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Tabubruch oder wegweisend: Light-Apotheke sorgt für Streit

13.06.2024 3 Min. Lesedauer

Der Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) für die geplante Apothekenreform stößt auf Kritik, aber auch Lob. Apothekerverbände und FDP kündigten umgehend Widerstand an; dagegen sprachen Krankenkassen von „wegweisenden Ansätzen“. Umstritten sind vor allem die geplanten Filial- und Zweigapotheken. Apothekervertreter nannten diese einen „schweren Tabubruch“. Auch die FDP lehnte „Apotheken light“ ab. Dagegen warnte der AOK-Bundesverband davor, die Pläne zu verwässern. Gerade etwa Filialapotheken und Telepharmazie könnten helfen, die Arzneiversorgung in der Fläche zu sichern, sagte die Vorstandsvorsitzende Carola Reimann. Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) betonte, dass die inhabergeführte Apotheke auch künftig zentral bleiben müsse.

Der Entwurf für das „Apotheken-Reformgesetz“, der G+G vorliegt, befindet sich in der Ressortabstimmung. Ziel der Reform sei es, ein „flächendeckendes Apothekennetz“ auch auf dem Land zu erhalten, heißt es in dem Papier. Dazu will Lauterbach die Gründung von Filial- sowie neuen Zweigapotheken erleichtern. Letztere sollen als abgespeckte Apotheken vor allem in unterversorgten Regionen den Zugang zu Arzneien sichern. Im Entwurf wird mit 100 Zweigapotheken gerechnet.

Auch sollen Apotheken ihre Öffnungszeiten flexibler handhaben und um bis zu 19,5 Stunden pro Woche reduzieren dürfen. Zudem sollen sie deutlich mehr Impfungen und Tests anbieten dürfen. In Filialen muss die Apothekenleitung laut den Plänen nur noch acht Stunden pro Woche vor Ort sein. Ansonsten soll Fachpersonal Arzneien abgeben dürfen, sofern sich ein Apotheker per Video zuschalten lässt. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda) sieht hier „nicht verantwortbare Risiken“ für Patienten. Dies seien keine Apotheken, sondern „Abgabestellen auf niedrigstem Niveau“, kritisierte Abda-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening.

Als zweite Säule will Lauterbach die Honorare umschichten, um ländliche Apotheken zu unterstützen. Dazu sollen Notdienste besser honoriert und das sogenannte Fixum, also der Festbetrag pro Packung, erhöht werden. Im Gegenzug soll der prozentuale Anteil am Einkaufspreis sinken. Overwiening zeigte sich enttäuscht. Die Reform verteile das Geld vor allem um, sehe aber kaum mehr Mittel vor. Dagegen warnte Reimann vor Mehrausgaben für die Kassen. Sie schlug vor, den kaum genutzten Geldtopf für pharmazeutische Dienstleistungen von inzwischen 380 Millionen Euro aufzulösen und als Direktabrechnung auszuschütten. (cm)

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