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Studie zeigt Vorteile einer flächendeckenden eGK für Geflüchtete

20.03.2024 2 Min. Lesedauer

Die bundesweite Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte (eGK) für Geflüchtete hätte laut einer aktuellen Studie viele Vorteile: Die Patienten könnten schneller behandelt, der Verwaltungsaufwand verringert und Kosten gespart werden, so das Fazit einer heute vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vorgestellten Studie. Bisher gebe es die eGK nur in sechs Bundesländern flächendeckend – in Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Thüringen und Schleswig-Holstein. In allen anderen Bundesländern müssen Geflüchtete daher vor einem Arztbesuch einen Behandlungsschein beim Sozialamt beantragen.

„Dies führt zu einem hohen Verwaltungsaufwand, verzögert die Behandlung und wird von Patientinnen und Ärztinnen als belastend empfunden“, erläuterte Louise Biddle, die im Rahmen der Befragung die Auswirkungen des Ende Februar geänderten Asylbewerberleistungsgesetzes auf die Gesundheitssituation geflüchteter Menschen untersucht hat. Sie hob auch finanzielle Vorteile durch die Einführung einer eGK hervor: „Hamburg kann beispielsweise durch die eGK in der Verwaltung jährlich rund 1,6 Millionen Euro einsparen. Die anderen Bundesländer sollten daher nachziehen, auch um den Zugang zur Gesundheitsversorgung für Geflüchtete zu erleichtern.“ Neben Vorteilen für die Kommunen biete die eGK „erhebliche Vorteile für den allgemeinen Gesundheitszustand und die psychische Gesundheit von Geflüchteten“. Zudem werde dadurch eher die Primärversorgung statt die Notfallversorgung in Anspruch genommen.

Durch das geänderte Gesetz erhalten geflüchtete Menschen nun bis zu drei Jahre nur eingeschränkte Gesundheitsleistungen. Der Studie zufolge dürfte sich für Geflüchtete die tatsächliche Wartezeit auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) auf eine reguläre Gesundheitsversorgung von gut einem Jahr auf knapp zwei Jahre fast verdoppeln. Hoffnungen, dass dadurch Kosten eingespart werden, sieht Biddle nicht erfüllt: „Wir wissen aus anderen Studien: Werden Gesundheitsprobleme erst adressiert, wenn dies unerlässlich ist oder es sich um einen Notfall handelt, ist es meist teurer als eine frühzeitige Behandlung.“

Um medizinische Leistungen zu erhalten, brauchen Geflüchtete meist Unterstützung. Eine weitere Studie hat den Bedarf an Hilfe in fünf Bereichen untersucht: Zugang zur Gesundheitsversorgung, Asylfragen, Spracherwerb, Arbeitssuche und Zugang zu Bildung. Die Ergebnisse: 98 Prozent der Geflüchteten brauchen Hilfe in mindestens einem dieser Bereiche; 21 Prozent sogar in allen fünf. (ter)

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