Politik ringt um kürzere Wartezeiten auf Facharzttermin
Angesichts langer Wartezeiten auf einen Facharzttermin diskutieren Politik und Verbände über mögliche Lösungen. Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sprach sich für eine Termingarantie für gesetzlich Versicherte aus. „Wenn innerhalb von drei Wochen kein Termin geht, darf der Patient wie ein Privatversicherter ambulant im Krankenhaus behandelt werden“, sagte Lauterbach der „Rheinischen Post“. Bezahlt werden soll das „aus dem Honorartopf der niedergelassenen Fachärzte“. Martin Krasney, Vorstandsmitglied beim Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV), sprach sich für „ein tagesaktuelles Onlineportal“ aus, in dem alle Arztpraxen einen festzulegenden Anteil an Terminen zur Verfügung stellen.
Der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis bezeichnete das als „ernstzunehmendes Signal“, dass laut Bundesregierung Patientinnen und Patienten im Jahr 2024 durchschnittlich 42 Tage auf einen Facharzttermin warteten – neun Tage mehr als 2019. Der Sozialdemokrat sprach sich wie sein Parteikollege Lauterbach ebenfalls für eine Termingarantie aus. Entscheidend sei jedoch, nicht bei einzelnen Instrumenten stehen zu bleiben, sondern die Versorgung insgesamt besser zu organisieren. Pantazis betonte die Chance eines seitens der Regierungskoalition geplanten „modernen Primärversorgungssystems“ mit einer „klugen und medizinisch fundierten Steuerung“. Auch Janosch Dahmen, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen, nannte die Wartezeiten auf einen wichtigen Facharzttermin im ZDF-„Morgenmagazin“ „inakzeptabel“. Sehr viele Facharzttermine seien „fehlgesteuert“, medizinisch gar nicht sinnvoll und verstopften wichtige Terminslots.
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte gestern betont, ein Kernpunkt des geplanten Primärversorgungssystems sei „eine schnellere fachärztliche Versorgung für gesetzlich Versicherte durch bedarfsgerechte, an der Dringlichkeit des medizinischen Anliegens orientierte Wartezeiten“. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, sprach im Vergleich zu anderen Ländern von einer „Luxusdiskussion“. Gegenüber dem „Ärzteblatt“ kritisierte er die Pläne mancher Politiker, die „vor einigen Jahren bewusst geschaffenen finanziellen Anreize“ für die Fachärzte ersatzlos zu streichen und prognostizierte, dass es dann noch weniger Termine geben werde. (tie)
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