RKI-Studie: Bessere Kommunikation kann HPV-Impfraten steigern
Gezielte Schulungen von Ärzten und Praxispersonal erhöhen die Impfbereitschaft von Eltern und führen zu höheren Impfraten gegen Humane Papillomviren (HPV). Dies ist das Ergebnis einer Studie des Robert-Koch-Instituts. In Deutschland sind nur etwa die Hälfte der 15-jährigen Mädchen und ein Drittel der gleichaltrigen Jungen vollständig gegen HPV geimpft.
Die 2023 gestartete „Interventionsstudie zur Steigerung der HPV-Impfquoten in Deutschland“ (InveSt HPV) sollte Wege aufzeigen, die Impfraten in Deutschland zu verbessern. Wissenschaftler testeten dabei zwei unterschiedliche Strategien zur Schulung des medizinischen Personals und befragten zudem Ärzte, Praxiskräfte und Eltern nach ihrer Einstellung zum HPV-Vakzin.
Die Ergebnisse zeigen Schwachpunkte bei der Kommunikation in der Arztpraxis auf. So kann sich weniger als die Hälfte der Eltern an eine Impfempfehlung ihrer Ärztin oder ihres Arztes erinnern. Ein Drittel der Eltern zögert, ihr Kind gegen HPV impfen zu lassen. Eltern von Mädchen stehen der Impfung positiver gegenüber als Eltern von Jungen. Dagegen sieht das medizinische Personal die HPV-Impfung als sehr positiv an. Allerdings empfinden Ärzte und Praxiskräfte den Umgang mit Ängsten, Misstrauen und Wissenslücken der Eltern als schwierig.
Die Forscher testeten zwei unterschiedliche Strategien in Kinderarztpraxen in Bremen und in ausgewählten Landkreisen in Bayern: zum einen eine reine Wissensschulung des Personals über die Impfung und die durch die Viren verursachten Krebserkrankungen, zum anderen eine Schulung zur motivierenden Gesprächsführung. Beide Schulungsansätze erreichten eine „signifikante Steigerung der HPV-Impfzahlen im niedrigeren zweistelligen Bereich“, schreibt das RKI. Die Wissenschaftler regen daher an, solche Schulungen dauerhaft im Praxisalltag zu verankern.
Im EU-Vergleich liegt die Bundesrepublik bei den HPV-Impfraten im unteren Mittelfeld, weit entfernt von den Impfraten von 90 Prozent wie in Portugal, Norwegen oder Schweden. Sowohl die EU als auch die Weltgesundheitsorganisation WHO haben sich im Zuge ihrer Krebsbekämpfungsstrategie das Ziel gesetzt, bis 2030 mindestens 90 Prozent der Mädchen vollständig zu impfen und die Impfrate bei Jungen deutlich zu steigern. Die vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) geförderte InveSt HPV-Studie endet nach dreieinhalb Jahren Laufzeit im Juni 2026. (at)
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