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Studie skizziert Ausgestaltung einer Primärversorgung

10.04.2026 2 Min. Lesedauer

Die Debatte über eine Primärversorgung in Deutschland nimmt immer konkretere Züge an. Eine heute veröffentlichte Publikation der Friedrich-Ebert-Stiftung umreißt die Anforderungen an eine Primärversorgung und legt unter dem Titel „Reformbedarf in der Primärversorgung“ mehr als 70 Handlungsempfehlungen für einen Umbau der gesundheitlichen Grundversorgung vor. Die Primärversorgung sei zwar „elementarer Bestandteil der Daseinsvorsorge“, weise in Deutschland jedoch erhebliche strukturelle Defizite auf, heißt es in der Studie. Im internationalen Vergleich liege das System nur im „hinteren Mittelfeld“.

Als zentrale Probleme benennt die Studie regionale Versorgungsunterschiede, eine unzureichende Steuerungsfunktion sowie Defizite bei der übergreifenden Koordination der Versorgung. Gleichzeitig verschärfe sich der Fachkräftemangel, insbesondere bei Hausärztinnen und Hausärzten sowie in der Pflege. Ein Expertenteam um den Autoren Matthias Gruhl hält eine kurzfristige, flächendeckende Einführung eines Primärarztsystems angesichts regionaler Unterschiede in der Versorgung allerdings für nicht realistisch. Stattdessen sei eine gestufte Einführung eines umfassenderen Primärversorgungssystems sinnvoll, zunächst in gut versorgten oder ausgewählten Modellregionen sowie für Patientengruppen mit besonderem Koordinationsbedarf, etwa chronisch Kranke und Multimorbide.

Zu den Voraussetzungen für einen Umbau der ambulanten Versorgung werden in der Publikation die Definitionen der Regionen und des Primärversorgungsbedarfs genannt. Flankierend fordern sie klare gesetzliche Vorgaben für das Gesamtziel, Umsetzungsschritte und Zuständigkeiten sowie zusätzliche Maßnahmen zur Stabilisierung unterversorgter Regionen. Parallel soll der Ausbau tragfähiger Versorgungsstrukturen, etwa durch Primärversorgungszentren, vorangetrieben werden.

Ende Januar hatte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) einen Fachdialog für den Aufbau einer Primärversorgung begonnen. Für den Sommer hat sie einen entsprechenden Gesetzentwurf angekündigt. Die AOK unterstützt das Vorhaben. Dabei umfasse die Primärversorgung „interdisziplinäre Teams, in denen auch Pflegekräfte und Medizinische Fachangestellte mehr Verantwortung tragen“, sagte die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, dem „Fokus“. Nicht jeder Patient brauche einen Arztkontakt. Zugleich betonte sie, dass eine stärkere Steuerung nicht zulasten der Versicherten gehen dürfe: „Die freie Arztwahl soll auch im System der Primärversorgung erhalten bleiben.“ (ts)

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