelisteten amerikanischen Produkte nur zur Hälfte dem gesetzten Ziel, die günstigsten Preise im Vergleich zu anderen Ländern anzubieten, entsprechen“. Von 89 vergleichbaren, über TrumpRX erhältlichen Medikamenten seien 45 Produkte in den USA weiter teils deutlich teurer als in Deutschland, darunter zum Beispiel die Abnehmspritzen Wegovy und Mounjaro. Bei 44 günstigeren Arzneimitteln handele es sich fast ausschließlich um Generika. 

Wie Schröder kritisierte auch der Gesundheitsökonom Reinhard Busse die Möglichkeit für Pharmafirmen, Preise geheim zu halten und so „die Verhandler aus verschiedenen Staaten gegeneinander auszuspielen“. Er sprach sich gegenüber dem Rechercheverbund dafür aus, Preise gemeinsam für alle 27 EU-Staaten auszuhandeln: „Wenn wir mit allen Bürgern der EU auftreten würden, dann wäre es auch eine viel, viel größere Marktmacht, die da zusammenkäme, und die Preise würden sicherlich günstiger werden.“ 

Die Vorschläge der EU-Kommission für die anstehende Reform der EU-Arzneimittelgesetzgebung und für eine sichere Versorgung mit besonders wichtigen Medikamenten enthalten erste Ansätze für gemeinsame Preisverhandlungen oder länderübergreifende Beschaffung. Vor allem kleinere Mitgliedsländer wünschen sich das, die Bundesregierung lehnt ein solches Vorgehen bisher ab. Über das „Pharmapaket“ und den „Critical Medicines Act“ verhandeln derzeit das Europaparlament, der Rat der EU-Gesundheitsminister und die Kommission. (toro)

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