Mehrheit zweifelt an stabiler Finanzierung der Pflege
Die Unzufriedenheit mit der Regierung im Bereich Pflege ist groß. Viele Menschen fürchten steigende Belastungen. Eine deutliche Mehrheit sieht die soziale Pflegeversicherung (SPV) angesichts ihrer Finanzlage als überfordert an. Das geht aus einer heute veröffentlichten repräsentativen Civey-Befragung im Auftrag des AOK-Bundesverbandes hervor. Demnach bewerten 44 Prozent die Arbeit der Bundesregierung in diesem Bereich mit „ungenügend“, weitere 24 Prozent mit „mangelhaft“.
Zentrale Sorge ist die Finanzierung: 77 Prozent der Befragten sehen die SPV als chronisch unterfinanziert. 84 Prozent haben kaum Vertrauen in ihre Stabilität in den kommenden zehn Jahren. Ebenso viele rechnen mit steigenden Beiträgen binnen Jahresfrist. Auch die Eigenanteile im Pflegeheim bereiten erhebliche Sorgen: Sie lagen zuletzt im Schnitt bei rund 2.600 Euro monatlich. 86 Prozent der Befragten befürchten, dadurch finanziell überfordert zu werden.
Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, sieht darin ein klares Signal an die Politik: „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass der ungelöste Reformbedarf die Menschen verunsichert.“ Es drohe ein weiterer Vertrauensverlust, wenn die finanzielle Stabilisierung nicht gelinge. Reimann forderte zusätzliche Steuerzuschüsse, da die Pflegeversicherung seit Jahren versicherungsfremde Leistungen trage. Zugleich verwies sie auf strukturelle Defizite: Neben der Finanzfrage brauche es „dringend auch echte Strukturreformen“, um die Versorgung vor Ort bedarfsgerechter zu organisieren. Dazu zählten eine stärkere Vernetzung sowie flexiblere Leistungsstrukturen.
Hintergrund sind Reformüberlegungen von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die angesichts wachsender Defizite auch Einschnitte für Versicherte und Pflegebedürftige nicht ausschließt. Diskutiert wird unter anderem, die staatlichen Zuschüsse zu den Eigenanteilen im Pflegeheim deutlich langsamer ansteigen zu lassen: Die maximale Entlastungsstufe würde erst nach 54 statt bislang 36 Monaten erreicht. Zudem sollen strengere Kriterien für die Einstufung in Pflegegrade gelten, was den Zugang zu Leistungen erschweren könnte.
Die finanzielle Lage der SPV gilt als angespannt: Für 2027 wird ein Defizit von rund sechs Milliarden Euro erwartet, bis 2029 könnte es auf etwa zwölf Milliarden Euro anwachsen. Reimann warnte: Eine Reform dürfe nicht einseitig zulasten der Versicherten gehen. Vorschläge, die auf höhere Eigenanteile oder Leistungskürzungen hinausliefen, seien „wenig ermutigend“. Vielmehr müsse die Politik tragfähige und ausgewogene Lösungen vorlegen – sonst drohe ein weiterer Vertrauensverlust in die Pflegepolitik. Grundlage der Umfrage ist eine repräsentative Online-Befragung von rund 10.000 Bundesbürgern ab 18 Jahren Ende März 2026. (fb)
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