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Jeder dritte jüngere Mensch mit Depression nutzt KI

28.04.2026 2 Min. Lesedauer

Für viele jüngere Depressionserkrankte ist Künstliche Intelligenz (KI) eine feste Anlaufstelle: 35 Prozent nutzen sie, um über ihre Erkrankung zu sprechen, zehn Prozent führen längere Dialoge wie mit einem menschlichen Gegenüber. Das zeigt eine repräsentative Studie der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention unter 2.500 Befragten im Alter von 16 bis 39 Jahren. Die Organisation erkennt darin Chancen für eine bessere Versorgung, betont jedoch, dass KI eine professionelle Behandlung nicht ersetzen kann.

Die Ergebnisse zur Nutzung großer Sprachmodelle wie ChatGPT und Gemini verdeutlichen, wie selbstverständlich digitale Unterstützung bei Depressionen geworden ist. Im Mittelpunkt steht vor allem der Wunsch nach Austausch: 56 Prozent der Befragten möchten über ihre Probleme sprechen, 46 Prozent hoffen, die Erkrankung selbst bewältigen zu können. Auch Aufmunterung (41 Prozent) sowie Informationen zu Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten (40 Prozent) spielen eine wichtige Rolle. 

Die Erfahrungen fallen überwiegend positiv aus: 85 Prozent bewerteten die Gespräche als hilfreich. Unter denjenigen mit Psychotherapieerfahrung sagten 65 Prozent, die Gespräche seien genauso gut oder sogar besser.

Gleichzeitig macht die Untersuchung deutliche Risiken sichtbar. 57 Prozent empfinden den Austausch als belastend, weil das Gegenüber kein echter Mensch ist. 53 Prozent gaben sogar an, nach der Nutzung verstärkt Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid gehabt zu haben. Zudem berichteten 62 Prozent, die Gespräche mit der KI hätten den Gang zu einem Arzt oder Psychotherapeuten ersetzt.

Auf einer weißen Couch sitzt ein Mann. Ein Arm liegt auf der Lehne. Er schaut in sein Smartphone.
Immer mehr Menschen, vor allem junge, nutzen Künstliche Intelligenz (KI) bei Fragen zur psychischen Gesundheit. Professor Ulrich Hegerl ordnet Chancen und Risiken ein und erklärt, warum die Debatte weit über die Psychotherapie hinausgeht.
02.04.2026Stefanie Roloff5 Min

Die Deutsche Depressionshilfe warnte vor falschen Erwartungen. „KI ersetzt weder eine professionelle Diagnostik – etwa mit Laboruntersuchungen zum Ausschluss einer Schilddrüsenüberfunktion – noch stellt sie eine leitliniengerechte Behandlung dar“, sagte der Vorstandsvorsitzende Ulrich Hegerl. Depression sei eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung. Betroffene sollten sich daher „unbedingt weiterhin an Hausärzte, Psychiater oder Psychologische Psychotherapeuten wenden“. Trotz der positiven Effekte sieht die Stiftung nach wie vor dringenden Forschungsbedarf zu Chancen und Risiken der KI-Nutzung als psychologische Unterstützung.

Auch unabhängig von einer Depression greifen 65 Prozent der Befragten für Gespräche über psychische Belastungen auf KI zurück. Am häufigsten kommt dabei ChatGPT zum Einsatz mit 77 Prozent, gefolgt von Gemini mit 14 Prozent und Microsoft Copilot mit vier Prozent. (sr)

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