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Bündnis fordert „Prävention als politisches Leitmotiv“

09.02.2026 2 Min. Lesedauer

Eine breite Allianz aus Medizin, Wissenschaft und Gesellschaft drängt in einem heute veröffentlichten Forderungspapier auf mehr Prävention als „staatliche Pflicht“. Prävention dürfe keine freiwillige Aufgabe bleiben, sondern müsse als „tragende Säule der Gesundheitspolitik“ verankert werden, so die Initiatoren. Viele Menschen könnten gute Vorsätze nicht dauerhaft umsetzen. „Unsere Alltagsbedingungen erschweren es“, sagte der Leiter der Abteilung Prävention des AOK-Bundesverbandes, Oliver Huizinga. Der Vorsitzende des Vereins „Im Puls. Think Tank Herz-Kreislauf“, Udo Schauder, kritisierte: „Wir verwalten Krankheiten, statt Gesundheit zu gestalten.“

Konkret drei Hebel sieht das Bündnis als zentral für einen „klaren politischen Richtungswechsel“: Gesundheitsschutz müsse gesetzlich verbindlich geregelt und ressortübergreifend umgesetzt werden. Es brauche eine „wirksame Unterstützung durch Regulierungen“ statt freiwilliger Selbstverpflichtungen. Die konsequente Umsetzung der WHO-„Best Buys“ dürfe nicht länger aufgeschoben werden. Wissenschaft müsse schneller in Politik einfließen, indem „evidenzbasierte Erkenntnisse zeitnah in verbindliche gesetzliche Rahmenbedingungen“ mündeten. Denn Gesundheit sei „kein weiches Thema, sondern ein „harter Standortfaktor“, unterstrich Schauder. Ohne gesunde Menschen gebe es keine produktive Wirtschaft, keine Innovationskraft und keine langfristige gesellschaftliche Stabilität.

Die Datenlage ist laut der Initiatoren eindeutig: Herz-Kreislauf-Erkrankungen seien mit rund 40 Prozent aller Sterbefälle die Todesursache Nummer eins hierzulande. Deutschland leiste sich eines der teuersten Gesundheitssysteme weltweit und habe die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben in der Europäischen Union, doch die Lebenserwartung bleibe hinter vielen vergleichbaren Ländern zurück. Besonders alarmierend sei „die Expansion der Morbidität“, mahnte Schauder. Nach 1975 Geborene wiesen heute mehr gesundheitliche Beeinträchtigungen auf als die Generationen vor ihnen. „Wir erleben also keinen Zugewinn an gesunden Lebensjahren, wir erleben eine schleichende Verschlechterung.“ Der Kern des Problems sei strukturell.

AOK-Präventionsexperte Huizinga stellte das durchweg schlechte Abschneiden Deutschlands im Vergleich mit 18 Ländern bei Maßnahmen zu Alkohol, Tabak, Ernährung und Bewegung heraus. Im jüngsten Public Health Index von AOK-Bundesverband und Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) landete Deutschland auf dem vorletzten Platz. Unter anderem weil Alkohol und Tabak hierzulande sehr günstig sind. Die Lebensmittelwerbung zeige fast nur Ungesundes. Es gebe „viele ungenutzte Potenziale“ in Politikfeldern wie Ernährung, Fiskalpolitik und Suchtmittel. Dort seien die Maßnahmen in Deutschland „besonders zögerlich“, erklärte Huizinga. Dabei seien hier „wahrscheinlich die größten Potenziale zu heben“, um die Lebenserwartung auf der Bevölkerungsebene „messbar zu verändern“. (imo)

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