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Deutschland bei Lebenserwartung in Europa gar nicht Spitze

09.03.2026 3 Min. Lesedauer

Gleich zwei Region in Deutschland sind bei der Lebenserwartung Schlusslichter in Westeuropa. So hatten Männer in der Altmark in Sachsen-Anhalt mit 76,29 Jahren die drittniedrigste und Männer in Vorpommern mit 76,44 Jahren die viertniedrigste Lebenserwartung von allen 450 untersuchten westeuropäischen Regionen, wie eine heute veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (Bib) und des französischen Instituts für demografische Studien (Ined) darlegt. Schlechter schnitten nur noch die über 1.000 Kilometer vom Festland entfernten portugiesischen Inseln Madeira und die Azoren ab. Keine deutsche Region schaffte es bei der Lebenserwartung in die Spitzengruppe. Hier dominierten Spanien bei den Frauen und die Schweiz bei den Männern.

Generell haben sich der Analyse zufolge in Westeuropa die Unterschiede bei der Lebenserwartung seit 2005 deutlich verstärkt. Im gleichen Zeitraum endete auch der klare Aufwärtstrend, der zwischen 1992 und 2005 zu beobachten war, als die Lebenserwartung in Westeuropa rasch anstieg − bei Männern um rund 3,5 Monate pro Jahr, bei Frauen um 2,5 Monate. Hingegen betrug der durchschnittliche Zuwachs in den Jahren 2018 und 2019 nur noch etwa zwei Monate für Männer und einen Monat für Frauen. Insbesondere in Regionen mit niedriger Lebenserwartung gab es nur noch einen geringen Anstieg. Ausschlaggebend sei hier die Entwicklung der Sterblichkeit bei den 55- bis 74-Jährigen, erklärte Pavel Grigoriev vom Bib. „In manchen Regionen stagnierte die Sterblichkeit in dieser Altersgruppe oder stieg sogar wieder an.“ 

Die Entwicklung in Regionen Norditaliens, der Schweiz und Teilen Spaniens zeige jedoch, dass weitere Fortschritte möglich seien, betonte Grigoriev. Die zunehmende regionale Ungleichheit bei der Lebenserwartung sollte daher bei gesundheitlichen und sozialpolitischen Maßnahmen stärker in den Blick genommen werden. Für ihre Analyse untersuchten die Forscher die Lebenserwartung in 450 europäischen Regionen aus 13 Ländern über den Zeitraum von 1992 bis 2019.

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Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt in Deutschland im Jahr 2024 für Frauen bei 83,5 Jahren und für Männer bei 78,9 Jahren. Verglichen mit anderen EU-Ländern erreichte die Bundesrepublik damit knapp den Durchschnittswert. Gleichzeitig gab Deutschland jedoch im Jahr 2023 mit 5.414 Euro pro Kopf das meiste Geld für Gesundheit unter den EU-Staaten aus. Die sozioökonomischen Ungleichheiten bei den Risikofaktoren wie Rauchen und Alkohol seien in Deutschland größer als in den meisten anderen EU-Ländern, heißt es in einem Bericht der EU-Kommission vom Dezember. Dies unterstreiche die Notwendigkeit einer verstärkten Präventionspolitik. (at)

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